Das 10. Kapitel,

in dem Chrissy und ich echte Indianer werden

Meine Oma Mary sagt, beste Freunde kloppen sich auch mal. Wutz soll Pa sogar mal einen Milchzahn ausgeschlagen haben, hat sie mir erzählt. Als sie in der ersten Klasse waren. Trotzdem sind sie noch immer die allerbesten Freunde.

Oder vielleicht gerade deshalb, meint Mary. Ich habe meine Milchzähne noch alle – außer die, die schon von ganz alleine die Flatter gemacht haben. Und meinen besten Freund habe ich auch zurück.

Klar, Pa hat gleich wieder rumgemotzt, von wegen, Gewalt ist keine Lösung und so.

Aber war’s ja auch nicht. Chrissy und ich haben uns jetzt nämlich mal so richtig ausgesprochen.

Er hat mir gesagt, was ihm alles nicht so gut gefällt – zum Beispiel, dass ich ihn immer mit seinem geflickten Brillenglas aufziehe.

Dann habe ich auch mal alles rausgelassen – von wegen, dass er mich ewig umrennt.

Danach haben wir uns fast scheckig gelacht. Das war echt klasse.

Überhaupt ist zusammen lachen viel cooler, als sich zu streiten, finde ich. Und Chrissy sieht das ganz genauso.

Darum haben wir auch beschlossen, es doch mal mit dem Eishockey auszuprobieren. Wir zwei zusammen, weil es zu zweit viel lustiger ist als alleine. Okay, bis wir zu den Besten des Bambini-Teams gehören, dauert es vielleicht noch ein bisschen – so drei bis vier Wochen. Aber eigentlich ist das total schnuppe. Die Hauptsache ist doch, dass wir zusammen Spaß haben.

Und wenn Chrissy seine Phobie besiegt hat, wollen wir echte Blutsbrüder werden!

Jetzt sollen wir uns im Halbkreis um unseren Trainer aufstellen.

Rechts neben mir steht Chrissy, an meiner linken Seite ein dunkelhaariger Junge mit megagroßer Zahnlücke.

„Young Indians, wir haben Verstärkung bekommen. Das hier sind Chrissy und Ricky“, stellt der Trainer uns vor. „Und nun lasst sie uns mal auf Young-Indians-Art willkommen heißen!“

Chrissy und ich gucken uns grinsend an. „Was kommt denn jetzt?“, flüstert Chrissy mir zu.

Ich zucke ahnungslos mit den Schultern und kriege im nächsten Moment den Mund vor Staunen nicht mehr zu.

Erst geht das Licht in der Halle aus, dann sind wir umgeben von einem Feuerwerk aus Trommeln und zuckenden Lichtern.

Wow!

Ich bekomme eine Gänsehaut.

Das ist ja der Oberhammerknaller!

Das Ganze dauert nicht länger als ein paar Sekunden – schätze ich mal. Aber es ist so gewaltig, so … so was habe ich noch nie erlebt! Und es ist noch nicht zu Ende.

Nachdem langsam die Trommeln verklingen und das Licht im Eisstadion wieder gleichmäßig strahlt, nickt der Trainer dem dunkelhaarigen Jungen neben mir auffordernd zu: „Vladi! Leg los!“

Und Vladi ruft: „Indianer?“

„Für immer!“, antworten die anderen im Chor. Heilige Yetikralle!

„Das ist unser Schlachtruf“, erklärt Vladi uns. „Einmal Indianer, immer Indianer.“

Ich weiß nicht so richtig, was ich sagen soll. Darum gucke ich schnell zu Chrissy. Der zwinkert wie verrückt. Bestimmt, weil er voll Pipi in den Augen hat. Aber ich kann’s gut verstehen, mir geht es nämlich ganz genauso. Schließlich sind wir jetzt echte Young Indians. Furchtlose und rasante Eishockeyspieler! So richtig wilde und hammerharte Jungs! Yeah! Und das fühlt sich irgendwie genial an.

Ähm … hätte ich gewusst, was mich danach erwartet …

Pa und Wutz sind nämlich zum Eisstadion gekommen, um nach unserem Young-Indians-Training noch ein paar Pirouetten20 auf dem Eis zu drehen. Hätte ich das geahnt, wäre mir das Grinsen glatt vergangen …

Aber das, Leute, erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Großes Indianer-Ehrenwort!


20 So nennt man das, wenn sich ein Eiskunstläufer ganz schnell auf einem Bein im Kreis dreht – wuuuumssss!