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ISBN 978-3-649-61433-3 (eBook)

eBook © 2013 für die deutschsprachige Ausgabe

Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Münster

Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise

eBook-Produktion: book2look Publishing 2013


ISBN 978-3-649-61168-4 (Buch)

© 2012 für die deutschsprachige Ausgabe

Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Münster

Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise

Text by Pierdomenico Baccalario

Original cover and illustrations by Iacopo Bruno

Graphics by Iacopo Bruno

© 2011 Edizioni Piemme S.p.A. Via Tiziano 32 – 20145 Milan – Italy International Rights © Atlantyca S.p.A., Via Leopardi 8 – 20123 Milan – Italy

Original Title: Ulysses Moore – Il Club dei Viaggiatori Immaginari

Translation by: Cornelia Panzacchi

www.ulyssesmoore.it

No part of this book may be stored, reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical, including photocopying, recording, or by any information storage and retrieval system, without written permission from the copyright holder. For information address Atlantyca S.p.A., Via Leopardi 8 – 20123 Milan, Italy – foreignrights@atlantyca.it – www.atlantyca.com

Redaktion: Isabelle Ickrath, Linda Hermann

Satz: Sabine Conrad, Rosbach

www.coppenrath.de

Darauf erwiderte die weise Penelope:

»Fremdling, dunkel und unerklärbar sind die Träume

und nicht alles wird den Menschen offenbar.

Denn wie man sagt, gibt es zweierlei Türen der Träume:

Die einen sind aus Horn und die anderen

aus Elfenbein gebaut.«

Homer, Odysseus, 19. Gesang

Kapitel 1

Der Angriff

Julia und Jason blieben wie erstarrt an der Treppe stehen, die man in die Klippen von Salton Cliff gehauen hatte. Die Zwillinge waren dorthin gelaufen, nachdem sie aus Angst vor einem Erdbeben aus dem Haus gerannt waren. Ein heftiger Ruck, der das ganze Haus erzittern ließ, hatte sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen.

Kurz danach hatten sie es gesehen. Mitten in der Bucht von Kilmore Cove lag eine schwarze Brigantine mit pechschwarzen Segeln. Sie hatte soeben aus acht Kanonen eine volle Breitseite auf die Villa Argo abgefeuert.

Die Zwillinge hörten das Schießpulver explodieren und dann erhellten Feuerblitze den Nachthimmel.

»RUNTER!«, schrie Jason, stieß seine Schwester zu Boden und schirmte sie mit seinem Körper ab.

Das Türmchen der Villa Argo wurde von einer Kanonenkugel getroffen, die durch ein Fenster eindrang und auf der anderen Seite wieder hinausschoss.

»JASON! JULIA!«, schrien ihre Eltern, während im Garten ein Hagel von Holzsplittern und Glasscherben auf sie niederprasselte.

Ein zweiter Pfiff erklang, dann ein dritter und ein vierter. Eine weitere Kugel zertrümmerte die Veranda vor dem Wintergarten und rollte ins Wohnzimmer. Eine andere traf wieder das Türmchen und die folgende entwurzelte einen der uralten Bäume des Parks und versank danach im Rasen.

»Das kann doch nicht wahr sein!«, stammelte Julia völlig fassungslos.

»Bleib unten!«, schärfte ihr Bruder ihr ein, bevor er aufstand und loslief.

Ein Knall. Ein Feuerblitz. Ein unerträgliches Pfeifen, das Julias Schreckensschrei übertönte. »JASON!«

Wieder flog ein Geschoss durch den Garten und brachte einen Mauerstumpf, ein Überrest von Nestors abgebranntem Gärtnerhaus, zum Einsturz.

Mrs Covenant bekam einen Weinkrampf, und ihr Mann bemühte sich, sie zu beruhigen. Aber auch er hatte entsetzliche Angst und begriff nicht, was um ihn herum eigentlich vorging.

Auf einmal senkte sich das Türmchen und ächzte dabei so wie ein verletztes Tier. In der dem Meer zugekehrten Wand der Villa Argo bildete sich ein breiter Riss.

»JASON!«, schrie Julia noch einmal so laut, wie sie konnte. »WO WILLST DU HIN?«

Doch ihr Bruder schien sie nicht gehört zu haben. Er lief zu seinen Eltern, die eng umschlungen im Garten standen. »Das Auto, schnell!«, rief er und zeigte zur Garage. »Wir müssen ins Auto! Wo sind die Schlüssel?« Doch als er ihre verstörten Gesichter sah, merkte er, dass sie gar nicht verstanden, was er meinte. Er erkannte, dass er selbstständig handeln musste, und lief weiter in die Küche. Er fand die Autoschlüssel in der Schale, in die Mr Covenant seine Hosentaschen leerte, nahm sie, rannte in den Garten zurück und warf seinem Vater den Schlüsselbund zu. Dieser fing ihn automatisch auf und starrte ihn dann an, als wüsste er nicht, was er damit anfangen sollte.

»Wir müssen sofort weg von hier! Sie schießen auf uns!«, erklärte Jason den Eltern.

Mr Covenant starrte immer noch den Schlüsselbund in seiner Hand an. »Wieso? Was soll das heißen, Jason?«

Doch sein Sohn war bereits wieder im Haus verschwunden. Und erneut gab es einen Knall und einen Pfiff und Mr und Mrs Covenant schrien erschrocken auf.

Das Auto in der Garage.

Doch, das war eine gute Idee.

»Julia, lauf!«, rief Mr Covenant. »Da rüber!« Dann fasste er seine Frau an den Schultern und zog sie mit sich mit.

Jason war auf das, was er vorhatte, so fixiert, dass er die Schüsse kaum noch wahrnahm. Er lief ins Wohnzimmer und wäre dort beinahe über die Kanonenkugel gestolpert. Sie war auf den Teppichen ausgerollt und hatte eine verbrannte, immer noch qualmende Spur hinterlassen. Er konnte der Versuchung nicht widerstehen, sie zu berühren. Seit er seinen ersten Piratenfilm gesehen hatte, war er immer neugierig gewesen, ob …

»Aua!«, schrie er erschrocken auf und zog blitzartig seine Hand zurück.

Jetzt endlich hatte er Gewissheit: Soeben abgefeuerte Kanonenkugeln waren tatsächlich glühend heiß.

Er lief weiter. Durch das zweite Wohnzimmer, das Steinerne Zimmer mit der Tür zur Zeit und zur Treppe, ohne dabei all den umgestürzten Nippes und die von der Wand gefallenen Bilder zu beachten. Nach ein paar Stufen blieb er stehen, weil er wieder einen Knall und einen Pfiff gehört hatte. Er duckte sich, schützte den Kopf mit den Armen und wartete mit angehaltenem Atem auf den Aufprall.

»Nicht jetzt!«, betete er stumm, als über ihm irgendetwas explodierte.

Die Spiegeltür des Turmzimmers am oberen Ende der Treppe zersprang in tausend Scherben und Jason ging gerade noch rechtzeitig wieder in Deckung.

Als er aufsah, lag die zerstörte, herausgerissene Tür am Boden, und aus dem, was vom Turmzimmer übrig geblieben war, strömte eisig kalte Luft. Schnell stieg Jason über die Trümmer der Tür und des Spiegels hinweg.

Das Turmzimmer war komplett zerstört. Der Fußboden war aufgebrochen und die Dielenbretter bildeten einen scharfkantigen, steil nach unten abfallenden Fächer. Tisch, Stühle, Truhe, Schiffsmodelle, Tagebücher und alle übrigen Besitztümer von Ulysses Moore waren in die hinterste Ecke des Zimmers gerutscht. Jason hielt sich an dem zerstörten Türrahmen fest und kämpfte mit einem Schwindelanfall.

»Nein!«, befahl er sich selbst. »Nicht jetzt!«

Durch die zerbrochenen Fensterscheiben konnte er die Bucht, das dunkle Meer und das Schiff mit den schwarzen Segeln sehen. Fackeln beleuchteten dessen Brücke, auf der ein seltsames Heer von Affen hektisch hin und her rannte.

Jason versuchte zusammenzuzählen, wie viele Schüsse er bisher gehört hatte. Die Kugel, der die Spiegeltür zum Opfer gefallen war, musste die siebte sein. Nein, sogar die achte, wenn er auch den Schuss zählte, der sie geweckt hatte.

Er überlegte, ob sie auf dem Schiff gerade nachluden, weil sie nun schon einige Augenblicke lang nicht mehr geschossen hatten. Draußen hörte er nur Schritte auf dem Kies und das Anlassen des Autos, das er als sehr beruhigendes Geräusch empfand. Dann rief seine Mutter mit angsterfüllter Stimme: »Jason, wo bist du? Jason!«

Im selben Moment sackte die hintere Ecke des Turmzimmerfußbodens um ein paar weitere Zentimeter ab. Ulysses Moores Truhe kam ins Rutschen, stürzte um und der Deckel sprang auf. Beschriebene Blätter und Notizbücher fielen heraus. Jason sah ein, dass ihm keine Zeit blieb, auch sie mitzunehmen. Mit zusammengebissenen Zähnen hielt er nach dem Gegenstand Ausschau, den er retten wollte.

Er entdeckte ihn in der hintersten, niedrigsten Ecke inmitten eines Haufens aus Büchern und zerbrochenem Porzellan. Es war eine kleine achteckige Spieluhr in Form eines Karussells, mit acht Gondeln anstelle der Pferdchen. Lange Zeit war sie nur eines der vielen Dinge gewesen, die in der Villa Argo in und auf Schränken, Regalen und anderen Möbelstücken herumstanden und Staub fingen. Eines der tausend Souvenirs, die auf Reisen zu erträumten und wirklichen Orten gesammelt worden waren. Aber ausgerechnet am Abend zuvor hatten Black Vulcano, Julia und er erfahren, dass sich diese Spieluhr schon länger im Besitz der Familie Moore befunden hatte. Sie war ein Geschenk einer Frau namens Elisabeth Kapler an Ulysses’ Vater John Joyce Moore gewesen. Und es gab ein Geheimnis, das mit ihr verbunden war.

Er stellte einen Fuß auf den Boden des Zimmers und belastete ihn versuchsweise mit seinem Körpergewicht. Dielen und Balken knarzten und ächzten, aber brachen nicht. Die alten Mauern der Villa Argo hielten stand! Jason setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Dann hockte er sich hin und kroch auf allen vieren weiter, aber nur sehr langsam, und ohne den Fußboden aus den Augen zu lassen.

Trotz aller Konzentration musste er dabei die ganze Zeit an das schwarze Schiff denken. Hatten sie es herbeigerufen, indem sie die Spieluhr angestellt hatten? Ein absurder Gedanke, aber inzwischen hatte Jason gelernt, dass in Zusammenhang mit Kilmore Cove und den Türen zur Zeit die absurdesten Gedanken oft die vernünftigsten waren. Und wenn sie das verdammte Schiff mit der Spieluhr herbeigerufen hatten, würde es ihnen vielleicht auch gelingen, es mithilfe ebendieser wieder verschwinden zu lassen. Es gab nur eine einzige Methode, um herauszufinden, ob das tatsächlich so war. Er robbte auf dem steil abfallenden Fußboden dichter an den Bücherhaufen in der Zimmerecke heran …

»Jason!« Die Rufe seiner Eltern wurden von einem markerschütternden Donnern übertönt.

Der Junge richtete sich vorsichtig auf, um aus dem Fenster zu schauen, und sah zwei riesige, züngelnde Flammen, die sich für Sekundenbruchteile auf der Oberfläche des Meeres spiegelten. »Nein!«, schrie er wütend.

Er hatte die Füße gegen die Truhe gestemmt. Kaum einen Atemzug später hörte er das Klirren von Glas und sofort darauf unzählige dumpfe Aufschläge. Die Kanonenkugel hatte mitten in der Bibliothek der Villa eingeschlagen.

»Teufel noch mal!« Jason schnellte nach vorne.

Seine Finger streiften die lederbezogene Truhe und deren Messingbeschläge, berührten die Seiten eines Buchs, den Rumpf eines der Schiffsmodelle, die der ehemalige Besitzer der Villa gebaut hatte, und schließlich …

Das nächste Geschoss schlug zwischen den Blumenbeeten im Garten auf und grub sich dort tief in die Erde ein. Wieder erzitterte das Türmchen und der Fußboden sackte auf der einen Seite noch weiter ab. Notizbücher, Gemälde, Statuen und ein Stuhl rutschten durch die zerbrochenen Fenster aufs Dach hinaus und fielen von dort in den Garten hinunter.

Irgendetwas drückte Jason so fest gegen die Wand, dass er kaum noch atmen, geschweige denn sich bewegen konnte. Doch er gab nicht auf: Mit der freien Hand wühlte er weiter in dem Haufen herum, bis seine Fingerspitzen die Spieluhr ertasteten. Er streckte den Arm so weit aus, wie er konnte, schob sie auf sich zu und bekam sie endlich zu fassen.

»Ja!«, jubelte er.

»JASON!« Dieses Mal hatte Julia gerufen.

Ich komme gleich, dachte Jason, während er versuchte, sich zu befreien. Er machte eine Bewegung auf die nun über ihm emporragende Schwelle des Zimmers zu, doch die Balken, die das Türmchen mit dem übrigen Haus verbanden, brachen mit einem trockenen Krachen auseinander.

Eine endlos lang erscheinende Sekunde passierte nichts. In der nächsten Sekunde rollte das Türmchen das Dach hinunter und stürzte in den Garten.


Kapitel 2

Eine unwirkliche Grenze

»Sie sind hier richtig«, sagte die blonde Beamtin im Amt für Imaginäre Weltreisen.

»Sie müssen dieses Formular ausfüllen, nachdem Sie sich die Beantragungsvoraussetzungen durchgelesen haben«, fügte die rothaarige Beamtin mit einem selbstgefälligen Lächeln hinzu.

»Der Ariadnefaden für die Dunklen Häfen wird allerdings nur an volljährige Antragsteller abgegeben«, ergänzte die brünette Dame, ohne den alten Mann und den Jungen auch nur anzusehen.

»He! Moment mal! Ich bin volljährig!«, log der kleine Flint, ohne rot zu werden.

»Pscht!«, machte Nestor leise. »Lass mich reden.«

Der kleine Flint zog einen Schmollmund, rückte aber ein bisschen von dem Schalter ab. Was für eine Zeitverschwendung! Seit Stunden schon wurden sie von einem Amt zum anderen geschickt und es war noch kein Ende abzusehen. Dazu kam, dass sie seit ihrer Ankunft auf der Gefängnisinsel noch nichts gegessen hatten.

Nestor hinkte näher an den Schalter heran und versuchte, alle drei mit Namensschildchen ausgestatteten Frauen gleichzeitig anzuschauen: die blonde Irene, die rothaarige Nike und die brünette Eunomia. Sie saßen nahe beieinander, zwischen ihnen befand sich nur eine Schicht miteinander verknäulter bunter Fäden, die alles in dem Amt zu bedecken schien: die Wände, die Decke und den Fußboden. An der hinteren Wand waren die Enden der Fäden an zahllosen Haken festgemacht.

Eben wegen dieser Fäden waren Nestor und sein Reisegefährte hergekommen: Sie hatten erfahren, dass nur die Ariadnefäden einem helfen konnten, sich in den Gängen des Labyrinths zurechtzufinden.

Die blonde Beamtin trug eine lächerlich aussehende Schmetterlingsbrille. Vor ihr standen ungefähr zehn weiße übereinandergestapelte Garnspulen. Neben der rothaarigen Beamtin waren zu beiden Seiten Wörterbücher, Gesetzbücher und andere dicke Wälzer aufgeschichtet. Als Nestor sie sah, musste er sofort an seine Bücher in der Villa Argo denken. Er seufzte, während die brünette Beamtin nach einer Schere griff, einen der sie umgebenden Fäden durchschnitt und ein Formular abstempelte.

»Sehen Sie, meine Damen …«, begann Nestor, um Beherrschung bemüht. »Es ist so, dass wir schon seit einiger Zeit von Amt zu Amt wandern und …«

»Die Zeit zählt hier nicht, mein Herr«, sagte die Brünette und schnitt einen anderen Faden durch.

Nestor atmete tief durch. »Aber wir haben bereits Verspätung und müssen … müssen wirklich … Wir müssen wirklich diese Dunklen Häfen erreichen, verstehen Sie?«

Die Blondine schnitt eine Grimasse, um ihm zu bedeuten, dass sie ihn natürlich verstanden hatte. Die Rothaarige sah Nestor nur an, ohne ein Wort zu sagen. Die Brünette schnitt einen dritten Faden durch.

»Also, um es kurz zusammenzufassen: Die Herren Kartografen haben uns hergeschickt. Sie haben gesagt, dass wir uns einen Ariadnefaden geben lassen sollen. Einen schwarzen, wenn ich mich nicht irre.«

»Genau«, erwiderte die Blonde und griff nach einem schwarzen Faden.

Nestor lächelte. »Perfekt. Dann haben wir uns ja verstanden.«

»Natürlich haben die Kartografen Sie hierher zu uns geschickt«, schaltete sich die Rothaarige ein. »Wir sind die Ausgabestelle für die Fäden.«

»Und wir kontrollieren die Gültigkeitsdauer«, sagte die Brünette streng, während sie einen weiteren Faden abschnitt und ein Formular abstempelte.

Nestor räusperte sich. »Ja, dann wäre ja alles geklärt. Wir brauchen einen schwarzen Faden für zwei Personen und …«

»Leider verbieten das die Vorschriften«, sagte die Rothaarige und nickte zum kleinen Flint hinüber. »Kinder dürfen die Dunklen Häfen nicht aufsuchen.«

»Ich bin kein Kind!«, protestierte der kleine Flint.

»Warum darf er denn da nicht hin?«, fragte die Blonde. Sie klang ein bisschen enttäuscht.

Die Beamtin mit den roten Haaren blätterte in mehreren dicken Wälzern herum, bis sie die gesuchte Stelle gefunden hatte. »Paragraf 45 des Kommentars zum Imaginären Abkommen legt fest, dass ›Säuglinge‹ höchstens einen weißen Faden, ›Kinder‹ einen rosafarbenen, grünen, orangefarbenen oder himmelblauen Faden, ›Teenager‹ außerdem einen roten oder einen fuchsiafarbenen erhalten dürfen …« Die Frau sah von dem Buch auf und meinte zusammenfassend: »Jedenfalls können wir nur dem alten Mann einen schwarzen Faden aushändigen.«

Als er das hörte, platzte Nestor der Kragen. »Was erlauben Sie sich!«, polterte er. »Ich bin doch nicht alt!«

»Sehen Sie?«, sagte der kleine Flint vorwurfsvoll. »Diese drei Frauen hier wollen uns nur beleidigen.«

»Darf man wissen, wie alt Sie sind?«, erkundigte sich die Brünette.

Nestor nannte ihr sein Alter, und sie meinte höflich, dass man es ihm gar nicht ansehe, während die Rothaarige ungerührt feststellte: »Nach Paragraf 61 gelten Sie damit als ›nahezu pflegebedürftig‹. Das verleiht Ihnen das Anrecht auf einen Sonderrabatt und einen hübschen kleinen Rucksack als Bonus.«

»Ich will keinen albernen Rucksack!«, rief Nestor erzürnt. »Ich will nur den Faden!«

»Ach, nehmen Sie ihn schon«, sagte die Blonde und reichte ihm einen erstaunlich großen Rucksack über den Tresen. »Die sind sehr praktisch!«

»Und du kommst einfach wieder, wenn du das richtige Alter erreicht hast, Kleiner«, säuselte die Rothaarige dem kleinen Flint zu, der sich inzwischen fragte, warum er eigentlich keine Waffe mitgenommen hatte.

Nestor betrachtete abschätzend erst den Rucksack und dann den Jungen. Wenn sich der kleine Flint ein wenig Mühe gab, könnte er vielleicht hineinpassen …

»Jetzt muss ich Ihnen aber noch ein paar Fragen stellen, mein Herr«, sagte nun die Blonde.

Nestor schaute sie fragend an.

»Also … Sind Sie sicher, wirklich die Dunklen Häfen besuchen zu wollen? Sind Sie sich darüber im Klaren, dass es sich um äußerst gefährliche Orte handelt, aus denen man nicht zurückkehren kann?«

»Ja, das weiß ich«, log Nestor.

»Aus welchem Grund beabsichtigen Sie, zu den Dunklen Häfen zu reisen?«, hakte die Blonde nach.

»Ich suche nach einer Person.«

»Könnten Sie dazu etwas genauere Angaben machen? Handelt es sich bei der Person um ein Ungeheuer? Einen Mörder?«

»Ich suche nach meiner Frau.«

»Dann ist Ihre Frau also eine Bewohnerin der Dunklen Häfen«, vermutete die Blonde. »Und welcher Tätigkeit geht sie dort nach? Ist sie eine Halsabschneiderin? Eine Giftmörderin? Eine Serienkillerin?«

»Nein, nichts dergleichen. Ich … Ich glaube, sie wurde entführt.«

»Entführerin«, sagte die Blonde, während sie die entsprechende Kategorie auf ihrem Formular ankreuzte.

Nestor wollte widersprechen, beschloss dann aber doch, es lieber bleiben zu lassen.

»Sind Sie bereits einmal an einem erträumten Ort verhaftet worden?«

»Wie bitte?«

»Wenn Sie diese Frage mit ›Ja‹ beantworten können, gäbe es ein paar kleinere Vergünstigungen.«

»Nein, nein, ich bin noch nie verhaftet worden.«

»Haben Sie jemals an Aktivitäten der Kategorien Spionage oder Sabotage teilgenommen oder aber gegen die Vorschriften für den Export von imaginären Gegenständen verstoßen? Haben Sie jemals andere illegale Aktivitäten unternommen?«

»Ich … nein … äh … also, ich habe gelegentlich ein paar Souvenirs mitgenommen, aber das ist alles.«

»Und das haben Sie illegal gemacht?«

»Keine Ahnung! Ich habe sie gekauft oder gegen andere Dinge eingetauscht. Sie gefielen meiner Frau und …«

»Hm. Dann trage ich hier mal ›illegal‹ ein, das können wir ja später immer noch ändern«, schnitt ihm die Blonde das Wort ab. »Wenn Sie die Dunklen Häfen erreicht haben … beabsichtigen Sie dann terroristische Übergriffe auf andere erträumte Orte? Haben Sie jemals die vollständige Zerstörung eines erträumten Ortes durchgeführt oder deren Durchführung begünstigt? Haben Sie jemals an einem erträumten Ort Steuerflucht begangen?«

Jetzt hatte Nestor endgültig genug. »Wann hören Sie denn endlich mit diesem Unsinn auf?«, schimpfte er.

»Antworten Sie bitte eindeutig mit ›Ja‹ oder ›Nein‹.«

»Nein. Aber wenn ich wirklich Steuerflucht begangen hätte, würde ich es Ihnen sowieso nicht erzählen.«

Die Blonde schrieb noch konzentriert einige Zeilen und reichte das Formular dann an die Rothaarige weiter, die es abstempelte und zurückgab.

Schließlich wurde Nestor das Blatt überreicht. »Hier, das wär’s«, sagte die Blonde mit einem Lächeln.

»Das ist alles?«, fragte Nestor mit gerunzelter Stirn.

»Gehen Sie damit in das Amt hier nebenan. Dort erhalten Sie das Visum«, erklärte die Rothaarige. »Inzwischen machen wir Ihre Fadenspule fertig. Kommen Sie mit dem abgestempelten Visum zurück, dann erhalten Sie die Spule. Anschließend brauchen Sie Ihrem Faden nur noch bis zum Tor der Dunklen Häfen zu folgen.«

»Und wie komme ich dann wieder zurück?«, fragte Nestor verwirrt.

»Sie wollen zurückkommen?« Die Blonde sah ihn erstaunt an.

»Ich fürchte, Sie haben da etwas nicht verstanden«, schaltete sich die Rothaarige ein.

»Aus den Dunklen Häfen ist noch niemand zurückgekommen«, sagte die Brünette.

»Nein, wirklich niemand«, bekräftigte die Blonde.

»Die Genehmigung betrifft nur die Einreise«, erklärte die Beamtin mit den roten Haaren.


Kapitel 3

Der Zwischenfall

Jason Covenant konnte es kaum glauben: Er lebte noch.

Mit einer Hand an das geklammert, was bis vor wenigen Sekunden die Schwelle zum Turmzimmer der Villa Argo gewesen war, hing er mit den Füßen über einem Abgrund, der sich dort auftat, wo zuvor Ulysses Moores Lieblingszimmer gewesen war.

Das Echo des letzten Kanonenschusses hallte noch in Jasons Ohren, ebenso wie das Krachen, mit dem das Türmchen unten auf dem Rasen aufgeschlagen war. Die kalte Nachtluft drang unter den Pyjama und den Pullover, den er hastig darübergezogen hatte.

Er streckte einen Arm aus, um die Spieluhr ins Innere des Hauses zu werfen. Dann griff er mit der zweiten Hand nach dem Schwellenbrett und zog sich daran hoch.

Als er endlich wieder auf dem Treppenabsatz stand, klopfte er sich den Staub ab und merkte erst jetzt, dass ihm vor Anspannung die Zähne klapperten. Offenbar gab es inzwischen wieder Strom, aber die elektrische Anlage des Hauses schien verrücktzuspielen: Die Lichter gingen abwechselnd an und aus.

Aus der Bibliothek flogen immer noch lose Seiten, die sich wie sterbende Schmetterlinge auf dem niederließen, was vom Fußboden des Flurs übrig geblieben war.

Endlich nahm Jason die Schreie wahr, die aus dem Garten heraufdrangen. Seine Eltern und seine Schwester riefen nach ihm.

Er gönnte sich eine kleine Verschnaufpause, bevor er antwortete, dass es ihm gut gehe und er gleich komme.

Dann hob er die Spieluhr auf und klemmte sie unter den Arm. Ohne einen Blick in die zerstörte Bibliothek zu werfen, lief er weiter. Die Tür, die zum Speicher führte, war durch die Erschütterung aufgesprungen. Er zwang sich, nicht an all die Dinge zu denken, an all die Schätze, die durch den Angriff vernichtet worden waren, und ging weiter zu Julias Zimmer. Er suchte nach etwas, das sie zufällig in der Nachttischschublade von Kalypsos Mutter gefunden hatte. Seither waren nur ein paar Tage vergangen, aber sie kamen ihm wie Jahre vor.

Draußen drückte sein Vater immer wieder auf die Hupe. Widerstrebend sah Jason ein, dass ihm keine Zeit mehr blieb. Er musste schleunigst nach unten.

Er raste die wackelnde Treppe hinunter, sprang über Sofas und aufgerollte Teppiche und fand sich inmitten einer Staubwolke wieder, durch die er die roten Rücklichter des Autos nur verschwommen erkennen konnte.

Mr Covenant stand mit einer Hand auf der Hupe neben dem Wagen. »Jason! Wir sind vor Angst beinahe gestorben!«, rief er erleichtert, als er seinen Sohn sah.

Ohne ein Wort zu sagen, lief Jason ihm entgegen und umarmte ihn. Sein Vater drückte ihn so fest an sich, dass Jason kaum noch Luft bekam.

»Los, wir müssen uns in Sicherheit bringen«, sagte Mr Covenant schließlich und riss die hintere Tür auf der Fahrerseite auf.

Jason ließ sich neben Julia, die ihn ebenfalls umarmte, auf die Rückbank fallen. Vom Beifahrersitz aus starrte Mrs Covenant ihn nur stumm an.

Mr Covenant legte den ersten Gang ein und sie fuhren los. Im nächsten Augenblick gab es wieder einen Knall und einen Lichtblitz und eine Kanonenkugel traf die Villa.

Julia und Jason drehten sich ein letztes Mal nach dem alten Haus auf den Klippen um. Verletzt, aber würdevoll stand es da, umweht von den losen Seiten aus Nestors Büchern, die immer noch aus den Fenstern des oberen Stockwerks flatterten.

»Das passiert nicht wirklich …«, murmelte Julia.

Jason wollte nicht mehr hinsehen. Ihm war es immer so vorgekommen, als ob das Haus lebendig sei oder ein beschützender Geist darin wohne, der nachts die Möbel verrückte und die herausgeräumten Andenken an ferne Orte in ihre Vitrinen zurückstellte. Ein Geist, der das hätte verhindern sollen, was gerade geschah.

Er hatte das Gefühl, dass es ihm das Herz brach. Jason hatte für dieses Haus gekämpft, zuerst gegen Oblivia, dann gegen die Brandstifter, Doktor Bowen und die Flint Cousins. Es war nicht richtig, dass es so ausging.

Es durfte nicht so ausgehen.

Es fing an zu regnen.

»Das hat gerade noch gefehlt!«, stöhnte Mr Covenant und schaltete die Scheibenwischer ein. Sofort verschmierte nasser Staub die Windschutzscheiben.

»Man kann gar nichts mehr sehen!«, schrie Mrs Covenant hysterisch.

»Verdammt, das merke ich auch!«, knurrte ihr Gatte.

»Wo willst du überhaupt hin?«

Mr Covenant blieb mit eingeschaltetem Blinker ein paar Sekunden lang stehen, bevor er sich entschließen konnte weiterzufahren. »Runter in den Ort.«

»JEMAND SCHIESST MIT KANONEN AUF UNS!«, schrie Mrs Covenant. »UND DU WILLST IN DEN ORT RUNTER?«

»Sie brauchen vielleicht Hilfe«, entgegnete er.

Mrs Covenant packte ihn am Handgelenk. »Das spielt doch keine Rolle! Wir müssen an uns denken! Wir müssen fliehen!«

Jason schüttelte den Kopf. »Fliehen?« Soeben hatte eine Schlacht begonnen, er konnte hier jetzt nicht weg. Er sah Julia an. Schließlich waren sie immer noch die Hüter von Kilmore Cove.

Seine Schwester erwiderte seinen Blick. Dann beugte sie sich vor, um ihre Mutter auf dem Beifahrersitz zu umarmen. »Papa hat recht«, sagte sie ganz ruhig. »Die anderen würden uns nie im Stich lassen.«

Mrs Covenant begann zu schluchzen. »Das weiß ich doch …«, erwiderte sie leise.

Sie schwiegen eine Weile, während Mr Covenant, der immer noch kaum durch die Windschutzscheibe sehen konnte, vorsichtig in Richtung Kilmore Cove auf die Küstenstraße einbog.

Ein Blitz zerriss den Himmel und entlud sich im Meer. Es regnete immer heftiger.

»Wir hätten niemals hierherziehen sollen …«, schluchzte Mrs Covenant. »Wir sind Stadtmenschen …«

Es donnerte und sie verstummte.

Auf der Rückbank rückten Jason und Julia näher zusammen. »Hast du das Notizbuch mitgenommen?«, fragte Jason flüsternd.

»Ja.«

»Schau mal nach, ob gerade jemand darin liest.«

Julia blätterte in Morice Moreaus Notizbuch, in dem kleinen Fensterbuch, über das sie mit allen in Verbindung treten konnte, die gerade ihr eigenes Exemplar aufgeschlagen hatten. Doch im Augenblick las niemand darin. Weder Anita, noch Marius Voynich oder Ultima.

»Nein. Wahrscheinlich schlafen sie alle noch.«

»Voynich auch? Wacht der denn nicht einmal von Kanonenschüssen auf?«

Von der Küstenstraße aus konnten sie die schwarze Brigantine in der Bucht sehen. Die Affen darauf waren wie Matrosen gekleidet. Einige sprangen geschickt von Mast zu Mast, andere rannten auf dem Deck herum und zündeten mit brennenden Fackeln die Kanonen. Zwei Beiboote waren zu Wasser gelassen worden und fuhren nun auf den Hafen zu, aber aus dieser Entfernung konnten die Zwillinge nicht erkennen, ob sie von Menschen oder weiteren Affen gerudert wurden.

Das einzige eindeutig identifizierbare menschliche Wesen auf dem Schiff war der Kapitän.

Und hinsichtlich seiner Identität gab es keine Zweifel.

»Es ist Kapitän Spencer«, raunte Jason.

Julia nickte.

Jason ging im Kopf alles durch, was Black Vulcano ihnen am Vorabend erzählt hatte. Welche Verbindung mochte es zwischen den Ereignissen der letzten Wochen und der Ankunft der Brigantine geben? Nestors Verschwinden, Dr Bowens’ tragischer Tod, die Überschwemmung, ihre Rückkehr aus Arcadia durch das Labyrinth … Aber wie angestrengt er auch überlegte, es machte für ihn keinen Sinn.

Julia zog inzwischen Bilanz: Wie viele ihrer Freunde waren überhaupt noch in Kilmore Cove? Nestor war mit den vier Schlüsseln für die Tür zur Zeit der Villa Argo auf und davon. Leonard und Kalypso schipperten seit Wochen irgendwo auf dem Meer herum. Anita Bloom war mit ihrem Vater und den Gebrüdern Schere nach London zurückgekehrt. Rick und Tommaso befanden sich noch im Venedig des Jahres 1751 …

Ein kalter Schauder fuhr ihr den Rücken entlang. Die traurige Wahrheit war, dass es außer ihnen und Black Vulcano in Kilmore Cove niemanden mehr gab, der helfen konnte.

Inzwischen regnete es nicht mehr, sondern goss in Strömen. Mr Covenant fuhr noch langsamer. Nach der nächsten Kurve konnten sie schon die ersten Häuser des Städtchens sehen. In vielen Fenstern brannte Licht, doch die Menschen schienen alle auf der Straße zu sein. Offenbar waren sie aus ihren Häusern gestürzt, als sie die Kanonenschüsse gehört hatten.

»Schaut nur!« Mrs Covenant zeigte auf die mit Schirmen bewaffnete Menge auf der Seepromenade. Angesichts all dieser Leute fühlten sie sich etwas weniger allein.

Jason hielt nach den beiden Beibooten Ausschau, die er vorhin von der Straße aus bemerkt hatte, konnte sie aber nirgendwo entdecken. Hatten sie ihr Ziel schon erreicht? Er drückte die Stirn gegen die Fensterscheibe und schirmte die Augen mit den Händen ab. Die Brigantine wendete gerade, Kapitän Spencer gab mit weit ausholenden Armbewegungen Signale und die Affen legten neue Kugeln neben die Kanonen.

»Papa, kannst du ein bisschen schneller fahren?«, sagte Jason ungeduldig. Was war da bloß los?

»Oh ja, entschuldigt bitte«, erwiderte Mr Covenant und beschleunigte.

Ein Knall ließ sie alle vier zusammenzucken.

»Was war denn das schon wieder?«, fragte Mrs Covenant. »Ein Donner?«

Noch ein Knall.

Feurige Streifen zeichneten sich am Himmel ab. Die Menschen, die am Strand gestanden hatten, schrien erschrocken auf und flohen. Die ersten Geschosse schlugen in Häusern ein und es brach eine allgemeine Panik aus.

»ROBERT! NEIN! BLOSS WEG VON HIER!«, schrie Mrs Covenant und klammerte sich an ihren Mann.

»WOHIN DENN?«, brüllte Mr Covenant zurück. Seine Frau hielt seine Schulter so fest gepackt, dass er kaum noch lenken konnte.

»Papa, pass auf!«, rief Jason dazwischen und zeigte auf die Straße vor ihnen.

»ROBERT!«

Mitten auf der Straße waren seltsame Gestalten aufgetaucht. Mr Covenant hupte, um sie zu vertreiben, bremste plötzlich, beschleunigte kurz darauf und bremste sofort wieder. Das Auto schlitterte über den nassen Teer wie auf einer Eisbahn und landete auf der Meerseite am Straßenrand. Mit dem rechten Kotflügel knallte der Wagen gegen einen Felsen, prallte ab und rollte zwischen Sträuchern und Steinen auf den Strand zu.

Dies alles geschah innerhalb weniger Sekunden, die den Insassen jedoch endlos vorkamen.

Schließlich setzte der vordere Teil des Autos im Sand auf. Motor und Scheinwerfer gingen aus und im nächsten Augenblick hörte man nur noch das Klopfen des Regens gegen Dach und Fenster.

»Robert?«, fragte Mrs Covenant in die Stille hinein.

»Miriam?«, fragte Mr Covenant zurück.

»Kinder, geht es euch gut?«

Jemand lief den Weg entlang, auf dem sie von der Straße hierhergelangt waren.

Mr Covenant hatte immer noch das Bild dieser Gestalten vor Augen, die plötzlich aus dem Nichts mitten auf der Straße aufgetaucht waren.

Sie hatten große Messer oder Schwerter in den Händen gehalten, Hüte getragen und Affenschwänze gehabt.

»Kinder? Ist dahinten alles in Ordnung?«

Etwas kratzte an einer Tür. Knirschende Schritte waren im Kies zu hören.

Mrs Covenant drehte sich genau in dem Augenblick um, als etwas oder jemand über das Wagendach kullerte.

»ROBERT!«

Ein rostiger Krummsäbel brach durch die Windschutzscheibe.

»MIRIAM!«

Ein Dutzend buckliger Gestalten hatte das Auto umzingelt.

»Die Kinder! Sie sind nicht mehr da!«