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ISBN 978-3-649-61528-6 (eBook)

eBook © 2013 für die deutschsprachige Ausgabe

Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Hafenweg 30, 48155 Münster

Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise

ISBN 978-3-649-61578-1 (Buch)

Buch © 2013 für die deutschsprachige Ausgabe

Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Hafenweg 30, 48155 Münster

Originalcopyright © Kjetil Johnsen

© Cappelen Damm AS 2011

Originalverlag: Cappelen Damm

Originaltitel: „4 Venninner – Et hull i Sjelen“ und „4 Venninner – Det farlige Kysset“

Aus dem Norwegischen von Anne Bubenzer und Dagmar Lendt

Umschlaggestaltung und Artwork: Eisele Grafik·Design, München,

unter Verwendung einer Illustration von Jennie Bödeker

Lektorat: Valerie Flakowski

Satz: FSM Premedia GmbH & Co. KG, Münster

Quellenverzeichnis der Songtexte: S. 271

www.coppenrath.de

21 Tage vor dem Mord

I just wanna feel real love
in a life ever after
There’s a hole in my soul
You can see it in my face
It’s a real big place

Feel, Robbie Williams

1

„Das können wir nicht machen“, sagte Nora.

„Doch“, sagte Vilde.

„Das können wir nicht machen“, wiederholte Nora.

„Klar können wir.“ Vilde stemmte die Hände in die Hüften.

„Aber wie genau stellst du dir das vor?“, fragte Nora.

„Da hast du es“, sagte Vilde. „Du beschwerst dich, bevor du weißt, worum es genau geht.“

„Quatsch.“ Nora knetete ihre Finger. Sie saß auf ihrem Bett.

Vilde stand am Fenster und rauchte. Sie war groß und dünn und hatte schwarze Klamotten an – Hose, Top und Jacke. Ihre Haare trug sie zu einem losen Pferdeschwanz zusammengebunden, seitlich ihres Gesichts hingen ein paar rausgerutschte lange Locken. Sie war ungeschminkt.

Nora wandte den Blick ab und richtete sich auf. Sie fühlte sich so klein und unbeholfen und hässlich. Warum hatte ausgerechnet Vilde so viel von allem? Ihr war es ja nicht einmal wichtig.

„Das ist wieder typisch“, sagte Vilde.

„Was?“

„Du machst aus allem ein Problem, bevor du überhaupt weißt, was läuft. Du bist so abartig vorsichtig.“

„Bin ich gar nicht.“

„Das warst du schon immer. Dauernd musst du alles drei Mal überdenken.“

„Überdenken?“ Am liebsten hätte Nora irgendwas gegen die Wand geworfen. Den Aschenbecher vielleicht, den Vilde aufs Fensterbrett gestellt hatte. Aber so was tat Nora nicht. Trotzdem konnte sie nicht verbergen, dass sie sich ärgerte.

„Ich bin also vorsichtig und das ist jetzt das Riesenproblem, ja? Ich denke nach, ach wie schrecklich! Du denkst dir doch immer einen Haufen Mist aus – und irgendwer muss dann auch mal den Kopf einschalten, du tust es schließlich nicht. Ich meine, du denkst NIE nach. Wenn wir alles gemacht hätten, was du dir immer so ausgedacht hast …“

„Hallooooo.“ Vilde blies den Rauch aus dem Fenster. „Du weißt nicht mal, was ich vorhabe.“

„Doch!“

„Ach ja?“

„Du willst, dass wir uns Synnøve Viksveen vorknöpfen.“

„Ja. Ja.“

„Eben.“

„Und wo liegt das Problem?“

„Sie ist unsere Lehrerin!“

„Sie ist eine dumme Kuh. Sie stellt Leute bloß.“

„Ja, aber …“

„Und es macht ihr auch noch Spaß. Sie ist eine Sadistin.“

„Sie ist neu an der Schule. Vielleicht versteht sie nicht …“

„Nimmst du sie jetzt etwa in Schutz? Echt. Nora. Bist du total plemplem? Wer hat denn geheult wie ein …“

„Ich habe nicht geheult!“

„Und wie du geheult hast! Du kannst doch nicht zulassen, dass sie dich derartig lächerlich macht. Du kannst doch jetzt nicht rumlaufen und von der aaaarmen Synnøve Viksveen sprechen , die ja noch neu ist und nicht weiß, was sie tut.“

Nein, nein. Nora winkte ab. Es ärgerte sie, dass Vilde recht hatte. Ihr erster Impuls war, das Verhalten der Lehrerin tatsächlich zu entschuldigen, obwohl Synnøve Viksveen total schrecklich zu ihr gewesen war und sie vollständig fertig gemacht hatte.

„So habe ich das nicht gemeint. Ich finde es nicht in Ordnung, was sie getan hat. Das meine ich nicht.“

„Was meinst du dann?“

„Tja.“ Nora zuckte die Schultern. „Sie ist immerhin Lehrerin, oder? Wir müssen aufpassen.“

„Vorsichtig, vorsichtig.“ Vilde hob den Zeigefinger.

„Vilde!“

„Aufpassen, aufpassen“, grinste Vilde.

„Jetzt lass mich in Ruhe!“

Es war Dienstagnachmittag. Vor einer Woche und zwei Tagen waren sie in die Zehnte gekommen.

In den Sommerferien hatte ihr alter Klassenlehrer – Sigmund Shaky Kristoffersen – endlich eingesehen, dass er nicht mehr in der Lage war, seinen Job zu machen, und war in Frührente gegangen.

Aber die Freude darüber, den präsenilen Kerl los zu sein und stattdessen von einer frisch ausgebildeten, jungen, gut aussehenden Lehrerin unterrichtet zu werden, war nur von kurzer Dauer gewesen. Synnøve Viksveen zeigte ihnen von der ersten Stunde an, dass sie ihnen nichts durchgehen ließ. Den Mädchen.

Die Jungs konnten tun und lassen, was sie wollten. Sie ernteten höchstens ein leicht zurechtweisendes Lächeln, wohingegen die Mädchen ohne den geringsten Anlass einen Rüffel bekamen.

Erst dachten alle, es wäre Zufall. Vielleicht hatte Synnøve Viksveen einfach einen schlechten Tag – und dann noch einen und noch einen. PMS wie Sau, hatte Vilde gesagt. Aber am Ende der ersten Woche hatte die ganze Klasse begriffen, dass bei der Viksveen eine ganze Menge nicht stimmte.

Und jetzt war es Zeit, etwas zu unternehmen. Irgendwas. Jedenfalls konnten sie nicht länger rumsitzen und sich alles gefallen lassen!

„So kann es nicht weitergehen“, sagte Vilde. „Damit können wir kein ganzes Jahr leben. Stell dir das mal vor!“ Sie zog an ihrer Zigarette, sodass die Glut aufleuchtete. „Die ganze Zehnte! Das geht auf keinen Fall.“

„Und wie ist also dein Plan?“

Vilde schaute auf den digitalen Wecker im Regal über Noras Bett. „Wollten Benedicte und Trine nicht schon längst hier sein?“

„Ich glaube, schon.“ Nora sah ebenfalls auf die Uhr. „Also, wie ist dein Plan? Du meintest doch, du hättest dir was ausgedacht.“

„Na ja.“ Vilde drückte die Zigarette im Aschenbecher aus. „Wir müssen jedenfalls mal anfangen, uns was auszudenken.“

„Dann hast du gar keinen Plan? Du tönst hier rum, dass wir uns Synnøve Viksveen vorknöpfen müssen und so, und dabei hast du gar keinen Plan?“

„Reg dich ab.“ Vilde klopfte mit dem Feuerzeug an den Fensterrahmen. „Uns fällt schon was ein.“

Uns?“

„Ja, verdammt. Wir müssen zuerst ein bisschen was über sie rausfinden.“ Vilde runzelte die Stirn. „Wen sie hier kennt. Was sie in ihrer Freizeit unternimmt. Wie sie ist, also eigentlich. Und wenn wir das wissen, dann machen wir einen Plan, einen anständigen Plan. Und dann kriegen wir sie dran, dass es kracht.“

„Und wie sollen wir das alles rausfinden?“

„Wir wissen immerhin, dass sie das alte Haus von Gulbrandsen gemietet hat. Wir gehen hin und schauen uns ein bisschen um. Wie es da so ist und wer da ein und aus geht.“

„Wir sollen sie ausspionieren?“

„Wir sehen uns um, lassen uns inspirieren.“

„Die Lehrerin ausspionieren. Mann, das ist echte Teeniekacke“, sagte Nora.

2

„Cool“, sagte Trine.

„Also, ich weiß nicht.“ Benedicte schüttelte den Kopf.

„Ach, komm“, sagte Vilde.

„Was meinst du denn, Nora?“, fragte Benedicte.

Alle sahen Nora an. So endete es eigentlich jedes Mal: Vilde, Benedicte und Trine warteten auf Noras Zustimmung. Undenkbar, dass sie etwas ohne Nora entschieden. Die vier hatten schon immer zusammengehalten. Immer.

„Es war dein Schulkalender“, sagte Benedicte.

„Sie hat auch ein paar andere Mädchen bloßgestellt“, warf Vilde ein. „Und sie wird den Rest von uns über kurz oder lang auch in die Pfanne hauen, genauso schlimm wie Nora.“

Nora seufzte. „Ich habe auch mitten in der Stunde angefangen zu schreiben.“

„Jetzt entschuldigst du sie schon wieder! Kannst du das nicht mal lassen? Sie hat dein Liebesgedicht vorgelesen.“

„Es kam ja kein Name drin vor“, erwiderte Nora zahm. Außerdem war sie gar nicht verliebt. Sie fand es einfach nur schön, sich vorzustellen, wie es sein würde, wenn sie sich verliebte.

„Das kann sie nicht tun“, sagte Vilde. „Darum geht es doch. Sie kann nicht mal eben die Mädchen lächerlich machen und sich eine Sekunde später wieder an die Jungs ranwanzen. Mann, das ist doch krank. Sie ist erwachsen, warum schmeißt sie sich an den Hals von fünfzehnjährigen Jungs?“

„Irgendwie schon cool“, sagte Benedicte und kicherte.

„Was?“ Vilde stöhnte. „Wie meinst du das?“

„Dass wir Synnøve Viksveen ausspionieren. Ich meine, das ist ganz schön kindisch, superkindisch, aber irgendwie auch cool.“

„Wir spionieren nicht, wir behalten sie nur ein bisschen im Auge.“

„Und wo ist da der Unterschied?“ Benedicte lachte.

„Abgemacht“, sagte Trine. „Wir sind uns einig, dass Synnøve Viksveen eine blöde Zicke ist. Also tun wir es. Es ist nichts dabei, solange wir nicht auffliegen. Es ist nicht schlimm, wir tun an sich nichts Falsches.“

„Die Luft ist ja für alle da“, grinste Vilde.

Wieder sahen sie Nora an.

„Tja“, sagte Nora.

„Tja – was?“, fragte Vilde.

„Natürlich ist es nicht schlimm.“ Nora hob abwehrend die Hände.

„Eben“, sagte Trine. „Es tut keinem weh. Wir schaden niemandem. Wir … gucken bloß. Das ist erlaubt.“

„Na ja“, sagte Nora. „Irgendwie schon.“

„Du machst also mit?“, fragte Trine.

Nora nickte. „Ja, ja.“

„Yes!“ Vilde schlug mit der Faust gegen den Fensterrahmen. Ihr Blick wanderte von einer zu anderen. „Dann sind alle einverstanden?“

Sie nickten.

Vilde sah Trine direkt an. „Einverstanden, Trine?“

„Du liebe Güte!“, unterbrach Benedicte sie. „Fang jetzt bloß nicht mit dieser Einer-für-alle-Nummer an.“

„Habe ich das etwa gesagt?“, fragte Vilde und errötete.

„Es hörte sich an, als wärst du kurz davor.“

„Habe ich es vielleicht gesagt?“

„Du warst kurz davor. Garantiert. Du wolltest bestimmt jede einzeln fragen: Bist du dabei? Und dann wolltest du Einer für alle, alle …“

„Ich habe nichts davon gesagt!“

„Genau wie …“

„Ich habe es nicht gesagt!“

„Ja, ja, klar.“

„Ich hatte auch nicht vor, das zu sagen.“

„Ich muss erst noch zum Training“, warf Trine ein.

„Natürlich.“ Benedicte fasste sich unbewusst in ihr blondes, perfekt gestyltes Haar.

Trine guckte sie an. „Wag es bloß nicht.“

„Was denn?“, fragte Benedicte überrascht.

„Komm nicht auf die Idee, wieder davon anzufangen, dass Fußball nichts für Mädels ist.“

„Ich habe doch gar nicht …“

„Nicht alle haben Lust, den halben Tag vor dem Spiegel zu stehen“, sagte Trine und strich mit der Hand an ihrer alten Trainingsjacke hinunter. „Ich muss zum Fußball, ja?!“

Benedicte zuckte die Schultern. „So what? Was hat das denn mit mir zu tun?“

„Wir holen dich nach dem Training vom Platz ab“, mischte sich Vilde ein.

„Ich habe es dir angesehen, Benedicte“, sagte Trine. „Du bist so durchschaubar, weißt du.“

„Durchschaubar?“ Mit einem Wovon-zum-Teufel-redet-die-eigentlich-Blick sah Benedicte von Vilde zu Nora und wieder zurück. „Jetzt bin ich auch noch durchschaubar, ja? Durchschaubar!?!“

„Wann bist du fertig?“ Vilde sah Trine an. „Halb acht, acht?“

„Ja“, antwortete Trine. „So ungefähr halb acht.“

„Gut.“ Vilde blickte wieder von einer zur anderen. „Benedicte. Halb acht am Platz?“

Benedicte nickte.

„Nora. Halb acht?“

Nora musste lächeln. „Einer für alle und alle …“

„Das habe ich nicht gesagt!“

3

Nora leerte den Aschenbecher in die Toilette. Vilde hatte drei Zigaretten geraucht, Benedicte eine. An Benedictes war ein rosafarbener Lippenstiftabdruck am Filter. Ein bisschen Asche flog auf den Boden neben die Toilette. Nora befeuchtete ein Stück Klopapier und kniete sich hin, um sie aufzuwischen. Kurz sah sie sich in dem großen Spiegel. Sie erstarrte.

Ich bin fünfzehn Jahre alt und ich bin genauso ein Sauberkeitsfreak wie meine Mutter.

Sie spülte das Papier in der Toilette runter, ging zur Tür und schloss ab. Dann setzte sie sich auf den Badewannenrand und blickte in den Spiegel.

Es machte ihr nichts aus, dass Benedicte süß und hübsch war und eine perfekte Frisur und immer die richtigen Klamotten hatte. So war Benedicte eben, damit beschäftigte sie sich, solche Sachen interessierten sie. Nora wollte das alles sowieso nicht.

Aber Vilde … dass sie sich so verändert hatte, tat weh.

Nora und Vilde waren einander immer so ähnlich gewesen. Als sie klein waren, wurden sie oft für Schwestern gehalten. Beide hatten dunkle Haare und braune Augen, hohe Wangenknochen, ein breites Gesicht und einen großen Mund. Aber als sie in die Pubertät kamen, änderte sich plötzlich alles.

Vilde schoss in die Höhe und wurde groß und dünn, während Nora das Gefühl hatte, dass nur ihre Hüften und der Hintern immer größer und runder wurden.

Sie war nicht dick – das wusste sie –, aber sie war auch nicht schlank. Sie war … mittel. Mittelgroß, mitteldick, mittelsonstwas. Wohingegen Vilde … Vilde war plötzlich ganz anders!

Irgendwie waren bei Nora der große Mund und die hohen Wangenknochen im Gesicht verschwunden, mit all dem Gewöhnlichen verwachsen. Das Besondere und Hübsche war ein fach ein Teil des Problems geworden, fand sie. Ein Teil von dem Breiten und ein bisschen zu groß Geratenen.

Oft stand sie mit eingezogenen Wangen vor dem Spiegel, um zu testen, wie sie aussähe, wenn sie ein dünneres Gesicht hätte und ihre Wangenknochen zu ihrem Recht kämen. Bei Vilde war das Gegenteil passiert: Je größer und dünner sie geworden war, umso deutlicher waren der Mund und die Wangenknochen hervorgetreten. Ihr Kinn erschien dadurch ein bisschen spitzer und ihr Gesicht scharf und klar und eigenwillig.

Sie waren einander doch so ähnlich gewesen! Jetzt hatten sie sich vollkommen unterschiedlich entwickelt. Wie zur Hölle hatte das passieren können? Als ob Gott – wenn es ihn überhaupt gab – sich entschlossen hätte, ein Exempel zu statuieren und noch mal zu verdeutlichen, wie es sich mit Eigenheiten und Entwicklung verhielt. Die Sache mit dem Entlein und dem Schwan, der Magd und dem Fotomodell. Oder er hatte es einfach aus reiner Gemeinheit gemacht: Guck dir das an! Wie ähnlich sich die beiden Mädchen sind! Aber jetzt pass mal auf, ich brauche bloß mit dem Finger zu schnippen und – schwupps! – schon sind sie völlig unterschiedlich. Nicht schlecht, was?

Nora trommelte mit den Fingern gegen die Vorderseite der Badewanne. Es klang hohl, leer. Am liebsten hätte sie einmal fest dagegengehauen.

Sie tat es natürlich nicht.

Aus Vilde war etwas geworden. Vilde war eine, der die Leute einen zweiten Blick zuwarfen. Sie war wie eine junge und eigenwillige Ausgabe von Julia Roberts. Pretty Woman mit Angst vor dem Spiegel und zweifelhaften Ansichten. Sie war mit allem gesegnet und wollte nichts davon. Vilde hasste es aufzufallen.

Sie war immer so gewesen, wollte sich nie hervortun. Schon im Kindergarten war Vilde wütend geworden und hatte angefangen zu schreien, wenn die Leute Duziduzidu bei ihr machten und Gott, wie niedlich sagten.

So war es bis heute.

Wollte man Vilde ärgern, musste man ihr Komplimente für ihre Frisur oder ihre Klamotten machen.

Das ist doch zu blöd, dachte Nora und betrachtete sich im Spiegel. Sie trug einen hellblauen Pulli, der fast dieselbe Farbe hatte wie die Wand hinter ihr. Für einen Moment verschwand sie; sie war nicht mehr da, wurde eins mit dem Raum. Sie musste die Augen zukneifen und noch mal hinschauen. Und dann sah sie sich wieder.

Sie musterte sich eingehend.

Sie sog die Wangen ein und drehte den Kopf, um festzustellen, ob ihr Gesicht auf die Art schmaler wirkte. Nicht nennenswert.

Aber ich bin über den Sommer braun geworden, dachte sie. Das ist schön. Ich bin fast so braun wie Benedicte. Und die geht das ganze Jahr über ins Solarium, drei Mal pro Woche achtzehn Minuten.

Es gelang ihr, für ein paar Minuten zufrieden zu sein. Erst als sie wieder in ihrem Zimmer war und sich über den Zigarettenqualm ärgerte, ging ihr auf, wie armselig das war. Braun.

Was hieß das schon? Jeder konnte braun werden, wenn er wollte. Ich kann die Braunste werden, weil alle anderen was Besseres zu tun haben …

Nora setzte sich an den Schreibtisch. Sie war mit den Hausaufgaben fertig, aber es schadete ja nicht, ein bisschen vorzuarbeiten. Nur für den Fall.

Du bist so abartig vorsichtig, sagte Vilde irgendwo in ihrem Kopf. Nora hob den Blick und starrte die Wand an.

Vorsichtig, vorsichtig …

Ihr Rücken juckte. Bis hinunter zur Poritze. Sie bewegte den Hintern. Es juckte wie verrückt.

Plötzlich war sie es leid, sie war alles so unsagbar leid. Ihre Freundinnen, sich selbst, sie war die ganze Situation leid.

Dass man sich so eingesperrt fühlen konnte.

Zorn kochte in ihr hoch. Es war wie vorhin, als die anderen zu Besuch gewesen waren und sie am liebsten den Aschenbecher an die Wand geschleudert hätte. Eine Welle lief durch ihren Körper, glühend heiß und unberechenbar. Sie knallte das Englischbuch zu, dass die Tischplatte bebte.

„Scheiße!“

4

Es war am Tag zuvor passiert.

Synnøve Viksveen redete über die UN und die Nato und die EU.

„Alles internationale Organisationen“, sagte sie. „Wird es sie in zehn Jahren noch geben? Oder in zwanzig? Dreißig?“

Sie schaute sich um und lächelte, breitete die Arme aus, als wollte sie fragen: Und, will jemand was dazu sagen? Dabei schaukelten ihre Brüste.

Viksveen war Ende zwanzig. Siebenundzwanzig, schätzte Nora.

Sie brachte mindestens zehn Kilo zu viel auf die Waage, aber niemand hielt sie für dick. Wenn ihre männlichen Kollegen sie anderen Männern beschrieben, verwendeten sie Worte wie: saftig, buntund spannend. Ein Vollweib. Die Kolleginnen waren deutlich zurückhaltender mit ihren Komplimenten.

Synnøve Viksveen war braun gebrannt und liebte es, Haut zu zeigen. Sie hatte große Brüste und trug meistens enge, dünne Tops in knalligen Farben – Gelb, Rosa oder Hellgrün – und mit besonders tiefem Ausschnitt.

Wenn sie auf dem Pult saß und sich vorbeugte, wenn sie redete und ihre dunklen Haare zurückwarf (die todsicher gefärbt waren), wenn sie mit dem kleinen Goldkreuz spielte, das in ihrem Dekolleté baumelte, oder den Träger des schwarzen Spitzen-BHs lässig wieder auf die Schulter schob – dann hatte sie die volle Aufmerksamkeit der Jungs.

In jeder Bewegung, die Synnøve Viksveen vor ihnen vollführte, lag ein Versprechen. Und irgendwas sagte ihnen, dass sie es einlösen würde. Früher oder später. Wirklich einlösen – also nackt und geil und ich will dich, großer Gott, ich will dich so sehr, fuck me hard, baby …

Und darum glotzten die Jungs.

Viksveen hatte ein niedliches, herzförmiges Gesicht. Sie benutzte rosafarbenen Lippenstift, genau im selben Ton wie der Lack auf ihren Finger- und Zehennägeln.

Am ersten Tag fanden die Mädchen sie nett und lustig. Sie wollten in ihrer Nähe sein, mit ihr reden, mit ihr lachen. Sie war wie eine coole und gut gelaunte Verwandte, die ein bisschen Leben in die triste Weihnachtsgesellschaft brachte.

Aber es stellte sich bald heraus, dass Synnøve Viksveen die Lieblingstante aus der Hölle war. Die Erste, die sich ihr in der Pause näherte, wurde mit einem eiskalten Was-glaubst-du-wer-du-bis-Blick abserviert. Damit hätte man eine Flasche Bier in zwei Sekunden schockgefrieren können.

Zzzzing!

Viksveen nahm sich Zeit, ihre Schülerin vor den Augen aller auf dem Schulhof zu verachten. Danach hielten die Mädchen Abstand. Es war eindeutig, dass alle mit Schlitz auf Viksveens Abschussliste standen.

„Eine Lesbe ist sie jedenfalls nicht“, sagte Vilde trocken.

Im Klassenzimmer schaute Viksveen die Jungs an, wenn sie sprach, auch ihr Lächeln galt immer den Jungs. Ihr Blick wanderte von einem zum anderen, während sie mit ihrer Halskette spielte und sich ab und zu vorsichtig, liebkosend mit den Fingerspitzen über die nackte Stelle zwischen Hals und Busen strich.

Genau das tat sie. Sie streichelte sich vor der Klasse und sprach über internationale Politik.

„Sie schaffen es nicht, in der EU ein Grundgesetz zu verabschieden. In den UN herrscht andauernd Unruhe, vor allem die USA stehen der Organisation kritisch gegenüber. Und die NATO wird immer größer. Was bedeutet das für die kommenden Jahre?“

Die Jungs glotzten mit offenem Mund.

Nora schaltete ab. Es war die letzte Stunde, davor hatten sie Sport gehabt. Sie war müde und kaputt.

Gedankenverloren blätterte sie in ihrem Schulkalender. Oben in die Ecke einer Seite zeichnete sie ein kleines Gesicht. Es sah nicht sonderlich gelungen aus. Sie malte es blau aus und machte ein Herz daraus. Daneben setzte sie ein weiteres Herz, mit einem Pfeil hindurch. Auch das erste Herz bekam noch einen Pfeil.

Kurz darauf hatte sie den Rand nach unten mit Herzen verziert. Es gefiel ihr. Aber sie musste auch etwas auf die Seite schreiben, in die Mitte, wo noch alles leer war.

Ihr fiel nichts Besonderes ein, darum versuchte sie, eines ihrer Lieblingslieder zu übersetzen, und fügte immer mehr ihrer eigenen Gedanken hinzu:

Da ist ein Loch in meiner Seele.

Du kannst es in meinem Gesicht sehen.

Ich bin so leer, so leer.

Wenn ich dich doch nur ein Mal

Lieben dürfte,

Dich lieben, dich lieben.

Gib mir Liebe,

Damit ich verstehe,

Wer ich bin, wer ich bin.

Wann fängt das Leben endlich an?

Gib mir Liebe,

Erfüll mich mit Liebe, mit Liebe.

„Ja, was haben wir denn da?“

Nora fuhr zusammen. Eine Hand kam über ihre Schulter, griff nach dem Kalender und nahm ihn ihr fort.

Es war ein Albtraum. Nora konnte nichts sagen, sich nicht rühren. Die Geräusche um sie herum verschmolzen zu einem einzigen Brei. Sie wartete darauf, dass es aufhörte, dass jemand den irrsinnigen Film, der sich in ihrem Kopf abspielte, anhielt und die Welt wieder normal wurde. Aber nichts dergleichen geschah. Stattdessen wurde es noch schlimmer.

Synnøve Viksveen machte einen Schritt nach vorn und blieb neben Noras Tisch stehen. Sie las das Gedicht, dann streckte sie die Hand aus und tätschelte herablassend Noras Kopf. Mit einer Stimme voll falschem Mitleid sagte sie: „Ui, ui, ui. Hier hat aber jemand Liebeskummer, wie ich sehe.“

Viksveen lachte heiser und nahm den Kalender mit nach vorn ans Pult. Sie wedelte damit durch die Luft, lächelte und fragte: „Wollt ihr mal hören?“

Niemand antwortete. Niemand konnte glauben, was da passierte. Gut, es wurde schon mal ein Kalender eingesammelt. Aber dass die Lehrerin anbot, daraus vorzulesen? Das war die reine Demütigung. So was machte man einfach nicht!

Nora stand der Mund offen. Benedicte und Trine hatten ihre Plätze weiter vorn. Sie drehten sich um und sahen sie schockiert an, sie erwarteten, dass sie etwas sagte.

Noras Gesicht war kreidebleich und sie hatte das Gefühl zu fallen. Tiefer und tiefer in eine schwarze, kalte, schmerzvolle Dunkelheit.

Benedicte bewegte die Lippen. Formte die Worte: Sag was!

Trine hob die Hände. Worauf wartest du?

Aber Nora konnte nicht. Es war unmöglich. Die Welt stand still, nichts bewegte sich, sie hatte genug damit zu tun, überhaupt Luft zu kriegen.

Synnøve Viksveen räusperte sich demonstrativ und begann: „Da ist ein Loch in meiner Seele. Du kannst es in meinem Gesicht sehen. Ich bin so leer, so leer.“

Ein paar der Jungs lachten laut. Sogar einige Mädchen kicherten, obwohl es ebenso gut sie hätte treffen können.

„He!“, sagte Vilde von ganz hinten im Klassenraum.

Viksveen holte mit einer Hand aus und fuhr laut und schluchzend fort: „Wenn ich dich doch nur ein Mal lieben dürfte, dich lieben, dich lieben.“

Jetzt lachten fast alle Jungs. Viksveen atmete tief ein, um weiterzulesen.

„Heeee!“ Vilde stand so schnell auf, dass der Stuhl gegen die Wand hinter ihr knallte. „Das können Sie nicht machen!“

Kein Laut war zu hören.

Mucksmäuschenstille.

Nur Vilde atmete heftig. Ihr Gesicht war rot und ihre Fäuste geballt. Sie war zu allem bereit.

Nora starrte auf die Tischplatte. Langsam wurde ihr klar, dass etwas passiert war und dass es dabei um sie ging. Das alles war ihr passiert. Ihr. Nora. Der gewöhnlichen Nora Mittelmaß.

Synnøve Viksveen schwieg. Es schien, als würde sie nachdenken. Dann schlug sie den Kalender zu, warf den Kopf nach hinten und lachte. „Kann ich nicht? Ich dachte, ich hätte es gerade getan.“ Sie ging zu Nora und knallte ihr den Kalender hin.

„So, jetzt wisst ihr, was passiert, wenn ihr im Unterricht nicht aufpasst. Liebesgedichte könnt ihr in eurer Freizeit schreiben. Wenn ihr sonst nichts Vernünftigeres zu tun habt.“

Vilde setzte sich nicht.

Synnøve Viksveen ging zurück zum Pult, drehte sich um und ließ den Blick über die Klasse schweifen.

Vilde stand noch immer. Verwaschene schwarze Jeans, Jeansweste mit abgeschnittenen Ärmeln, darunter ein weißes T-Shirt und im linken Ohr ein Ring. Sie wirkte wie eine gespannte Feder, kurz bevor sie – piooong– in die Luft fliegt und einen zu Tode erschreckt.

Synnøve Viksveen betrachtete sie. „Ah. Die wilde Vilde. Ist noch was?“

Die Jungs lachten. Aber die Mädchen nicht. Dafür kannten sie Vilde zu gut.

Vilde blieb stehen. Sie sagte nichts. Ihre Unterlippe zitterte. Sie war kurz davor zu explodieren.

Nora warf einen Blick über die Schulter. Sie sah ihrer Freundin in die Augen und schüttelte beinahe unmerklich den Kopf. Nicht. Setz dich. Bitte.

Vilde schluckte hart. Langsam öffnete sie ihre geballten Fäuste. Sie sah sich um.

Ihr Blick war finster und wütend. Warum unternehmt ihr nichts? Sie griff nach ihrem Stuhl.

Viksveen hatte sich abgewandt, die Handflächen gegen die Schläfen gepresst. Sie räusperte sich, zog die Karte, die über der Tafel hing, nach unten und fuhr mit dem Unterricht fort.

„Zwei Mal haben wir gegen Europa gestimmt. Und wenn es heute eine neue Volksabstimmung gäbe, würden wir wieder dagegenstimmen. Warum? Hat jemand eine Ahnung?“

Sie drehte sich erneut der Klasse zu und lächelte breit, dann schob sie den BH-Träger hoch. „Wofür hättet ihr gestimmt?“

Sechs Jungs hoben die Hand. Synnøve Viksveen lachte. Lange betrachtete sie die sechs, als müsste sie eine schwere Entscheidung treffen. Dann lachte sie noch einmal und sagte: „Trym. Was meinst du?“

„Wie bitte?“, fragte Trym. „Ja, also …“

In der Pause ging Nora auf die Toilette und weinte.

Benedicte, Trine und Vilde standen vor der Tür und versuchten der Reihe nach, mit ihr zu reden, aber Nora wollte mit niemandem sprechen.

Sie fragte sich, wie schlimm die Sache mit dem Gedicht eigentlich war. Vielleicht war es gar nicht wichtig. Sie wusste es nicht. So was war noch nie passiert, jedenfalls ihr nicht. Sie war Nora Mittelmaß. Ihr passierten solche Sachen nicht.

Vilde harrte am längsten vor der Klotür aus. „Wir kriegen die Viksveen dran“, sagte sie immer wieder mit einer fast erschreckenden Intensität. „Wir kriegen sie dran.“

5

„Trine! Verdammt noch mal! Du sollst doch die hintere Reihe zusammenhalten. Da sind andauernd Löcher!“

„Ich schreie ja schon wie verrückt!“

„Dann musst du eben lauter schreien!“

„Mann!“ Wütend drehte sich Trine zur Seitenlinie. „Mach dich locker!“

„Du bist Kapitän!“ Die Hände des Trainers schossen wild gestikulierend in die Höhe. „Kapitän, klar!? Du bist Mittelfeldverteidiger und Mannschaftskapitän!“

„Wir trainieren doch bloß“, sagte eines der Mädchen auf dem Platz. „Das ist ja kein Match.“

„Echt jetzt!“, sagte eine andere.

Und eine dritte fragte: „Sind wir fertig? Es ist schon halb. Wollten wir nicht um halb aufhören?“

Der Trainer rammte die Hände in die Taschen seiner Trainingsjacke, drehte sich um und trat gegen den nächstbesten Ball. „Ahhhh!“

Die Mädchen guckten sich an und lachten. Der Linienrichter grinste.

Trainer Jensen war zu aufbrausend und cholerisch, um allzu ernst genommen zu werden. Er trainierte die Mannschaft seit fast acht Jahren, und alle wussten, dass ein Hund, der laut bellt, selten beißt.

Außerdem war ihnen klar, dass Jensen nicht wirklich Durchblick in Sachen Fußball hatte, aber das war egal. Sollte er doch weitermachen. Die Leute standen nicht unbedingt Schlange, um Mädchen zu trainieren.

Außerdem war Trine in der Mannschaft. Dank ihrer Spiel- und Motivationskünste hatten sie einen guten Stand in der Liga. In den letzten vier Jahren waren sie unter den Top drei gewesen.

„Dann hört eben auf!“, rief Trainer Jensen. „Aber keine verlässt den Platz, ohne zu dehnen!“

Vilde, Nora und Benedicte hatten ein paar Minuten schweigend zugesehen.

„Und bei so was macht sie freiwillig mit“, stöhnte Vilde.

Benedicte schaute zum Nachbarplatz, wo die Juniorenmannschaft der Herren trainierte.

Die Anlage war groß, sie bestand aus einem Kunstrasenplatz und vier Sandplätzen, alle in voller Wettkampfgröße. Wenigstens in puncto Sport hatte Dypdal etwas vorzuzeigen. Anfang der Neunzigerjahre hatte ein cleveres Ratsmitglied kapiert, dass ein kleiner Ort wie Dypdal sich in irgendeinem Bereich profilieren musste, wenn man nicht riskieren wollte, dass die Leute wegzogen und das Städtchen innerhalb von zwanzig oder dreißig Jahren verwaiste.

Sport war die Lösung gewesen. Das verstand sich irgendwie von selbst. Denn im Winter lag in Dypdal viel Schnee, und die Bedingungen für Abfahrts- wie für Langlaufski waren hervorragend. Dazu wurde eine tolle Anlage für Leichtathletik und Hallensport gebaut.

Fußball, Handball, Reiten, Eishockey und Eiskunstlauf – in Dypdal gab es die modernsten Einrichtungen für fast jede Sportart. Und der Plan war aufgegangen.

Inzwischen glänzte der Ort mit einem Sportgymnasium und zwei Hotels, die auf Trainingslager spezialisiert waren. Es gab mehr Restaurants als je zuvor und die Bevölkerungszahlen stiegen. Die Stadt, die bis dahin nur für ihr Gefängnis bekannt gewesen war, das ein paar Kilometer talabwärts lag, hatte sich zu einem der führenden Sportstandorte gemausert.

„Seid ihr schon lange da?“, fragte Trine lächelnd und nahm einen Schluck aus ihrer blauen Plastikflasche. Sie hatte rote Wangen und ihre kurzen blonden Haare standen in alle Richtungen ab.

Sie sieht zufrieden aus, dachte Nora. Wie immer nach dem Training. Richtig glücklich.

Sie merkte, dass sie neidisch war. Sie wünschte, sie hätte auch etwas, das ihr so wichtig war wie Trine das Fußballspielen.

„Wir haben uns den kleinen Gartenzwerg ein bisschen anguckt“, sagte Vilde und nickte zu Trainer Jensen hinüber.

Er schleppte das Ballnetz kreuz und quer über den Platz und sammelte Fußbälle ein. Dabei folgte er keinem logischen Muster, sodass er ewig dafür brauchte.

Nora runzelte die Stirn. Vilde kicherte.

„Ach, der.“ Trine machte eine wegwerfende Handbewegung.

Benedicte beobachtete die Junioren, dabei fuhr sie sich immer wieder mit der Hand durchs Haar.

„Können wir jetzt abhauen?“, fragte Vilde.

Wie aus einem Mund sagten Trine und Nora Ja. Benedicte antwortete nicht. Sie ging runter zur Seitenlinie der Junioren.

„Los jetzt, Benedicte, sie haben dich gesehen“, sagte Vilde.

„He, Robben“, grölte Trine. „Du läufst wie ’ne Kuh mit Dünnschiss!“ Sie lachte laut. Die meisten Jungs lachten auch.

Robben grinste und zeigte ihr den Mittelfinger.

„Also ehrlich!“ Benedicte drehte sich zu ihren Freundinnen um. Sie war knallrot im Gesicht. „Was soll das denn?“

Vilde war plötzlich sehr damit beschäftigt, sich die Nase zu reiben. Nora schluckte mit einem kleinen Öhöh ein Lachen runter. Benedicte warf ihr einen schnellen Blick zu, der Und was ist eigentlich mit dir los? zu sagen schien.

Trine zeigte auf den Platz. „Ich kenn den doch.“

„Aber du brauchst ja nicht so rumzubrüllen.“

„Robben …“

„So benehmen sich echt nur Teenies.“

„Robben ist ein Kumpel.“

„Darum geht es doch gar nicht!“

„Hihi“, rutschte es Vilde raus.

Benedicte stampfte mit dem Fuß auf, dass die Kreidelinie staubte. „Das ist nicht komisch.“

„Also“, sagte Nora und räusperte sich. „Was ist jetzt, gehen wir?“