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Ein Auszug aus dem Roman "Rebella - Love Train" von Kathrin Lankers:

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Vier Wochen Interrail! Was wie ein tolles Abenteuer klingt, ist für Lena der größtmögliche Albtraum. Denn sie muss ausgerechnet ihre zickige Schwester Juli auf diese Reise begleiten, nachdem sich deren beste Freundin das Bein gebrochen hat. Für Lena gibt es nur einen einzigen Grund mitzufahren: Sie will es zum Abschiedskonzert ihrer Lieblingsband nach Barcelona schaffen. Dafür nimmt sie nicht nur Julis Launen in Kauf, sondern stellt sich auch den Tücken der Tour. Als die beiden Schwestern allerdings auf Tobias und Felix treffen, wird die Reise zu einer rasanten Achterbahnfahrt der Gefühle: Die Mädchen gehen mit den zwei Jungs eine heiße Wette ein und liefern sich ein Rennen durch ganz Europa. Und schon bald schlagen sämtliche Herzen höher … Ein rasant-spannender Jugendroman.

chap1

Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet ein Paar High Heels für mich mal Schicksal spielen würde? Dabei trage ich gar keine. Aber genau so war’s!

aus Lenas Tagebuch

An einem ruhigen Sonntagnachmittag, wenige Tage vor Beginn der Sommerferien, rief das Schicksal bei uns an. Das Telefon klingelte, aber ich blieb auf meinem Bett liegen und stellte die Musik lauter. Wer immer da telefonisch unseren Hausfrieden störte, wollte garantiert nicht mich sprechen, sondern Juli.

Hätte ich zu diesem Zeitpunkt bereits geahnt, dass dieser Anruf mir meine gesamten Sommerpläne versauen würde … Ich wäre von meinem Bett gesprungen und die Treppe heruntergerast, um noch vor meiner Schwester am Telefon zu sein – und hätte mir unterwegs nach Möglichkeit beide Beine gebrochen. Ahnte ich aber nicht. Ich lag auf dem Bett, hörte Musik und trauerte.

»Don’t you ever leave me, don’t you ever go«, sang Joey mir durch die Stöpsel meines iPods direkt ins Ohr, und ich musste blinzeln, weil mir wieder Tränen in die Augen stiegen. »Your love is so special, you’re my only one«, fuhr Joey fort, und natürlich kullerten mir dabei die ersten Tränen aus den Augenwinkeln über die Schläfen und versickerten im Kissen, das ohnehin schon ganz feucht von meinem Geheule war.

Denn Joey hatte genau das vor: mich zu verlassen!

Und nicht nur er. Die fünf Jungs von No Way – der besten Band aller Zeiten – hatten gestern angekündigt, dass sie sich trennen würden, und zwar schon diesen Sommer. Fünf Konzerte waren noch geplant, eins auf jedem Kontinent, dann sollte Schluss sein. Bei dem Gedanken konnte ich ein leises Aufschluchzen nicht unterdrücken. »You are the girl of my dreams«, sang Joey und die anderen stimmten in den Refrain ein: »Don’t you ever leave me …«

Nein, Joey, ich werde dich nie verlassen, dachte ich. Ich werde dich immer lieben! Denn ich liebte Joey schon so lange, seit über einem Jahr, dass ich mir nicht vorstellen konnte, jemals wieder etwas Ähnliches für einen anderen Jungen zu empfinden.

Könnte ich ihn doch nur einmal treffen …, dachte ich, und während ich »Dreamgirl« in Endlosschleife hörte, verlor ich mich in einem meiner Tagträume. Ich sah mich auf dem Konzert von No Way in der allerersten Reihe, direkt vor der Bühne, stehen, und während Joey »You are the girl of my dreams« anstimmt, schaut er mich an, die ganze Zeit über. Der Blick seiner knallblauen Augen bohrt sich in meinen, während er den Song nur für mich singt, es gibt nur noch uns beide. Und dann, am Ende des Stücks, kommt er an den Rand der Bühne und streckt mir seine Hand entgegen. Ich greife danach und er zieht mich zu sich hoch. Die Menge tobt, doch wir hören nichts außer dem Klopfen unserer Herzen, als wir uns küssen.

Poch, poch, POCH!

Heftiges Hämmern gegen meine Zimmertür riss mich aus meinen Träumereien. Widerstrebend zog ich die Stöpsel aus meinen Ohren, als bereits die Tür aufflog und Juli ins Zimmer stürmte.

»Ich hab dich nicht reingebeten«, brauste ich sofort auf und schoss vom Bett hoch.

»Bist du nicht langsam zu alt für diesen Kinderkram?« Juli ignorierte meine Empörung einfach. Ihr verächtlicher Blick glitt über die No-Way-Plakate über meinem Bett und blieb an den Ohrstöpseln auf dem Kissen haften, aus denen noch immer, wenn auch gedämpft, Joeys Stimme zu hören war.

Ich hasse es, wenn Juli das tut. Bei jeder Gelegenheit muss sie mir vorhalten, dass sie bereits achtzehn und somit zwei Jahre älter ist als ich. Dabei benimmt sie sich meistens so, als ob es umgekehrt wäre! Hektisch wischte ich mir die Tränenspuren von den Wangen und machte eine gelangweilte Miene.

»Das geht dich gar nichts an, Miss Supererwachsen. Immerhin spielst du noch mit Barbies.«

»Ich spiele nicht mit ihnen, ich style sie«, ließ sich Juli zu einer Verteidigung hinreißen. Ha, Punkt für mich!

»Wie auch immer.« Juli wuschelte mit spitzen Fingern den ultrakurzen Pony ihres ultrakurzen Haarschnitts in Form. Pixie hieß diese Frisur, wie Juli jedem erklärte, der weniger Ahnung von Mode hatte als sie selbst – also so ziemlich jeder. »Unsere Eltern wollen mit dir reden.«

Ups. Warum das denn? Hatte ich etwas ausgefressen? Wohl kaum. Ich hatte den ganzen Tag tiefdeprimiert auf dem Bett gelegen, da gab es kaum Gelegenheiten, irgendetwas anzustellen. Und dann Julis Tonfall, als hätte sie in eine extrasaure Zitrone gebissen. Was war bloß los?

»Was gibt’s denn?«, fragte ich betont gelassen.

Doch anstelle einer Antwort machte Juli auf dem Absatz ihrer hochhackigen Sandaletten kehrt (trotz Schuhverbots zog sie ihre Parkettkiller auch im Haus nie aus) und stürmte aus meinem Zimmer. Etwas unwillig, aber zumindest auch ein kleines bisschen neugierig folgte ich ihr, nachdem ich mit einem letzten wehmütigen Seufzen meinen iPod ausgeschaltet hatte.

Unsere Eltern saßen bereits an dem großen, runden Tisch, jeder eine Tasse Tee vor sich (wie konnten sie bei dieser Sommerhitze Tee trinken?), als ich in die Küche kam. Nur Juli lehnte mit dem Po, der von einem Häkel-Minikleid mehr schlecht als recht bedeckt wurde, gegen die Spüle, die Arme vor der Brust verschränkt. Unruhig wippte sie mit der Fußspitze auf und ab, was ein nervtötendes Klack-Klack auf dem Holzboden verursachte. Sie sah angespannt aus und trotzdem perfekt.

Wieder einmal fiel mir auf, dass die Gene in unserer Familie extrem ungleich verteilt worden sind. Und leider hat meine ältere Schwester, zumindest optisch, all die guten abbekommen. Ihre dunkelbraunen, kajalumrandeten Augen wirkten riesig in ihrem schmalen Feengesicht und wurden nur vom lipglossigen Kussmund an Vollkommenheit überboten. Juli sieht fast aus wie eine exakte Kopie der Schauspielerin Emma Watson, die in Harry Potter dessen Freundin Hermine spielt. Wobei zwischen der Schauspielerin und ihrer Filmfigur meines Erachtens Welten liegen: Emma Watson ist im wahren Leben zum Niederknien hübsch – und Hermine gerade mal langweiliger Durchschnitt.

Und genau das bin ich auch: der Hermine-Granger-Typ (außer dass ich nicht so ein Streber bin). Nicht total daneben, sondern in jeder Hinsicht Durchschnitt. Durchschnittlich groß, durchschnittlich gebaut, mittellange, mittelblonde Haare und mittelbraune Augen. Mittelmäßiger geht es eigentlich nicht.

»Ähm, also«, räusperte sich mein Vater und stierte in seine Tasse, als könnte er im Teesatz lesen. Fahrig fuhr er sich mit der Hand über den Kopf. Unsere straßenköterblonden Haare – die Juli natürlich mit hellblonden Strähnen veredelt – haben wir von ihm geerbt. Was man allerdings nicht mehr sehen kann, weil er inzwischen vollkommen kahl ist.

»Ähm, also«, wiederholte mein Vater und strich sich nun über seinen imaginären Bart.

Was war hier bloß los? So langsam kam mir die ganze Sache sehr komisch vor.

»Folgendes ist passiert«, mischte sich meine Mutter, pragmatisch wie immer, ein und tätschelte meinem Vater die Hand. »Julia hat gerade einen Anruf von Laura erhalten. Die Arme liegt im Krankenhaus. Sie ist auf der Treppe ausgerutscht und hat sich einen Bänderriss zugezogen.«

Kein Wunder, dachte ich gehässig, bei den mörderisch hohen High Heels, die auch Julis beste Freundin ständig an den Hacken hatte.

Ich fürchte, manchmal habe ich eine etwas lange Leitung, sonst hätte ich in diesem Moment garantiert die Flucht ergriffen, aber mir war immer noch nicht klar, was Lauras Bänderriss mit mir zu tun haben sollte.

»Jedenfalls«, fuhr meine Mutter unbeirrt von meinem Schweigen fort, »wird Laura nächste Woche auf keinen Fall mit Julia auf Interrailtour gehen können.«

Aha. Darum ging es also: um Julis seit Monaten geplante Reise, die unsere Eltern ihr zum Abi geschenkt hatten. Vier Wochen mit dem Zug quer durch Europa. Dieser Reise fieberte ich mindestens ebenso entgegen wie Juli selbst. Denn für mich bedeutete sie vor allem eins: vier Wochen Juli-frei! Vier Wochen ohne meine nervige große Schwester, in denen ich nichts anderes tun würde, als mich in der Hängematte in unserem Garten zu räkeln, einen schönen Liebesroman nach dem nächsten zu verschlingen und – als Folge der neuesten Entwicklungen bei No Way – meinen akuten Liebeskummer zu pflegen.

»Julia hat herumtelefoniert.« Gedankenverloren fegte meine Mutter ein paar Krümel von der Tischplatte. »Leider hat keine von ihren anderen Freundinnen Zeit, deine Schwester auf dieser Reise zu begleiten.« Jetzt schaute sie mich auffordernd an, als würde sie von mir erwarten, etwas Produktives zu dem Gespräch beizutragen. Dummerweise war mir gerade die Kinnlade heruntergefallen, und mein Mund fühlte sich staubtrocken an, denn plötzlich dämmerte mir, worauf das Ganze hinausgehen sollte.

»Aber …«, startete ich einen schwachen Gegenanlauf, als Juli mir zuvorkam.

»Und deshalb soll dieses Baby hier als mein Babysitter mitkommen?« Schwungvoll stieß sie sich von der Spüle ab und stolzierte mit wütenden Schritten zum Küchentisch. Sie donnerte mit ihrer rechten Faust so heftig auf die Tischplatte, dass der Tee aus den Tassen schwappte. »Das ist nicht euer Ernst.«

»Julia, mein Schatz, sei doch mal vernünftig.« Auch nach achtzehn Jahren schien meine Mutter noch nicht kapiert zu haben, dass Vernunft nicht gerade zu Julis Stärken zählt.

»Eine solche Reise allein anzutreten, ist viel zu gefährlich. Und auch schrecklich langweilig.« Das war wieder mal typisch für meine Mutter. Als Lehrerin hielt sie es wohl für eine geschickte pädagogische Strategie, einem einzureden, alles, was sie entschied, sei bloß zu unserem Besten. »Sicher habt ihr zu zweit viel mehr Spaß.«

»Auf keinen Fall«, riefen Juli und ich wie aus einem Mund und warfen uns augenblicklich einen irritierten Blick zu. Es kommt selten vor, dass wir uns über etwas so einig sind.

»Bevor ich die Tour mit Lena mache, gehe ich lieber für vier Wochen ins Kloster«, ereiferte Juli sich.

»In Ordnung, das wird sich arrangieren lassen.« Meine Mutter wirkte plötzlich sehr gelassen, was Juli nur zu neuer Raserei trieb.

»Ihr habt mir die Reise geschenkt. Schon vergessen?« Ihre rot lackierten Fingernägel trommelten im Stakkato auf den Tisch. »Ihr könnt sie mir nicht einfach wieder wegnehmen.« Sie klang wie ein kleines Kind, dem man die Lieblingspuppe entrissen hatte, um sie in die Waschmaschine zu stecken.

»Doch, liebe Julia, das können wir«, entgegnete meine Mutter noch immer ruhig. »Es ist immerhin unser Geld, mit dem du verreisen willst. Und du bist unsere Tochter. Deshalb tragen wir die Verantwortung dafür, dass dir auf dieser Reise nichts zustößt.«

Juli schnaufte, und ich versuchte, meine Atmung unter Kontrolle zu bringen, die so hektisch geworden war, dass ich garantiert kurz vor dem Hyperventilieren stand.

»Aber …«, versuchte ich es noch einmal, doch ich wurde wieder unterbrochen, dieses Mal von meiner Mutter.

»Meine Güte, Mädchen, ihr stellt euch ja an, als würden wir euch aneinanderketten und in die Wüste schicken.« Sie verdrehte die Augen. Das theatralische Wesen hat Juli definitiv von unserer Mutter geerbt, während ich eher der ruhige, etwas schüchterne Typ bin, wie unser Vater. Apropos. Der sah aus, als würde ihm unsere aktuelle familiäre Massenkarambolage heftig auf den Magen schlagen. Und er brachte noch immer kein Wort heraus. Dafür gelang es mir endlich, mich aus meiner Schreckstarre zu lösen.

»Darf ich vielleicht auch mal was dazu sagen?«, fragte ich schnippisch.

»Natürlich.« Meine Mutter wandte sich mir mit einem etwas angestrengten Vertrauenslehrerlächeln zu. »Was möchtest du sagen?«

»Ich habe keine Lust auf diese Reise«, stieß ich hervor. »Überhaupt nicht. Ich weiß wirklich nicht, warum ich durch die Gegend gondeln soll, nur damit Juli ihre tolle Tour machen kann. Sorry, sucht euch bitte einen anderen Deppen!«

Ich senkte den Blick, damit ich meine Eltern nicht direkt anschauen musste, und wollte mich umdrehen, um aus dem Krisenherd in der Küche zu flüchten, da donnerte mein Vater plötzlich seine Faust auf den Tisch, was noch viel lauter rumste als eben bei Juli.

»Jetzt reicht’s«, fuhr er uns an. »Da ackert man Tag für Tag, um euch alles zu ermöglichen, was ihr euch wünscht. Und was erntet man dafür? Nichts als Meckerei. Eure Mutter und ich bieten euch die Chance zu reisen, die schönsten Plätze Europas kennenzulernen, am Strand zu liegen und etwas zu erleben. Und ihr? Wollt nicht. Na, dann eben nicht. Julis Ticket geben wir zurück. Ende. Aus.« Seine Hand sauste noch einmal mit einem Rums herunter, dann blieb sie auf der Tischplatte liegen, als wüsste mein Vater nicht mehr, was er damit anfangen sollte. Wir alle starrten ihn an. So viele Worte auf einmal hatte er schon länger nicht mehr gesagt.

»Das könnt ihr nicht machen!«, kreischte Juli in die Stille hinein, die auf den Ausbruch meines Vaters gefolgt war. Und dann erging sie sich in höchsten Tönen darüber, dass diese Reise ihr gutes Recht sei, weil sie hart dafür geschuftet habe (was nicht ganz stimmte, denn sie hatte zwar ein tolles Abizeugnis bekommen, aber eigentlich musste sie nie groß für ihre guten Noten lernen), und dass sie volljährig sei und unsere Eltern ihr nichts verbieten könnten …

Ich hörte nur mit halbem Ohr zu, denn in meinem Kopf fuhren die Gedanken plötzlich Karussell. Ausgelöst durch das kleine Wörtchen »Ticket«, hatte sich ein Denkprozess in Gang gesetzt, der ungefähr so aussah: Das einzige Europakonzert von No Way würde in vier Wochen in Barcelona stattfinden, im größten Stadion Europas. Für mich war es somit bisher unerreichbar gewesen, zumal sämtliche Tickets innerhalb der ersten acht Stunden nach Bekanntgabe der Pläne von No Way restlos ausverkauft waren. Aber man konnte nie wissen. Vielleicht hatte ich ja Glück und konnte vor der Konzerthalle noch ein Ticket ergattern. Vorausgesetzt ich schaffte es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und das erschien mir plötzlich gar nicht mehr so unmöglich wie noch bis vor ein paar Minuten …

»Okay«, sagte ich mitten in Julis Gezeter hinein. Und weil mich niemand hörte, wiederholte ich lauter: »Okay, ich komme mit.«

Juli klappte ihren Mund auf der Stelle zu und starrte mich mindestens ebenso verblüfft an wie meine Eltern.

»Wie bitte?«, stieß sie schließlich so atemlos hervor, als hätte jemand die Luft aus ihr herausgelassen.

»Im Ernst?«, fragte meine Mutter gleichzeitig.

Nur mein Vater sagte natürlich nichts, sondern nickte mir nur mit einem kleinen, anerkennenden Lächeln zu.

»Ja«, bekräftigte ich. »Ich fahre mit, damit Juli ihre Tour nicht absagen muss. Ich habe nur eine Bedingung.«

»War ja klar«, ätzte Juli sofort, aber meine Mutter bedeutete ihr mit einer Handbewegung, mal für einen Moment die Klappe zu halten.

»Was für eine Bedingung?«

»Ich will in vier Wochen in Barcelona sein«, sagte ich so fest wie möglich und kam mir vor wie ein Pokerspieler, der sein ganzes verbliebenes Geld setzt – allerdings habe ich noch nie Poker gespielt und weiß von daher nicht, ob es sich wirklich genauso anfühlt.

»Das Abschiedskonzert von No Way.« Juli stöhnte und verdrehte die Augen wie vorhin unsere Mutter.

»Ja. Was dagegen?« Jetzt verschränkte ich die Arme und funkelte Juli herausfordernd an. Die grummelte irgendetwas Unverständliches, doch unsere Mutter klatschte bereits begeistert in die Hände und sprang auf.

»Das klingt nach einem guten Kompromiss. Dann müssen wir jetzt nur noch ein zusätzliches Ticket für Lena besorgen und schon kann es losgehen. Meine beiden großen Mädchen auf Reisen. Fantastisch.« Tatendurstig rieb sie sich die Hände, als wolle sie sofort zum Bahnhof fahren, um die Fahrkarte zu besorgen. Julis Grummeln ignorierte sie ebenso wie meine bockige Haltung, stattdessen schien sie still in sich hineinzulächeln. Fast hätte man meinen können, dass sie irgendeinen Plan verfolgt hatte, der gerade aufgegangen war.

Ich hingegen war noch immer hin- und hergerissen. Klar, ich hatte die einmalige Chance, No Way live zu erleben – oder zumindest konnte ich in ihrer Nähe sein. Aber der Preis, den ich dafür zahlen musste, würde verdammt hoch sein: vier Wochen on tour mit meiner grässlichen Schwester!