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Ein Auszug von "Halva, meine Süße" von Ellen Alpsten

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Als Halva auf einer Party Kai kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Während die beiden sich immer näher kommen und Pläne für die Zukunft schmieden, ahnen sie nicht, welche Tragödie sie mit ihrer Beziehung auslösen. Plötzlich erhalten Halvas Eltern seltsame Briefe aus ihrem Heimatland Iran und versuchen, ihre Tochter mit allen Mitteln von Kai fernzuhalten. Halva begreift zu spät, was noch alles für sie und ihre Familie auf dem Spiel steht. Hat ihre Liebe zu Kai dennoch eine Chance? Ein mitreißender Liebesroman, der unter die Haut geht.

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Die Vorhalle der Uni schwirrte vor Stimmen, und überall drängten sich die Studienanfänger mit ihren Zulassungspapieren und auch einige Studenten, die volle Taschen mit Ordnern oder Büchern mit sich herumschleppten. Gewohnheitsmäßig suchte Kai die Menge nach bekannten Gesichtern ab – Augsburg war ein Dorf und viele seiner Mitschüler aus dem Peutinger Gymnasium hatten zum Studium in der Stadt bleiben wollen, aber er erkannte niemanden.

Also, auf in den Kampf, entschied er. Über den Köpfen der Studenten hingen verschiedene Schilder. AudiMax, las er auf einem, Philosophikum auf einem zweiten, Mensa auf einem anderen, und schließlich fand er das, was er suchte: Sekretariat.

»Bingo«, murmelte er und presste die Klarsichtfolie mit seinen Papieren fest an seine Brust, als er versuchte, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen. In diesem Moment prallte jemand gegen ihn und ein Mädchen fuhr ihn an: »Autsch. Pass doch auf.«

»Entschuldigung«, sagte Kai und wurde rot, noch ehe er ihr ins Gesicht gesehen hatte. Dann aber traf sein Blick ihre hellgrauen Augen und ihm wurde richtig heiß. Oh Mann, wie konnte man nur so hübsch sein? Das Mädchen schien nichts von seiner Verwirrung zu bemerken, sondern bückte sich nach den Papieren, die ihr aus der Hand geglitten waren. Dabei fielen ihr die langen blonden Haare bis weit über die Schultern.

»Kann ich dir helfen?«, stotterte Kai und bückte sich ebenfalls. Dabei berührte er aus Versehen einen ihrer Finger. Schnell zog er die Hand zurück, als hätte er sich verbrannt.

»Geht schon. Viel war es ja nicht.« Unter ihrer Jacke trug sie eine Bluse, an der die oberen Knöpfe offen standen, und als sie sich noch einmal bückte, sah er die helle Spitze zarter Wäsche aus dem Ausschnitt lugen. Darüber war ihre Haut braun gebrannt, und Kai betrachtete kurz die unzähligen Sommersprossen, die sich über ihr gesamtes Dekolleté zogen. Konnte ihm noch heißer werden? Anscheinend ja.

»Hast du alles?«, fragte er verlegen. »Noch mal Entschuldigung.«

Sie standen nun einander gegenüber.

»Ja, ich glaube schon«, sagte sie und lächelte ihn an, sodass ihre vollkommenen Zähne blitzten. Kai wurde schwindelig – so jemanden wie sie hatte er noch nie gesehen. Er steckte seine zitternden Hände in die Manteltaschen und nickte ihr, wie er glaubte, gelassen zu.

»Ich heiße Kai. Erstsemester, vielleicht kann das meine Tollpatschigkeit etwas entschuldigen.«

»Vielleicht. Muss aber nicht«, antwortete sie. »Ich heiße Selina. Ebenfalls Erstsemester. Jura?«

Kai nickte. »Ja, ich auch. Warst du schon im Sekretariat?«

»Das habe ich gerade hinter mir. Da ist eine ewige Schlange. Gott sei Dank habe ich bequeme Schuhe an.«

Er sah auf ihre Füße, die in dunkelroten Pumps mit mindestens sieben Zentimeter hohen Absätzen steckten. Genau solche trug Daisy Duck, wenn sich Donald und Gustav Gans gleichzeitig um ihre Gunst bemühten. Das nannte sie bequeme Schuhe?

Er verkniff sich ein Lächeln und zwang sich, wieder an das Sekretariat und die Immatrikulation zu denken.

Selina sah auf ihre Uhr und sagte: »Ich denke, ich gehe jetzt erst mal Kaffee trinken. Man sieht sich irgendwann. Die Welt ist ja klein an der Uni Augsburg.« Sie öffnete ihre brandneu aussehende Louis-Vuitton-Tasche, verstaute ihre Papiere darin, tupfte sich mit spitzem Zeigefinger etwas farbloses Gloss auf die vollen Lippen und lächelte Kai beim Fortgehen unverbindlich an.

»Ja, man sieht sich. Irgendwann.« Kai drehte sich ebenfalls um, musste aber einfach noch mal einen Blick zurückwerfen. Selina ging in ihrer eng anliegenden Jeans davon und ihre Hüften schwangen dabei verführerisch hin und her. Kai seufzte und wollte sich gerade wieder zum Gehen wenden, da bemerkte er an einer Wand das Poster, auf dem in großen Buchstaben »Erstsemesterparty – alle müssen kommen, alles muss weg!« angekündigt wurde. Ohne weiter nachzudenken, rief er: »Selina?«

»Ja?« Sie drehte sich überrascht um, ihr iPhone bereits in der Hand. Wollte sie all ihren Freundinnen mitteilen, dass sie gerade vom Mann ihres Lebens oder von einem absoluten Volltrottel umgerannt worden war?

Kai verjagte den Gedanken und sagte: »Gehst du auf die Erstsemesterparty?«

»Welche Erstsemesterparty?«

Er zeigte auf das Plakat. »Ich habe es auch gerade erst gesehen. Da, schau. Freitag in einer Woche. Sieht gut aus, was?«

»Hm.« Selina kam ein paar Schritte zurück, musterte das Poster und kniff gekonnt die Augen zusammen, was auf süße Weise kurzsichtig wirkte. »Vielleicht, vielleicht auch nicht.«

»Und wovon hängt das ab?«

»Du bist echt neugierig. Möglicherweise bin ich an dem Freitag nicht da.«

»Was hast du denn vor?«, entfuhr es Kai. Oh Mann, mehr nach Jimmy Kontrolletti konnte er kaum klingen. Das war ja schon keine Neugierde mehr, sondern pathologisches Stalking!

Selina runzelte leicht die Stirn. »Ich fahre wahrscheinlich mit meiner Mutter nach Rom«, sagte sie schließlich. »Aber jetzt muss ich wirklich gehen.« Sie drehte sich wieder um und ging zu einer Gruppe von Mädchen hinüber, die an der Eingangstür warteten. Sie begrüßten sich mit Jubeln, Umarmungen und Küsschen, was ihnen die maximale Aufmerksamkeit ihrer Umgebung garantierte, ehe sie gemeinsam in Richtung Mensa abzogen.

Hm. Also blieb ihm nun nichts anderes übrig, als sich zu immatrikulieren, entschied Kai. Danach aber stand erst einmal Selina wiedersehen auf dem Stundenplan. Vielleicht fuhr sie dann ja bald schon mit ihm nach Rom. Grinsend schlenderte Kai in Richtung Sekretariat.

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»Name?« Die Frau in der Anmeldung des Studierendensekretariats sah nicht auf, als der junge Mann, der nach Kai an der Reihe war, sich hinsetzte. Sie hatte sicher schon einen langen Morgen hinter sich, denn aus ihrem Dutt hatten sich einige graue Haarsträhnen gelöst und der knallrote Lippenstift war an den Mundwinkeln der schmalen Lippen eingetrocknet.

Mit zusammengekniffenen Augen blickte sie auf den Computerbildschirm.

Kai hörte mit halbem Ohr zu, während er seine Unterlagen zurück in die Klarsichthülle schob.

»Mansouri«, erwiderte der junge Mann auf dem Stuhl leise und höflich.

Was war das für ein Name? Kai sah den Studenten an. Ihm fielen seine sehr dichten schwarzen Haare auf, die ihm fast bis zum Kinn reichten.

»Was?«, fragte die Sekretärin genervt.

Kai wollte schon gehen, zögerte dann aber und hörte dem Gespräch weiter zu.

»Mansouri«, wiederholte der junge Mann ebenso leise und höflich wie zuvor.

Sie blickte kurz auf und wirkte jetzt noch genervter. »Wie schreibt man denn das?«

»Wie man es spricht. M-A-N-S-O-U-R-I.«

Sie presste die Lippen zusammen und tippte den Namen in den Computer ein. »Und wie ist der Vorname?«

»Mudi.«

»Was? Und wie schreibt man das?«

Er buchstabierte den Namen. »Es ist eine Kurzform von Muhammad.«

Doch statt seinen Namen einzugeben, sah die Sekretärin ihn nun zum ersten Mal direkt an und fragte scharf: »Wie ist denn Ihre Staatsbürgerschaft? Haben Sie überhaupt ein Visum? Und einen Zulassungsbescheid? Verstehen Sie mich? Einen Zu-las-sungs-be-scheid.« Sie lehnte sich über den Schreibtisch nach vorn und klopfte mit dem Finger mahnend auf eines der rosafarbenen Zulassungsdokumente.

Mudi hielt eben dieses offen und für alle sichtbar in seinen Händen, faltete es aber nun unsicher zusammen. Er rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Kai stand ungläubig der Mund offen. Das gab es doch nicht, was fiel der Tante ein?

»Was schreibt sich auf jeden Fall Wie bitte«, entfuhr es ihm und die Frau sah ihn mit giftigem Blick an. Aber er sprach schon weiter. »Dass er seinen Zulassungsbescheid hat, sehen Sie doch. Also: Er heißt Mudi Mansouri. Klingt eigentlich einfach genug, oder? Ich buchstabiere es Ihnen gerne noch mal, denn ich hab's gleich kapiert. Kann schließlich nicht jeder auf der Welt Müller, Meier oder Schmidt heißen. Wie langweilig wäre denn das?«

Die Sekretärin fuhr auf. »Also, das ist ja wohl das Allerletzte! Ich habe jetzt die Nase voll! Wissen Sie, wie viele Was-weiß-ich-wie-die-alle-heißen ich heute schon hier eingeschrieben habe? Und immer zu uns kommen und die Hand aufhalten! Die sind alle vom Stamme Nimm und unsereins geht dann leer aus. Wer weiß, ob ich noch Pension bekomme bei all den Immigranten, die auch noch alle zehn Kinder haben! Wissen Sie, wie lange mein Sohn schon Arbeit sucht? Aber sogar bei der Müllabfuhr nehmen sie lieber solche wie den da!« Sie zeigte auf Mudi, der blass und wie festgefroren auf seinem Stuhl saß. »Und wissen Sie auch …«, kreischte sie mit erhobenem Zeigefinger weiter, als Kai sie unterbrach, indem er ihr lachend sein iPhone entgegenhielt.

»Und wissen Sie auch, dass ich Sie gerade gefilmt habe?« Er ließ die Szene wieder abspielen und sowohl Ton- als auch Bildqualität waren erstklassig. Sicher hatte Steven Spielberg auch nicht anders angefangen! Im Sekretariat war es um sie herum still geworden. »Einfach großartig. Es wird den Rektor sicher interessieren, wie weltoffen und international sein Personal eingestellt ist. Fehlt nur noch Ihr Name, Frau … Wie war der gleich?« Er beugte sich vor, wie um ihr Namensschild zu entziffern.

»Also, das ist doch …« Sie hakte sich schnell das kleine Schildchen ab, riss Mudi seinen Zulassungsbescheid aus der Hand und begann, wütend zu tippen. Fünf Minuten später war auch Mudi voll immatrikulierter Student der Universität Augsburg.

Kai und Mudi traten grinsend den Rückzug an, während sich die Sekretärin an den Wasserspender stellte und ein Glas nach dem anderen hinunterstürzte. Eine Kollegin nahm derweil ihren Platz ein.

»Danke«, sagte Mudi, als sie in der Aula standen. Dann sah er vorsichtig zu dem Handy, das Kai noch immer in der Hand hielt. Es war ein brandneues iPhone in einer schlichten, eleganten Hülle, das sein Vater ihm im September zum Geburtstag geschenkt hatte. »Aber …«

»Was aber?«, fragte Kai, der Mudis Gesichtsausdruck nicht deuten konnte. Gab es hier ein Problem?

»Willst du den Film wirklich dem Rektor zeigen und sie denunzieren?«

Denunzieren, dachte Kai erstaunt. War das nicht ein etwas großes Wort für seinen kleinen Film und seine Drohung, ihn dem Rektor zu zeigen? Was ist denn schlimmer: jemanden zu denunzieren oder jemanden zu schikanieren? Doch er zuckte die Achseln und schüttelte dann den Kopf.

Mudi schien erleichtert, ohne dass Kai genau begriff, weshalb. »Aber ihr Blick war wirklich zum Schreien, als sie den Film gesehen hat«, sagte er. »Wenn es mit ihrer Karriere an der Uni nicht klappt, dann kann sie immer noch nach Hollywood. Und du auch.«

Mudi sprach zwar perfekt Deutsch, aber Kai hörte einen leichten Akzent, den er nicht einordnen konnte.

»Na, die Bavaria Filmstudios tun es auch. Vielleicht brauchen sie jemanden, der Schulkinder herumführt oder sich als Vampir verkleidet. Das kann ich dann machen«, erwiderte Kai und war überrascht, als Mudi ihm ziemlich förmlich seine schmale Hand entgegenstreckte.

»Ich heiße übrigens Mudi. Mudi Mansouri.«

Kai drückte etwas ungeschickt Mudis Hand und bemerkte gleichzeitig dessen sorgfältig gebügeltes Hemd und seine Chinohose, deren Saum auf blank polierte Schuhe fiel. Mudi war gekleidet, als sei die Immatrikulation ein Fest, während Kai sich plötzlich in seinem abgewetzten Mantel wie etwas fühlte, das die Katze vom Feld ins Haus gebracht hatte.

»Kai Blessing. Passiert dir so was wie hier oft?«

»Ja und nein. Die Menschen wissen eben einfach nicht, wo sie mich einordnen sollen. Für die meisten bin ich Türke oder Albaner oder Araber.«

»Und stört dich das?« Eine dieser Nationalitäten war es also nicht.

Mudi überlegte. »Nein. Anderssein erregt Unverständnis und Unverständnis erzeugt Vorurteile. Mir ist egal, was die Leute denken, wo ich herkomme. Wenn es mich stören würde, dann wäre ich ja nicht besser als sie. Niemand ist mehr wert als der andere, ob Türke, Albaner, Araber oder eben …«

Seine Stimme verlor sich und Kai half ihm weiter: »Wo kommst du her?«

»Aus Augsburg natürlich.« Mudi hielt seine Papiere so, dass sein Abiturzeugnis zuoberst lag. Kai sah, dass Mudi in diesem Jahr am traditionelleren Anna Gymnasium sein Abitur gemacht hatte. Dann blieb sein Blick an Mudis Notendurchschnitt hängen, der mit glatten Einsen in fast allen Fächern viel besser als sein eigener war. Trotzdem kamen ihm die Worte »Streber« oder »Angeber« nicht in den Sinn, denn Mudi strahlte eine Ruhe und Gelassenheit aus, die Kai irgendwie imponierte.

»Nein, natürlich. Ich meine … ursprünglich.«

Mudis Augen glitzerten. »Was denkst du? Kannst du es erraten?«

Kai musterte ihn. Was sollte das Ratespiel? Aber etwas an Mudis Gesichtsausdruck, seiner feinen olivfarbenen Haut und den hellen grünen Augen unter den für einen Mann sehr langen Wimpern faszinierte ihn. Es ließ ihn an Rudyard Kiplings »Kim« denken. Vor einigen Jahren hatte er angefangen, sich mehr für Geschichte zu interessieren, und hatte die fantastischen Welten von »Harry Potter« und »Herr der Ringe« hinter sich gelassen. Seitdem hing auch eine große Weltkarte in seinem Zimmer. Der Gegensatz zwischen dem zersplitterten und so klein aussehenden Europa und der immensen, lockenden Weite Zentralasiens hatte ihn gefesselt. Eines Tages wollte er mit der Transsib fahren und sein eigenes Roadmovie erleben, entschied er damals mit zwölf. Eines Tages.

Mudi erinnerte ihn an die Seidenstraße und an Tausendundeine Nacht und so riet Kai ins Blaue hinein: »Ich weiß es nicht. Aus dem Irak vielleicht? Oder Afghanistan?«

Mudi lächelte plötzlich, und Kai merkte jetzt erst, dass er angespannt gewesen war.

»Fast. Gut geraten. Ich komme aus dem Iran«, sagte Mudi.

»Du bist Perser?«, fragte Kai.

»Hm … aber ich habe es lieber, wenn man Iraner sagt. Iran ist das modernere Wort für unser Land.«

»Sorry. Das wusste ich nicht. Ich glaube, ich habe noch nie jemanden aus dem Iran kennengelernt. Ist das nicht ganz schön … ganz schön …«

»Ganz schön – was?«, fragte Mudi beinahe lauernd. Er machte es Kai wirklich nicht leicht.

»Ganz schön schwierig dort?«, beendete Kai seinen Satz. Er hörte selbst, wie schwach das klang. Iran: Was wusste er über das Land? Er dachte rasch nach, denn Mudi sah ihn noch immer prüfend an. Schließlich hatte er im Economist und in der ZEIT, die sein Vater abonnierte hatte, einiges über das uralte Land gelesen. Kai schluckte. Schwierig. Wie blöd das klang, wenn es um Atombomben, Verbot der Redefreiheit, Folter und abgeschlachtete Demonstranten ging. Er wollte im Erdboden versinken, so doof fühlte er sich.

Mudi atmete langsam und hörbar durch die Nase aus. Als er sprach, klang seine Stimme geduldig, als hätte er es statt mit Kai mit einem Kind zu tun. »Genau. Schwierig. So ist das dort. Aber Gott sei Dank konnte meine Familie das Land verlassen.«

»Aha … Kann man denn einfach so ausreisen?«

»Nein. Meine Eltern hatten Verbindungen, sagen sie immer. Sonst kannst du das so gut wie vergessen. Aber wir hatten es hier am Anfang verdammt schwer. Bis meine Eltern Deutsch gelernt hatten, eine Wohnung für uns frei wurde und sie ein Darlehen für ihr Café bekommen haben, lebten wir in einem Auffanglager. Hunderte von Betten, die nur durch Vorhänge getrennt waren. Ich bin echt stolz auf meine Eltern und auf das, was sie für uns auf sich genommen haben.«

»Für uns?«

»Ich habe noch eine Schwester. Aber hauptsächlich ging es meinen Eltern bei der Ausreise wohl um mich, ohne machohaft klingen zu wollen. Mein Großvater war unter dem Schah Reza Pahlewi einer der höchsten Richter im Land. Deshalb will ich auch Jura studieren und werden wie er. Ich will wirklich Recht sprechen, statt mich mit der Scharia abzugeben. Und darum werde ich in seine Fußstapfen treten, das weiß ich. Dann haben sich wenigstens alle ihre Mühen gelohnt. Im Iran hätte ich keine Chance gehabt. Nenn mir ein Problem, irgendeines, wir haben es dort bestimmt! Arbeitslosigkeit, Luftverschmutzung, Krankheiten, Seuchen, Naturkatastrophen, Drogenmissbrauch, Prostitution, eine der höchsten Selbstmordraten der Welt unter Jugendlichen, galoppierende Inflation und, und, und.«

Kai nickte stumm, denn sowohl Mudis Ernsthaftigkeit als auch die Selbstverständlichkeit, mit der er seinen Weg voraussah, beeindruckten ihn. Hier hatte jemand ein Ziel und wollte später wichtige Entscheidungen treffen. Mehr, als nur nächsten Samstag ins Kino zu gehen und sich zu fragen, welchen Film man sehen wollte. Mudi war nicht nur ernst, es war ihm ernst. Das war der große Unterschied zwischen ihm und anderen.

Kai sah auf seine Uhr. Es war beinahe Mittag geworden. Mist, Selina war wohl schon lange weg. Aber er hätte Mudi ja auch nicht einfach stehen lassen können. Und er hätte es auch gar nicht gewollt, gestand er sich ein.

»Was machst du jetzt, Mudi? Ich gehe in die Mensa. Willst du mitkommen?«

Mudi schüttelte den Kopf. »Ich würde gerne, aber meine Schwester wartet zu Hause mit dem Essen auf mich.«

»Deine Schwester wartet mit dem Essen auf dich?«, wiederholte Kai erstaunt. So was hatte er als Antwort nicht erwartet.

»Ja. Unsere Eltern arbeiten beide, und da hat sie gestern Abend schon groß gekocht, damit wir heute alle zusammen ein Fest feiern können – jetzt, wo ich ganz offiziell Jurastudent bin. Das kann ich auf keinen Fall verpassen. Sie hat sich solche Mühe gegeben. Außerdem kommen meine Eltern ausnahmsweise zum Mittagessen nach Hause. Das verstehst du doch sicher, oder?«

»Klar«, sagte Kai, aber er war sich nicht sicher, ob er wirklich verstand.

»Komm doch mit«, sagte Mudi plötzlich.

»Wie meinst du das?«

»Na, wo vier satt werden, hat auch noch ein Fünfter Platz. Wenn nicht noch mehr. Wenn Iranerinnen kochen, dann kann man damit eine Heerschar eine Woche lang verköstigen. Außerdem gilt bei ihnen Nein danke nicht als Antwort.« Er grinste. »Gleichzeitig ist nichts beleidigender für eine iranische Familie, als wenn der Gast alles, was ihm gereicht wird, auch aufessen könnte. Und Halva kocht gut, sehr gut sogar.«

»Halva?«

»Das ist meine Schwester.«

Kai zögerte. Er hatte keine Vorstellung von iranischem Essen. War das so ähnlich wie Döner Kebab? Den aß er ja morgens um vier, wenn sie alle am Welserplatz aus der Wunderbar kamen, sehr gerne. Aber was, wenn ihm das Essen nicht schmeckte oder er einen furchtbaren Patzer beging, weil er irgendeine Etikette nicht kannte? Bestimmt würde er noch jemandem auf den Schlips treten, wo er doch so wenig über den Iran wusste. Es würde für ihn ein durch und durch unentspannter Nachmittag werden, so viel war klar – und das konnte er jetzt gar nicht gebrauchen. Deshalb sagte er: »Danke, nett von dir, aber lieber ein anderes Mal.«

»Klar. Gerne. Und danke noch mal, Kai. Das erzähle ich daheim, wie du die Tante da gefilmt hast. Das war echt ritterlich von dir.«

Kai zuckte ein wenig peinlich berührt mit den Schultern und grinste verlegen. Kai Artus. »Ach, komm! Das hätte doch jeder getan«, sagte er schnell.

»Glaubst du?«, fragte Mudi nach einem kurzen Schweigen. Kai war leicht verwirrt.

»Hm. Na ja, vielleicht auch nicht.«

»Lass es dir in der Mensa schmecken. Bis morgen dann, in der ersten Vorlesung Strafrecht. Der Professor, den wir haben, soll sehr gut sein. Jetzt muss ich aber los. Sonst verpasse ich die Straßenbahn und komme zu spät.«

»Bis morgen.«

Mudi schüttelte zum Abschied Kais Hand, und Kai begann, sich an diese Förmlichkeit zu gewöhnen. Er sah Mudi nach, als dieser sich sehr gerade und bestimmt seinen Weg durch die Menge suchte, um zur Straßenbahnhaltestelle vor der Uni zu gehen. Kai hatte noch keine Ahnung, welchen Professor er in welchem Fach hatte, fiel ihm dann ein.

In der Mensa entdeckte Kai von Weitem dann doch noch einige Bekannte, die ihm zuwinkten. Er setzte sich zu ihnen an den Tisch, konnte ihrem Gespräch aber nicht recht folgen und sah stattdessen aus den großen Fenstern nach draußen. Das weiße Licht blendete ihn, auch wenn der am Morgen noch klare Himmel nun mit Wolken überzogen war. Sein Essen bestand aus einem nicht näher identifizierbaren Bioauflauf, einem Salat, dessen Lebensgeister in Soße ertränkt worden waren, einem Apfel und einem Glas Mineralwasser. Selina war nirgends zu sehen. Er hörte nur mit halbem Ohr, worüber seine Kumpel sich unterhielten: die kurzen Röcke der Mädchen, den besten Repetitor vor dem Examen – typisch, dabei hatten sie noch nicht einmal die erste Vorlesung besucht! – und ein paar übriggebliebene Tickets für das Eishockey-Turnier am Wochenende. Plötzlich bereute er seine Entscheidung, nicht mit Mudi zu seinem iranischen Festessen gegangen zu sein. Das klang schön, wenn auch für ihn unvorstellbar: eine Familie, die einen ganzen Abend lang vorkochte, um zu Mittag einfach so ein Fest zu veranstalten. Ein Fest, weil der Sohn jetzt Jurastudent war, so wie einst sein Großvater, der Richter im Iran gewesen war. Unglaublich! Nun, vielleicht ergab sich ja noch mal eine andere Gelegenheit. Hoffentlich. Kai seufzte. Dass man aber auch nie wissen konnte, welche Entscheidung die richtige und nicht nur die einfachere war.

Ellen Alpsten

Halva, meine Süße

Jugendbuch

ISBN (Buch) 978-3-649-60598-0

ISBN (eBook) 978-3-649-61242-1

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Berlin, über 70 Jahre später



»Also, du mit den langen braunen Haaren und den dunklen Augen – wie heißt du noch mal? Du bist jetzt mal ein Tisch.«.

»Caroline«, sagte sie leise.

»Was?«

Sie räusperte sich, um ihre Stimme zu finden. »Wie bitte? Ich heiße Caroline.«

Der Regisseur zuckte mit den Schultern. Er trug einen schwarzen Rolli zu einer schlabberigen schwarzen Hose, und der dicke Rand seiner Hornbrille war ebenfalls schwarz, soweit sie das von der Bühne aus beurteilen konnte.

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Sie, gab Caroline vor sich selbst zu.

Er saß zusammen mit zwei Assistentinnen und einem anderen Mann in einer der ersten Reihen des nach hinten breiter werdenden Saals, doch die Lichter blendeten Caroline.

Er zuckte erneut mit den Schultern. »Egal. Jetzt bist du mal jemand, der ein Tisch ist, okay?«

Aber warum denn nur?, wollte Caroline fragen, schwieg dann aber. Was hatte denn ein Tisch mit Wedekinds Lulu zu tun, außer dass Lulu es mal auf einem Tisch trieb? Sie hatte alles erwartet – sich auszuziehen, zu schreien, zu kreischen, sich die Haare zu raufen, einen Hut zu verführen, Bauchtanzen, jede Brust in eine andere Richtung kreisen zu lassen – was auch immer. Aber gewiss nicht, einen Tisch darstellen zu müssen … Dennoch wagte sie nicht, zu widersprechen. Das war an der Schauspielschule eine ihrer ersten Lektionen gewesen. Dem Regisseur zu widersprechen ist nie, nein: NIE eine gute Idee. Vor allem dann nicht, wenn man die Rolle noch nicht hatte.

Der Regisseur bemerkte ihr Zögern, runzelte die Stirn, hob den Bleistift und dozierte: »Keine Rolle ist schwerer zu besetzen als die Lulu. Es geht um absolute Verführung und um absolute Unschuld. Wer das verinnerlichen will …«, seine Stimme verlor sich.

Ja, ja, schon gut. Caroline ging auf alle viere. Absolute Verführung und absolute Unschuld also. Wie ließ sich das in einem Tisch verinnerlichen? Sie schloss die Augen und sperrte die Welt da draußen, den Theaterraum und die Anwesenden aus. Nur so konnte sie sich in das einfühlen, was von ihr verlangt wurde. Sie wurde zur Hülle, in die neues Leben eingehaucht wird.

Ihr seid ein Instrument!, hatte sie in ihren ersten beiden Semestern an der Schauspielschule immer wieder gehört. Jetzt stand das erste Praktikum an. Der Regisseur machte sich eine Notiz an den Rand seiner zerknitterten und mit Eselsohren versehenen Blätter. Der Mann neben ihm, ein junger blasser Typ mit hellbraunem Haar, dichten Augenbrauen und weichem Dreitagebart warf einen Blick darauf. Er verzog keine Miene. Caroline brach der Schweiß aus. Wahrscheinlich hatte sein Boss irgendwas wie zickig oder schwierig geschrieben. Sie biss sich auf die Lippen. Als ob Lulu einfach gewesen wäre!

»Wie lange muss ich noch eine Lampe sein?«, fragte das Mädchen hinter ihr. Caroline schielte, um sie besser sehen zu können. Sie hatte goldblonde Korkenzieherlocken und stand schon seit geraumer Zeit auf einem Bein. Die Arme hatte sie über dem Kopf zum Lampenschirm angewinkelt. »Meiner Agentur ist das hier sicher nicht recht. Der Typ da drüben ist schon ganz lange der Kleiderschrank. Wann kann ich denn mal der Kleiderschrank sein?«

Der Kleiderschrank grunzte nur. Er stand mit ausgestreckten Armen und gespreizten Beinen da. Wie ein Hampelmann. Was machte er hier eigentlich? Oder war das Casting so schwierig, dass selbst Männer als Lulu infrage kamen? Ein irres Kichern sammelte sich in ihrem Bauch, aber sie riss sich gerade noch zusammen.

Caroline konzentrierte sich ganz auf den Tisch, der sie war. Rücken gerade, Nacken steif, starr nach unten sehen. Arme und Beine im vollkommenen rechten Winkel. Dafür also studierte sie an der Schauspielschule? Was war in diesen Situationen am besten? In jedem Fall: die aufmüpfigen Gedanken ausschalten. Nur das konnte sie nicht.

Der Regisseur wedelte mit seinem Bleistift in Richtung Blondine, die keine Lampe mehr sein wollte. »Später. Du musst noch ein bisschen jemand sein, der wie eine Lampe ist. Du musst die Lampe verinnerlichen. Begreifst du das? Und wackel nicht. Wenn du willst, kannst du das Bein wechseln. Ja, sei mal jemand, der das Bein wechselt.«

Die Blondine verinnerlichte es und war nun jemand, der das Bein wechselte.

Caroline hielt vollkommen still. So still, wie sie es in den Stepptanz-, Fecht- und Akrobatik-Kursen bisher eigentlich nie gelernt hatte. Wahrscheinlich verlangte dieser schwarze Rollkragenpullimensch gleich noch, dass man fürs Tischsein genau wie bei der Aufnahmeprüfung zur Schauspielschule vier Passfotos, 30 Euro Prüfungsgebühr und ein ärztliches Zeugnis abgibt, das die volle körperliche Leistungsfähigkeit bestätigte?

Damals hatte sie zumindest noch ihre Gitarre dabeigehabt und dazu Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen gesungen – perfekt für ihr tiefe, rauchige Stimme. Sie wollte doch so gern an Wunder glauben! Selbst hier – denn der Werdegang vom Tisch zur Hauptrolle an der Volksbühne in Wedekinds Lulu im beinahe dritten Semester wäre tatsächlich ein Wunder … Aber nach dem ersten Jahr hieß es eben schon vorsprechen, vorsprechen, vorsprechen, und, ach ja, verdammt noch mal, vorsprechen. Alles Erfahrungswerte. Wie sie das Wort hasste.

Carolines Knöchel schmerzten nun, sie hatte sich verkrampft. Der Regisseur zeigte mit seinem Bleistift auf sie. »Die sieht ein bisschen aus wie Audrey Hepburn, oder?«

Der Unbekannte neben ihm legte den Kopf schief. »Oder wie Penélope Cruz.«

»Ne, die Cruz hat Arsch und Titten. Ich hab sie im letzten Jahr auf der Biennale gesehen. Wow, Mann. Aber die hier ist ’ne richtige Bohnenstange. Flach wie ein Brett, hinten und vorn. Sie sieht überhaupt zu jung aus. Wie die, die bei Der Teufel trägt Prada mitspielt. Hier steht, dass sie 18 ist. Aber wisch mal die Schminke ab, dann sieht die aus wie 14.«

»Das ist für Lulu vielleicht gar nicht so schlecht, oder? Du wolltest doch absolute Verführung und absolute Unschuld«, sagte der andere. Plötzlich war er Caroline sympathisch.

Der Regisseur zuckte missmutig mit den Schultern. »Lass mal, Carlos. Sie ist zu dunkel. Ich stelle mir Lulu eher blond vor.«

Dem Lampenmädchen musste ein Licht aufgehen, denn Caroline spürte eine warme Welle von stummem Triumph zu ihr hinspülen. Mist, verdammter. Röte stieg ihr heiß in die Wangen, aber sie hielt dennoch den Blick gesenkt. In der hinteren Tasche ihrer Jeans vibrierte ihr Handy. Genau viermal. Das musste Mia sein. Wahrscheinlich saß sie jetzt in einem Café in Prenzlauer Berg. Ob der Tisch dort so gut und stabil war wie sie selbst gerade?

Caroline sehnte sich plötzlich danach, bei ihr zu sein: Leute beobachten, lachen, reden, gemeinsam von ihrer großen Zukunft als Schauspielerin träumen, jede für sich mit ihren Stärken und Schwächen. Mia und sie hatten ein Motto: eine für zwei, zwei für eine. Sie würden zusammen durch dick und dünn gehen. Das war besser, als sich hier demütigen zu lassen.

Der Regisseur öffnete zischend eine Cola. Es war fast Zeit zum Mittagessen. Die Assistentinnen verglichen gerade die Farbe ihrer langen Acrylnägel: Grün vs. Gelb. Nur der junge Typ mit dem Dreitagebart musterte Caroline noch immer. Er wirkte mehr wie ein Abiturient als wie jemand, der hier etwas zu sagen hatte. Sein Blick machte sie dennoch unsicher. Was wollte er? Sie röntgen oder ihre Eignung als Lulu feststellen?

»Du, sei ein Hocker«, sagte der Regisseur zu einem Mädchen, das gerade die Bühne betrat. »Ja. Das ist klasse. Sei mal jemand, der ein Hocker ist. Roll dich zusammen. Mach dich klein. Kannst du das verinnerlichen?«

Das Mädchen nickte und faltete sich, so eckig es ging, zu einem Hocker zusammen.

Irgendetwas in dem Blick des jungen Dreitagebartes gab Caroline Mut. Sie stand auf und klopfte sich die Knie ihrer schwarzen engen Jeans ab.

»He, was ist denn los?«, fragte der Regisseur und wischte sich Cola-Schaum vom Pulli. Vor Überraschung hatte er etwas von seinem Gesöff verschüttet. »Was bist du denn jetzt?«

»Ich bin jetzt mal jemand, der nach Hause geht. Können Sie das verinnerlichen?«

Der Regisseur sah sie mit offenem Mund an. Wahrscheinlich hatte er schon lange keinen Tisch mehr aufstehen sehen. In den Kulissen drehte sie sich noch einmal um. Der junge Dreitagebart sah ihr nach. Lächelte er? Im Halbdämmer des Theaters war es kaum zu erkennen.

Die U-Bahn vom Rosa-Luxemburg-Platz war knackevoll.

»Ich bin schwanger«, sagte Caroline, streckte den flachen Bauch raus und zwang einen Mann in einem teuer aussehenden Anzug zum Aufstehen. Sie ignorierte den Rest der Fahrt seine beleidigten Blicke und auch alle anderen Passagiere: eine Gruppe kichernder Teenager, die ihre iPhones verglichen; einen Penner mit seinem Hund, dem bei der Hitze die rosa Zunge aus dem offenen Maul hing; einen Bauarbeiter, der leise schnarchte. Leute, die ins Nichts sahen.

Caroline setzte die Kopfhörer ihres iPods auf, den sie sich von einem Synchronisationsjob geleistet hatte. Leider war die Telenovela, in der sie der heißblütigen Heldin ihre Stimme geliehen hatte, schon bald wieder abgesetzt worden. Jobs wie diese waren Brot und Butter für junge Schauspieler und sehr begehrt.

Caroline hielt die Augen gesenkt, denn sie wollte niemanden ansehen. Ihre Jeans waren vom Knien auf der Bühne staubig und ihr hellrosa V-Ausschnitt-T-Shirt auch. Mist, jetzt musste sie wieder waschen. Hoffentlich war die Wasserrechnung beglichen.

Plötzlich zitterte sie vor Wut, ohne sagen zu können, ob es Zorn auf den Regisseur oder sich selbst war. Sie hätte die Rolle so dringend gebraucht!

Caroline drehte den iPod lauter und ließ die Musik von Astor Piazzola über sich hinwegspülen. Tango und Steppen waren ihre Lieblingsstunden an der Schule gewesen. Alles, was eben mit Musik und Bewegung zu tun hatte. Sie würde es auch nie laut und in der Öffentlichkeit zugeben, aber sie mochte die kitschig kolorierten Filme der Vierzigerjahre, in denen gesungen und getanzt wurde. Heute gab es das nur noch in Bollywood. Sie sah auf. Nach den Tunneln flog draußen Berlin vorbei, die große und unter ihrer grauen Tarnfarbe so lebendige Stadt.

Als sie schließlich in der Kreuzbergstraße ankam, ging es ihr besser und schlechter zugleich. Besser, weil sie Zeit und Kilometer zwischen sich und die Volksbühne gebracht hatte und das bunte, bekannte Gewimmel von Kreuzberg sie schluckte. Schlechter, weil sie kein weiteres Vorsprechen hatte. Schöner Mist. Dann konnte sie sich für den Sommer einen Job als Kellnerin suchen. Oder wieder bei McDoof arbeiten und am Abend nach Fett und Fritten stinken. Für ihre Bewertung an der Schule war das ganz schlecht. Sich durchsetzen können stand immer ungeschrieben auf dem Stundenplan. Wie soll sonst was aus euch werden? Die Stimme ihrer Lehrerin verfolgte sie manchmal im Traum. Was, ja was?

Caroline sah auf die Uhr. Himmel, wie spät es geworden war! Michi musste schon von der Schule daheim sein. Ob er am Schultor auf sie gewartet hatte? »Wenn ich es schaffe, dann hol ich dich ab«, hatte sie ihm versprochen.

Im türkischen Laden an der Ecke kaufte sie Toast, Milch, Nutella, Okrabohnen und Hackfleisch. Das sollte für ein Abendessen genügen.

Als sie die Haustür aufsperrte, war es kühl im Flur unter der hohen Stuckdecke, durch die sich Sprünge zogen. Es roch nach Staub und in den Ecken hingen Spinnweben. Auf der abgewetzten Fußmatte und dem Linoleumboden lag ein ganzer Stapel Wurfsendungen. Wie schon des Öfteren verteilte Caroline die Werbung gerecht in die Briefkästen, auf denen rot der Aufkleber Bitte keine Reklame prangte. Das waren genau die Spießer, die Michi erst das Ballspielen im Hinterhof verboten und dann seinen roten Ball mit den weißen Punkten abgestochen hatten.

Ihr Blick glitt über das Schwarze Brett, an dem der Blockwart – einen anderen Namen verdiente Hausmeister Krusemann nicht – Neuigkeiten ausgehängt hatte oder die Bewohner alte Fahrräder und Sonstiges feilboten. Eine bunte Annonce links oben fing ihre Aufmerksamkeit ein.

Nehme Näharbeiten jeder Art an – aus Alt mach Neu!

Carolines Interesse schwand.

Auf der ausgetretenen Holztreppe nahm sie zwei Stufen auf einmal, bis sie im fünften Stock ankam. Fünffda Stock mitt Balkong, hatte ihre Mutter früher immer stolz gesagt. Wenigstens gehörte die Wohnung ihnen. Ihr Vater hatte sie ihr und Michi vererbt. Sie schloss die Tür auf. In der Wohnung war es still.

»Mama? Michi?«

Keine Antwort. Caroline stieß die Tür zum Wohnzimmer auf. Der Fernseher war aus, und ihre Mutter schlief auf einem der Sofas, die den Raum so gut wie ausfüllten. Caroline schlich zu ihr und ging neben ihr in die Knie.

»Mama?«, flüsterte sie. Das Gesicht ihrer Mutter sah so entspannt und fern der Wirklichkeit ganz anders aus. Die strenge Falte zwischen ihren Augenbrauen war sanfter und die sonst oft geröteten, müden Augen geschlossen. Ihre Haare, die so dunkel waren wie Carolines, waren strähnig und warfen Schatten auf ihre Stirn und Wangen. Caroline schnupperte sacht am Atem ihrer Mutter. Urgh. Wodka.

Auf dem Sofatisch lag ein aufgerissener Brief. Absender: das Arbeitsamt. Den konnte sie sich auch später noch ansehen. Sicher eine Absage oder wieder ein Vorschlag zur Umschulung. Was den Wodka-Atem erklärte. Verdammt. In Stresssituationen war ihrer Mutter immer noch nicht zu trauen.

Caroline schlich in die Küche. Wo war Michi? Doch der kleine, enge Raum war leer und auf der Theke entdeckte sie keine verräterischen Spuren von Krümeln und verschmiertem Buttermesser. Nur die Tür zum Balkon auf den Innenhof stand offen.

Carolines Herz klopfte schneller. Schau nicht hin, Mädchen. Schau nicht hin!

Sie war damals, vor fünf Jahren, von der Schule nach Hause gekommen und der Polizei und dem Notarzt direkt in die Arme gelaufen. Einer der Beamten hatte sie festgehalten und ihren Kopf gegen seine Brust gedrückt. Der Stoff seiner Uniformjacke kratzte sie noch heute an der Wange.

»Michi?«, fragte sie schrill. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen, als sie auf den Balkon trat. Uff, da war er ja! Michi kauerte in der Ecke neben seinem Hasenstall.

»Was machst du denn hier?«, fragte Caroline strenger als notwendig – eigentlich war sie nur verdammt erleichtert.

Michi sah auf. »Was klingst du denn so aufgeregt?«

Sie zog ihn hoch und drückte ihn an sich. »Ich hatte plötzlich solche Angst. Was, wenn du runtergefallen wärst, so wie …?«

»Sei nicht doof, Caroline. So was würde ich nie tun.«

»Was machst du dann hier?«

Michi zog die knochigen Schultern hoch. »Ich warte, dass Superman vorbeifliegt.«

»Und warum das?«

»Weil er mich dann mitnimmt. Ganz weit weg.«

Caroline sah in den blauen Sommerhimmel, in dem Wolken trieben. Weit oben flog ein Flugzeug. Von Superman keine Spur.

Michi löste sich von ihr. »Aber gut, dass du kommst, ich muss nämlich ganz dringend.« Er war fast neun und seine Arme und Beine wirkten für den Rest des Körpers viel zu lang.

»Warum gehst du denn dann nicht?« Caroline fuhr ihm durch sein straßenköterfarbenes Haar.

»Na was, wenn Superman genau dann hier vorbeigeflogen kommt? Da hätt’ ich lieber über das Geländer in den Hof gepinkelt.«

»Hm. Und wenn du Superman angepinkelt hättest? Mitten auf seinen schicken roten Umhang?«, fragte Caroline. »Ob er dich dann noch mitgenommen hätte?«

»Ooch, bestimmt. Der ist da nicht so«, grinste Michi und sein Gesicht bestand nur aus Mund und verschieden großen Zähnen mit vielen Lücken dazwischen.

»Flitz. Ich steh Schmiere, damit wir Superman nicht verpassen, okay? Und wenn du wiederkommst, mach ich dir ein Nutella-Brot.«

»Isst du auch eins mit?«

»Hm. Vielleicht.«

»Oder musst du für irgendein Vorsprechen wieder in deine Jeans passen? Hast du die Rolle heute bekommen? Diese Lili?«

»Lulu«, verbesserte sie ihn geduldig. Michi hatte ihr die Rolle abgehört, auch wenn er die Hälfte davon nicht verstanden hatte. Was auch besser so war.

Er zuckte mit den Schultern. »Lulu dann eben. Hast du sie bekommen?«

»Wohl kaum. War für ein Praktikum nach einem Jahr Schule auch sehr hoch gegriffen. Aber das macht nichts. Irgendwas wird schon noch klappen.«

Michi nickte. »Ja. Das wird es.«

Caroline blickte über die Dächer von Kreuzberg: eine Landschaft aus dunklem Schiefer, Hunderttausenden von Antennen, Balkons aller Größen, Velux-Fenstern, Giebeln und Dächern, Dächern, Dächern. Michi sah zu ihr auf.

»Du wirst ganz berühmt. Ganz, ganz, ganz berühmt! Und dann ziehen wir hier aus, in eine Villa am Wannsee, so wie Mia. Oder noch größer und noch schöner, als Mia sie hat. Riesengroß. Im Garten kann mein Hubschrauber landen. Mit dem flieg’ ich dich überallhin, wo du als Star so hinmusst!« Er hüpfte von einem Bein aufs andere. »Und unser Kühlschrank … unser Kühlschrank, der ist immer voll, ja? Mit ganz feinem Zeug.«

»Klar. Jetzt geh aufs Klo, okay? Ich mach dir derweil eine Stulle.«

Michi rannte davon und Caroline riss die Toastpackung auf. Ihr war zum Heulen. Shit! Vielleicht hätte sie doch als Tisch länger stillhalten sollen. Vielleicht wäre wenigstens über den Sommer eine Nebenrolle für sie dabei herausgesprungen.

Wenn sie weiter so zickig oder schwierig war, konnte Michi lange auf seine Villa am Wannsee warten. Ganz zu schweigen von seinen neuen Converse-Turnschuhen oder auch nur den Fußballer-Bildern, die er in der Schule mit seinen Kumpels tauschte.

Michi kam wieder in die Küche.

»He. Warum heulst du denn? Du schneidest doch keine Zwiebeln, oder?«

Caroline wischte sich mit dem Unterarm über Augen und Nase, ehe sie die Nutella verstrich. »Ich glaube, ich habe heute Superman mitten auf seinen schönen roten Mantel gepinkelt.«

Michi schob sich auf die Arbeitsplatte hoch und ließ seine Beine baumeln. »Dann waschen wir ihn eben. 40 Grad, Farbe. Ist doch kein Problem. Und jetzt hör auf zu weinen. Meine Stulle wird sonst ganz salzig.«

»Weißt du, was? Jetzt esse ich doch eine mit«, entschied Caroline. »Komm, wir setzen uns auf den Balkon. Nicht, dass wir Superman noch verpassen. Dann kann er uns beide mitnehmen.«

»Sicher. Stark wie der ist!«

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Caroline setzte sich im Schneidersitz neben Michi auf den Boden und versuchte dabei, den Taubendreck zu vermeiden. In der Hosentasche vibrierte ihr Handy. Sie hatte nach dem Vorsprechen vergessen, den Ton wieder anzustellen. War das noch mal Mia? Wenn Mia in Laune war, konnte sie alle paar Minuten Fließtext zu ihrem Leben abgeben. Soziale Netzwerke waren für Leute wie sie geschaffen worden: Mia ist hier, da und natürlich auch dort. Meine hippen Freunde, meine wilden Partys, meine tollen Urlaube. Angeben sollte nicht mehr Angeben heißen, sondern einfach Facebook. Aber so war Mia eben. Wo Licht war, gab es auch Schatten. Eine für zwei, zwei für eine, das war ihr gemeinsamer Wahlspruch.

»Auf die Plätze, fertig, los«, sagte Michi und schlug seine Zahnlücken in die Nutella.

Unbekannte Nummer, sagte ihr Handy. Also nicht Mia. Schade. Eine Portion leichtes Leben hätte ihr jetzt gutgetan. »Warte mal …«, sagte Caroline. »Ja, hallo?«

»Spreche ich mit Caroline Siebert?«, hörte sie eine Männerstimme fragen. Er klang jung, aber auch ernst und irgendwie förmlich. Zu förmlich. War das Michis Schule? Sie legte die Hand auf den Hörer und flüsterte Michi zu: »Hast du was ausgefressen?«

Er schüttelte den Kopf und schob sich die gesamte Brothälfte auf einmal in den Mund. Überall quoll Nutella. Das schafften nur Achtjährige.

»Am Apparat«, sagte sie dann und zwang ihre Stimme, fest zu klingen.

»Caroline, mein Name ist Carlos. Wir haben uns vorhin an der Volksbühne … na, nicht kennengelernt, aber doch gesehen.«

Caroline wurde plötzlich heiß. Das musste der junge Dreitagebart sein!

»Wo haben Sie denn meine Nummer her?«, fragte sie leicht unbehaglich. Wollte er sie zur Rede stellen?

»Die stand in Ihren Unterlagen. Ich hätte ja gerne mit Ihnen persönlich gesprochen, aber so schnell habe ich noch keinen Tisch aufstehen und verschwinden sehen. Als ich hinter die Kulissen kam, hatten Sie schon alle vier Beine in die Hand genommen.« Er klang belustigt und Caroline entspannte sich etwas.

»Entschuldigung. Ich hab mich nicht getraut zu bleiben. Aber auf der Bühne konnte ich einfach nicht anders. Was hat der Regisseur gesagt?«

»Ach, machen Sie sich da mal keine Gedanken, geschieht dem alten Sack ganz recht. Durchs Möbelstücksimulieren findet der seine leidenschaftliche Lulu bestimmt nicht«, sagte Carlos. »Aber ich will Sie nicht lange aufhalten. Haben Sie morgen Nachmittag Zeit für ein Vorsprechen?«

Carolines Herz machte einen kleinen Hüpfer. Sie zählte leise bis drei, ehe sie antwortete. »Morgen Nachmittag? Lassen Sie mich sehen.« Sie schaltete auf ihren Kalender um. Mit Michi Hasenstall sauber machen, stand da für den folgenden Tag. »Ich habe einen Termin, aber den könnte ich verschieben«, sagte sie so gelassen wie möglich. »Um welche Rolle geht es denn?«

»Die Julia.«

»Ach was. So ein Zufall. Das war meine Rockrolle bei der Aufnahmeprüfung.«

»Ihre Rockrolle?«, fragte er.

»Ja. Wir mussten zwei Rollen vorbereiten, von denen eine im Rock sein sollte.«

»Was war die andere?«

»Der Kaufmann von Venedig.«

»Wen haben Sie da gespielt? Die Jessica etwa?«

»Nein. Den Kaufmann selbst. Crossgender, sozusagen.«

»Warum das?«

»Shylocks Tragik hat mich beim Vorbereiten der Prüfung sehr berührt und Sie haben es ja vorhin an der Volksbühne gehört: kein Po, kein Busen, so ’ne richtige Bohnenstange, oder?« Caroline konnte den Trotz in ihrer Stimme nicht unterdrücken. Carlos lachte.

»Ich habe das nicht gesagt. Mir kommt Ihr Aussehen gerade recht. Meine Julia soll ohne Schminke wie 14 aussehen, aber eben schon reifer sein.«

»Und soll Ihre Julia nicht auch blond sein, wie die Lulu

»Bei der richtigen Schauspielerin kann meine Julia so groß oder klein oder dick oder dünn sein, wie sie will. Nein. Und auf den Mund gefallen sind Sie wirklich nicht.«

»Kein Berliner Mädchen ist das.«

»Sind Sie ein Berliner Mädchen?«

»Waschecht.«

»Also alles in einem. Introvertiert und temperamentvoll zugleich, wie die Stadt selbst. Das passt auch sehr gut zur Rolle.«

Machte er sich über sie lustig? »Hm. Ich weiß nicht … so habe ich über die Julia noch nie nachgedacht. Das ist eine sehr große Rolle.«

»Da haben Sie recht. Aber Julia lässt sich nichts gefallen, sondern ist sehr selbstbewusst. Sie erlaubt Romeo nicht, mit ihr und ihren Gefühlen zu spielen.«

»Ich weiß nicht, ob ich so selbstbewusst bin.«

Am anderen Ende des Telefons entstand eine kurze Pause. Oh Gott, bitte nicht auflegen, flehte Caroline stumm. Schnell fügte sie noch hinzu: »Aber es geht es ja nicht um mich selbst, sondern um mich, die die Julia spielen soll.«

»Vielleicht spielen soll. Kommen Sie erst mal zum Vorsprechen.«

Natürlich. Vielleicht spielen soll. Carolines Herz sank. Das ganze Leben war ein einziges Vielleicht. Sie schluckte. Da musste sie durch.

»Klar. Wann soll ich morgen wo sein?«

»Am Bimah in der Fasanenstraße. Um eins? Suchen Sie sich eine Passage aus. Was immer Ihnen selbst am besten gefällt.«

Sie runzelte die Stirn. »Das Bimah? Das Theater kenne ich gar nicht.«

»Es ist nur eine kleine Bühne«, sagte Carlos zögerlich. »Dort ist schon länger nichts mehr gespielt worden.«

»Okay. Klingt gut. Dann bis morgen um eins«, sagte Caroline. »Danke für Ihren Anruf.«

»Bis morgen, Caroline.«

Sie legte auf.

Michi sah sie prüfend an. »Und? Dein Nutella-Brot isst du jetzt nicht mehr, oder?«, fragte er.

»Nein. Julia war vieles, aber bestimmt nicht fett.«

»Umso besser«, sagte er, griff sich Carolines Stulle und sperrte den Mund weit auf. »Ich brauch Kraft. Jetzt, wo ich den Hasenstall allein ausmisten muss.«

Caroline küsste ihn auf die Stirn und er drückte sich an sie. Jetzt hatte sie auch noch Nutella am T-Shirt, aber das war ihr egal.

Als Caroline am nächsten Tag um kurz vor eins in der Fasanenstraße ankam, dauerte es ein wenig, bis sie das Bimah fand. Die früher sehr elegante Straße erwachte gerade zu neuem Leben. Viele der großen weißen Gebäude wurden von Pensionen wieder in Privathäuser umgewandelt und entlang des Bürgersteigs lockten kleine originelle Geschäfte mit ihren Auslagen und gemütliche Cafés mit ihren Speisetafeln.

Caroline zählte die Hausnummern durch, die an einem mit Graffiti verschmierten Gebäude endeten. Ein Penner saß davor und spielte eine Melodie auf seiner Mundharmonika, mit der er unmöglich ein Lied meinen konnte. Als er Caroline sah, setzte er das Instrument ab.

»Haste mal ’n Euro?«, grinste er.

»Ne. Aber 50 Cent«, sagte Caroline und kramte in ihrer Handtasche.

»Auch gut.«

Sie legte die Münze in seine leere Kappe. Er spielte eine Tonleiter.

»Danke. Gib und dir wird gegeben, steht schon in der Bibel.«

»Ach ja? Vielleicht kannst du mir sagen, wo hier das Bimah ist?«

»Stehst direkt davor, mein Mädchen«, sagte der Penner. Caroline sah zweifelnd an dem Gebäude hoch. Kein Schild und keine Leuchtbuchstaben verrieten, dass dieses Gründerzeitmonster hier ein Theater sein sollte. Im ersten Stock waren die hohen Fenster grob mit Brettern vernagelt und die Fassade war unter den Schmierereien grau-braun vor Smog und Jahren. An der zweiflügligen Holztür war das Metall an Griff, Beschlägen und Postkasten stumpf geworden. In den beiden Glaskästen, die früher mal für Bilder und Besetzungslisten gedacht waren, lagen tote Fliegen auf verblichenem rotem Samt.

Der Penner grinste. »Siehste? Viel Glück. Die Bibel kann sich nicht täuschen, wir aber schon.«

»Na, vielen Dank«, sagte Caroline und stieß energisch die Tür auf.