Mister Cool nervt total!

»›Ti amo‹ heißt ›Ich liebe dich.‹« Shanti kichert.

Ich gähne demonstrativ. »Und was heißt ›Ich bin müde‹?« Wir haben gleich halb zwölf, fast Mitternacht. Ich quatsche ja gern mit Shanti, aber jetzt will ich schlafen. Das Wochenende zu Hause war nämlich echt anstrengend. Neben den Besuchen bei meinen Freunden und Oma musste ich einen Berg von Hausaufgaben erledigen. Und Lernen war auch angesagt.

Ich bin so was von platt, aber das interessiert meine Freundin anscheinend gar nicht. Sie hockt im Schneidersitz auf ihrem Bett und blättert sofort wieder in ihrem Wörterbuch herum. »M… mü… müde, hier steht es ja. Stanco/stanca.«

Na gut, dann auf Italienisch. »Io stanca!« Ich strecke mich auf meinem Bett aus und rolle mich in die Decke ein.

Shanti kichert. »Das stimmt aber so nicht. Du kannst doch nicht einfach ›Ich müde‹ sagen. Da fehlt noch das Verb dazwischen.«

»Boah, Shanti, jetzt mach doch nicht einen auf Lehrerin. Das ist mir um diese Uhrzeit so was von egal! Halt doch endlich mal deinen Sabbel. Ich muss jetzt echt schlafen, sonst überlebe ich den Tag morgen nicht. Der Philippon hat mich sowieso schon auf dem Kieker. Ich wette mit dir, dass ich morgen beim Vokabelabfragen an die Tafel muss. Wenn du also schon mit Fremdsprachen nervst, dann bitte auf Französisch!«

»Je suis fatiguée«, säuselt meine Freundin prompt. Sie ist in Französisch ein Ass, im Gegensatz zu mir. Ich muss für das Fach wirklich ackern, um einigermaßen klarzukommen. »Gute Nacht!«, brummle ich in mein Kissen. Wenn Shanti mir jetzt in einer Fremdsprache antwortet, egal in welcher, rede ich nie wieder ein Wort mit ihr.

Aber das lässt sie glücklicherweise. »Schlaf gut, Paulina«, flüstert sie und knipst das Licht aus. »Und träum was Schönes.«

Es dauert nur ein paar Sekunden, da höre ich sie laut seufzen. Das macht sie immer, wenn sie noch irgendetwas loswerden will, sich aber nicht sicher ist, ob ich noch ansprechbar bin. Sie wartet dann darauf, dass ich nachfrage, was sie auf dem Herzen hat. Aber heute lasse ich mich nicht auf das Spielchen ein. Ich gebe einen leisen Schnarchton von mir, um ihr unmissverständlich zu signalisieren, dass ich bereits eingeschlafen bin. Aber ich erreiche damit genau das Gegenteil.

Shanti fängt wieder an zu kichern. »Du schläfst doch noch gar nicht, das weiß ich. Wenn du wirklich gerade am Einschlafen bist, hört es sich ganz anders an, ungefähr so …« Sie grunzt wie ein Schweinchen.

»Quatsch!«, sage ich. »Das stimmt doch gar nicht!«

»Doch, am Anfang schon. Aber danach schläfst du ganz ruhig.«

»Na gut.« Damit kann ich leben. Es fehlte mir noch, dass ich genauso laut schnarche wie die Pissnelke Fleur, mit der ich mir anfangs ein Zimmer teilen musste. »Und, was ist? Erzähl schon, vorher gibst du ja sowieso keine Ruhe.«

»Ich bin total aufgeregt und freue mich voll darauf, dass die italienischen Austauschschülerinnen morgen zu uns kommen. Das wird bestimmt lustig. Wir haben echt Glück, dass unser Haus Italien heißt. Wie cool ist das denn? Im nächsten Halbjahr machen wir uns dann auf in Richtung Süden. Das wird bestimmt total schön.«

Shanti hat recht. Wir haben es gut getroffen. Auf Bernstein wohnen alle Schüler und Schülerinnen nämlich in Häusern, die Ländernamen tragen. Mädchen und Jungs natürlich getrennt voneinander. Und wir, also die Mädchen der Klasse 7b, wohnen in Italien.

Im echten Land Italien liegt die Insel Capri, nur ist sie viel größer und berühmter als unsere. Sie ist nicht von Flusswasser umgeben, sondern liegt im Golf von Neapel. Eine Klasse aus dem Internat dort kommt für ganze fünf Tage zu uns und wir fahren dann im Gegenzug auch zu ihnen runter.

»Ja, das wird bestimmt megagenial!«

Super! Shanti hat es mal wieder geschafft. Eben war ich noch total müde, jetzt bin ich hellwach. Dafür schnorchelt sie nun friedlich vor sich hin.

Ich muss Shanti morgen unbedingt erzählen, dass sie auch komische Geräusche beim Einschlafen macht. Manchmal pustet sie die Luft so komisch aus, dass es sich anhört wie ein leise wieherndes Pferd. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich bin so was von froh, dass wir uns das Zimmer teilen. Ich mag sie total gern, gerade weil sie etwas schräg ist und manchmal echt komische Dinge von sich gibt.

Natürlich bin ich auch gespannt auf die italienischen Mädchen. Dumm nur, dass wir nicht Italienisch lernen, sondern ausgerechnet Französisch haben. In Gedanken gehe ich noch mal die Vokabeln durch, die ich für morgen büffeln musste.

Nudeln – des pâtes

Aufluf – le gratin

Rosenkohl – le chou de Bruxelles

Lieben – aimer

Verabscheuen, nicht mögen – détester … Das kann ich mir gut merken. Ich kann Rosenkohl nämlich nicht ausstehen, genauso wie jede andere Gemüsesorte, die irgendwas mit Kohl zu tun hat. Damit kann man mich jagen.

Nachtisch – le dessert … Mmmh, das klingt schon viel besser.

Crêpe, Mousse au chocolat … Jetzt krieg ich auch noch Hunger.

In der Ferne höre ich eine Eule rufen, im anderen Bett atmet Shanti tief und gleichmäßig.

Wie hieß noch mal das französische Wort für Kuchen? Und was war gleich wieder Blätterteig? Ach, ist doch egal!

Ich rolle mich herum und schlafe endlich ein.

Ich sag doch, Monsieur hat mich auf dem Kieker! Und er hat ein absolut sicheres Gespür dafür, wenn ich nicht genug gelernt habe.

»Paulina Pempelfurt«, säuselt der Philippon freundlich. »Fangen wir heute zur Abwechslung mal mit dir an. Komm doch bitte nach vorn.«

»Mist!« Ich ziehe den Kopf ein und rücke den Stuhl nach hinten.

»Du schaffst das«, flüstert Shanti mir zu.

Als ich an Fleur und Xenia in der ersten Streberreihe vorbeigehe, glotzen beide auf ihre frisch lackierten Fingernägel, so als wäre das Spektakel vorn an der Tafel völlig uninteressant für sie. Aber ich weiß, dass das alles Taktik ist. Sie warten nur auf den richtigen Moment, um mir eins auszuwischen.

»Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch«, sagt der Philippon. Er scheint es gut mit mir zu meinen, daran erinnere ich mich.

Entrée, plat, dessert.

Ich schreibe die Wörter an die Tafel, dann spreche ich sie laut und deutlich aus, so wie er es hören möchte.

»Blumenkohl«, sagt er dann. Hätte der nicht nach Rosenkohl fragen können? Das hätte ich gewusst!

Hilfe suchend schaue ich meine Freundinnen an. Larissa, Miu und Shanti rollen alle drei ganz komisch mit den Augen in Richtung Fleur. Na logisch! Fleur heißt übersetzt Blume. Ihr Name kommt im Wort Blumenkohl vor. Und das Wort für Kohl kenne ich ja vom Rosenkohl.

»Le chou-fleur«, schreibe ich an die Tafel. Und darunter schreibe ich ungefragt Je déteste.

Leises Kichern in den hinteren Stuhlreihen.

»Ich mag keinen Blumenkohl«, erkläre ich, genauso wenig wie ich Fleur mag, aber das behalte ich natürlich für mich. Zum Glück merkt der Philippon nichts von meinem kleinen Seitenhieb in Richtung Pissnelke.

»Oh, da hat aber mal jemand gelernt«, sagt er zufrieden. »Dann übersetze doch bitte noch … Blätterteig.«

Zu früh gefreut. Warum bin ich auch gestern ausgerechnet bei dieser Vokabel eingeschlafen?

Ich zucke mit den Schultern und sehe aus den Augenwinkeln, dass Pissnelkes Arm nach oben schießt.

»Ja, Fleur?« Der Philippon lächelt sie an. Er leidet definitiv an falscher Wahrnehmung oder so was in der Art, sonst würde er Fleur nicht so nett finden.

Natürlich kennt die Pissnelke nicht nur die richtige Übersetzung, sie weiß auch zu berichten, wo man in Paris die allerbesten Windbeutel serviert bekommt.

Über ihren Kopf hinweg sehe ich, wie Theo und Lennart heimlich Grimassen schneiden, und ich muss grinsen. Aber das vergeht mir sehr schnell wieder, als die Aufmerksamkeit unseres Französischlehrers sich wieder mir zuwendet. Doch entgegen aller Erwartungen bekomme ich die anderen Wörter einigermaßen auf die Reihe. Mit der Rechtschreibung hapert es manchmal, aber ich weiß die Vokabeln alle – und aussprechen kann ich sie auch richtig. Nach meiner letzten Fünf im Vokabeltest haut mich die Drei, die ich heute für meine Leistung bekomme, zwar nicht komplett raus, aber immerhin kann ich das Ganze als kleinen Fortschritt verbuchen.

Nach der Stunde Französisch bin ich voll platt. Ich muss mich immer total konzentrieren, damit ich alles mitbekomme. Und trotzdem verstehe ich manchmal nur die Hälfte. Vorher hatten wir Englisch, dann Mathe, was auch nicht ohne ist. Der Montag ist der absolute Horrortag für mich. Da muss mein Gehirn Höchstleistung bringen. Der Unterricht in meiner alten Schule war da um einiges einfacher. Aber ich wollte es ja nicht anders. Ich habe mich freiwillig dazu entschieden, hier auf Bernstein zu bleiben. Und jetzt muss ich da durch. Dafür hat das Leben im Internat auch eine ganze Menge schöner Seiten.

Endlich klingelt es. Das Schlimmste ist für heute geschafft. Jetzt ist Mittagspause angesagt. Ich bin kaum zur Tür raus, da kommen meine Freunde auf mich zugerannt.

»Gut gemacht!« Theo klopft mir anerkennend auf die Schulter. »Wenn der mich heute drangenommen hätte, hätte ich so was von verkackt! Ich hasse dieses doofe Vokabelabfragen.«

Miu kichert. »Das Ding mit Fleur und dem Blumenkohl war übrigens klasse. Ich musste echt aufpassen, dass ich keinen Lachflash bekomme.«

»Was, wieso?«, fragen Jakob und Lennart gleichzeitig.

»Jungs!« Shanti rollt mit den Augen. »Kriegen wieder mal gar nichts mit.« Sie erklärt ihnen den kleinen Seitenhieb in Richtung Fleur, als die genau in dem Moment mit Xenia an uns vorbeiflaniert.

Sie würdigen uns keines Blickes und verziehen sich zu den Tischtennisplatten, wo sich die Jungs der älteren Klassen meistens treffen. Xenia himmelt immer noch Tim an, obwohl sie weiß, dass er der Freund von Lizzy, unserer Housesitterin, ist. Und Fleur hat ihr Herz ausgerechnet an Prince verloren, auf den fast alle Mädels im Internat stehen, außer meiner Wenigkeit. Und Shanti, Miu und Larissa natürlich auch nicht.

»Puh, geschafft!« Larissa stößt zu uns.

»Ja, ihr Mädchen, aber wir armen Jungs haben heute noch Nachmittagsunterricht«, beschwert Sam sich.

»Wir könnten ja tauschen«, schlage ich Shantis Zwillingsbruder vor. »Ich würde lieber am Sportunterricht teilnehmen, als in unserem Zimmer Platz für die Gäste zu schaffen.«

»Zu viert wird es verdammt eng werden«, sagt Larissa. »Und morgens ist bestimmt Chaos angesagt. Hoffentlich bekommen wir keine Modepüppchen, die stundenlang das Bad blockieren.«

»Wenn ihr sie loswerden wollt, dann schickt sie doch einfach zu uns! Wir passen auch gut auf sie auf«, schlägt Sam vor und fängt sich dafür einen Boxhieb von Shanti ein. Und ich knuffe ihn für diese Bemerkung gleich mal solidarisch in die andere Seite.

Ich werfe einen meiner bestens geübten strengen Blicke in die Runde. »Die Austauschschülerinnen sind unsere Gäste. Benehmt euch bloß!«

»Klar doch!« Die Jungs grinsen sich an.

Wahrscheinlich haben sie schon irgendeinen Streich im Sinn. Ich kenn doch Theo, der hat haufenweise Scherzartikel mit nach Bernstein gebracht. Letzte Woche hat er der Eisenhardt tatsächlich ein Pupskissen auf den Stuhl gelegt. Die ist erst ganz bleich und dann puterrot geworden, als sie sich im Unterricht daraufgesetzt hat. Mit der Aktion hat Theo sich eine gepfefferte Strafarbeit eingehandelt. Er musste hundertmal ›Ich darf mich Lehrern und Lehrerinnen gegenüber nicht respektlos verhalten‹ in sein Heft schreiben. Die Eisenhardt ist, was solche Sachen angeht, sehr altmodisch. Bei ihr steht auch noch Nachsitzen auf dem Programm, wenn man aus Versehen mal zu viel mit seiner Sitznachbarin quatscht. Das weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Jungs echt albern sein können, sind sie ansonsten ganz in Ordnung.

Das kann man allerdings nicht von jedem hier im Internat behaupten, denke ich, als Prince und Hendrik geradewegs auf uns zumarschiert kommen. Sie tragen beide eine total dämliche Sonnenbrille, obwohl der Sommer doch inzwischen vorbei ist.

»Und, Leute, alles klar?«, fragt Hendrik und baut sich vor uns auf.

Ich gucke demonstrativ zur Seite. Meiner Meinung nach ist Hendrik der Obervollhorst der gesamten Schule. Er macht immer einen auf megacool. Man kann sich nicht normal mit ihm unterhalten, ohne dass er irgendeinen Blödsinn faselt.

Und das mit Prince ist auch so eine Sache. Er kann manchmal richtig nett sein. Über das Notizbuch zum Beispiel, das er mir zum Geburtstag geschenkt hat, habe ich mich echt gefreut. Im Schreiblabor sitzen wir nebeneinander, das war reiner Zufall, macht aber wirklich Spaß. Er kann toll schreiben, hat viele interessante Dinge zu erzählen und unterhält sich ganz normal mit mir. Aber wenn er wie jetzt mit seinem besten Freund unterwegs ist und einen auf Mister Cool macht, nervt mich das gewaltig. Dann übersieht er mich einfach oder tut so, als wäre ich gar nicht anwesend. So wie jetzt auch.

Prince schiebt sich die Sonnenbrille in die Haare und sieht über mich hinweg. Er grüßt mich nicht und würdigt mich keines Blickes. »Es bleibt doch bei heute Abend, oder?«, sagt er zu den Jungs.

»Klar, Alter, wir sind dabei!« Theo nickt eifrig. »Clemens ist im Kopierraum, um alles vorzubereiten.«

»Geht ihr etwa ohne uns auf Schatzsuche?«, fragt Miu. »Das ist ja gemein! Ihr wisst doch, dass wir heute Abend keine Zeit haben.«

Miu ist zwar die Kleinste und Zierlichste von uns, aber dafür auch die Mutigste. Ihr macht es nichts aus, in den dunklen Geheimgängen unter dem Schloss herumzuschleichen, um den Bernsteinschatz aufzustöbern, der angeblich dort versteckt sein soll. Ich persönlich halte die ganze Sache ja nur für ein Gerücht. Geheimpläne hin oder her. Das Internat gibt es jetzt schon so viele Jahrzehnte und niemand hat bisher auch nur ein klitzekleines Edelsteinchen entdeckt.

»Hat Lord Schnullerbacke etwa die Karte gefunden?«, fragt Shanti.

Seit Clemens von seinem Vater erfahren hat, dass in der elterlichen Bibliothek ein Plan von den unterirdischen Gängen rumfliegt, hat er bei jeder Wochenendheimfahrt danach gesucht, doch soviel ich weiß, bisher erfolglos.

»Japp!«, sagt Theo da zu meiner Überraschung. »Allerdings nur eine grobe Skizze. Aber es ist schon mal ein Anfang.«

»Passt bloß auf, wenn ihr da unten seid!«, schärft Shanti den Jungs ein, sieht dabei aber nur Sam an.

Es ist manchmal echt süß, wie sie sich Sorgen um ihren Bruder macht.

Der jedoch winkt ab. »Keine Angst, heute wird es keine Aktion auf unterirdischem Terrain geben. Wir sind nur draußen unterwegs und suchen nach dem versteckten Eingang.«

»Dann ist ja gut.« Shantis Gesichtszüge entspannen sich sichtlich.

Mir jedoch können die Jungs nichts vormachen. Als ob die nicht gleich runterstiefeln, wenn sie den Eingang finden! Mich beruhigt es vielmehr, dass wir heute Abend mit den italienischen Austauschschülerinnen beschäftigt sind. Ich würde mich nicht gerade als ängstlich bezeichnen, aber vor den dunklen Gängen unter der Erde gruselt es mich ehrlich gesagt schon ein bisschen. Vor allen Dingen, seit ich weiß, dass die flatternden Blutsauger dort unten ihr Unwesen treiben. Ich kann mich einfach nicht mit ihnen anfreunden … Ich mag keine Fledermäuse! Es kann mir also nur recht sein, wenn die Jungs allein losziehen.

»Na dann, viel Glück!«, sage ich und klopfe Theo auf die Schulter.

»Ich kann ja verstehen, wenn ihr sauer seid, weil wir das ohne euch machen wollen«, sagt Prince. »Aber wir sind vorsichtig, Paulina. Und das nächste Mal seid ihr wieder dabei, versprochen.«

Hä? Was will der denn jetzt von mir? Erst hat er mich die ganze Zeit ignoriert, jetzt sieht er mich auf einmal durchdringend an und macht einen auf verständnisvoll. Außerdem verpeilt er absolut die Lage. Shanti ist es, die sich Sorgen macht, ich doch nicht! Und von den Fledermäusen mal ganz abgesehen, gibt es noch einen Grund, oder besser gesagt zwei, warum ich absolut keine Lust auf eine abendliche Schatzsuche habe: die Teilnahme der beiden Angeber hier.

Aber das behalte ich lieber für mich. Soll Prince doch denken, was er will. Ich gehe also gar nicht weiter darauf ein. »Ich bin echt mal gespannt, wie die italienischen Mädchen so drauf sind.«

Mein Ablenkungsmanöver funktioniert.

»Ach, das wird schon gut gehen«, sagt Larissa. »Außerdem ist es ja nur die eine Woche.«

»Und dann fahren wir nach Italien, das wird bestimmt ganz toll.« Miu strahlt wie ein Honigkuchenpferd.

Die Schulglocke läutet zum Mittagessen. Die Jungs gehen vor uns her, Prince hat die Sonnenbrille wieder auf die Nase geschoben. Vielleicht weil es in der Kantine so wahnsinnig hell ist und das Licht ihn blenden könnte?

Oh Mann!

»Der steht immer noch total auf dich«, sagt Larissa da auf einmal neben mir.

»Wer?«, frage ich und tue ganz ahnungslos.

Aber ich weiß ganz genau, wen sie meint.