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Ein Auszug aus »Gelöscht« von Teri Terry:


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Kylas Gedächtnis wurde gelöscht, ihre Persönlichkeit ausradiert, ihre Erinnerungen sind für immer verloren. Kyla wurde geslated.

Aber die Stimmen aus der Vergangenheit lassen die Sechzehnjährige nicht los - hat sie wirklich unschuldige Kinder bei einem Bombenanschlag getötet? Zählte sie zu einer Gruppe von gefährlichen Terroristen? Und warum steht ein Bild von ihr auf einer geheimen Webseite mit vermissten Kindern?

Kyla wird immer wieder von Flashbacks aus ihrem früheren Leben eingeholt und merkt allmählich, dass ihre wahre Identität ein großes Geheimnis birgt. Gemeinsam mit Ben, einem anderen Slater, in den sie sich verliebt, begibt sie sich auf die Suche nach der Wahrheit - doch wem kann sie überhaupt noch vertrauen?

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Ebenfalls im
Coppenrath Verlag
als eBook erschienen:

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Merkwürdig.

Zugegeben, ich habe wenig Erfahrung, um diesen Eindruck begründen zu können. Ich bin 16 Jahre alt und weder langsam noch zurückgeblieben oder seit meiner Geburt in einem Schrank eingesperrt gewesen – zumindest soweit ich weiß –, aber das Slating macht das mit einem. Es nimmt einem alle Erinnerungen.

Es dauert eine Weile, bis nicht mehr ständig alles zum ersten Mal geschieht. Erste Worte, erste Schritte, die erste Spinne an der Wand, der erste angeschlagene Zeh. Ganz einfach: erstes ALLES.

Wenn ich mich heute also seltsam und unsicher fühle, könnte es einfach daran liegen.

Ich kaue an meinen Nägeln, während ich hier sitze und auf Mum, Dad und Amy warte, damit sie mich aus dem Krankenhaus abholen, um mich nach Hause zu bringen. Aber ich weiß nicht, wer sie sind. Ich weiß nicht, wo zu Hause ist. Ich weiß gar nichts. Wie könnte das nicht … merkwürdig sein?

Bzzzz: ein sanftes vibrierendes Warnsignal von dem Levo an meinem Handgelenk. Ich schaue nach unten: Ich bin auf 4,4 gefallen. Also esse ich ein Stück Schokolade, und mein Level steigt ganz langsam wieder an, während sich der Zucker in meinem Mund ausbreitet und ich beobachte, wie sich mein Levo-Wert verändert.

»Mit so schwachen Nerven wirst du irgendwann dick.«

Ich zucke zusammen.

Dr. Lysander steht in der Tür. Sie ist groß und dünn und trägt einen weißen Kittel. Ihre dunklen Haare sind nach hinten gekämmt und auf ihrer Nase sitzt eine dicke Brille. Sie bewegt sich geräuschlos wie ein Geist und scheint immer schon vorher zu wissen, wann das Levo bei jemandem in den roten Bereich rutscht. Aber sie ist nicht wie die Schwestern, die einen mit einer Umarmung zurückholen. Nett würde man sie wohl nicht gerade nennen.

»Es ist so weit, Kyla. Komm.«

»Muss ich denn gehen? Kann ich nicht einfach hierbleiben?«

Sie schüttelt den Kopf. Ein ungeduldiges Zucken in ihren Augen sagt »Das habe ich schon eine Million Mal gehört«. Oder zumindest 19.417 Mal, denn das ist die Nummer meines Levos.

»Du weißt, dass das nicht geht. Wir brauchen das Zimmer. Komm.«

Sie dreht sich um und geht durch die Tür. Ich nehme meine Tasche und folge ihr. Darin ist alles, was ich besitze – sie ist nicht schwer.

Ehe ich die Tür schließe, blicke ich zurück in mein Zimmer. Ein Bett, zwei Kissen, eine Decke, ein Schrank. Das Waschbecken mit einer Schramme an der rechten Seite ist das Einzige, was dieses Zimmer von den endlosen Reihen von quadratischen Räumen auf meinem und den anderen Korridoren unterscheidet. Das Erste, woran ich mich erinnere.

Neun Monate lang waren diese vier Wände die Grenzen meines Universums. Sie und Dr. Lysanders Büro, die Sporthalle und die Schule einen Stock tiefer, zusammen mit anderen wie mir.

Bzzzz: Es vibriert an meinem Arm noch stärker als vor einigen Minuten. Mein Levo ist auf 4,1 gefallen.

Zu niedrig.

Dr. Lysander dreht sich um und schnalzt leise mit der Zunge. Sie beugt sich zu mir herunter, sodass wir auf Augenhöhe sind, und berührt meine Wange mit der Hand. Wieder ein erstes Mal.

»Glaub mir, alles wird gut. Und wir werden uns ja alle zwei Wochen sehen.«

Sie lächelt. Aber eigentlich spannt sie die Lippen über die Zähne und ihr Gesicht wirkt damit fremd. Als ob das Lächeln unsicher wäre, wie es überhaupt dorthin gelangt ist. Ich bin so überrascht, dass ich meine Angst vergesse und mein Levo aus dem roten Bereich steigt.

Sie nickt, richtet sich auf und läuft den Flur hinab zum Lift.

Wir fahren schweigend neun Stockwerke nach unten ins »Erdgeschoss «, dann gehen wir einen kurzen Gang entlang, bis wir zu einer weiteren Tür gelangen. Eine, hinter der ich noch nie gewesen bin – aus gutem Grund. Darüber steht »S & E«: Sachbearbeitung und Entlassung. Sobald man durch diese Tür tritt, ist man raus.

»Geh nur«, sagt Dr. Lysander.

Ich zögere und öffne die Tür nur einen Spalt. Dann drehe ich mich noch einmal um, weil ich »Auf Wiedersehen« oder »Bitte gehen Sie nicht« oder beides sagen will, aber mit einem leisen Rascheln des weißen Kittels und der dunklen Haare ist Dr. Lysander schon wieder im Lift verschwunden.

Mein Herz schlägt viel zu schnell. Ich atme ein und aus und zähle dabei jedes Mal bis zehn, wie man es uns beigebracht hat, bis mein Puls wieder langsamer wird. Dann straffe ich meine Schultern und ziehe die Tür weiter auf. Hinter der Schwelle befindet sich ein langer Raum mit einer Tür am anderen Ende und Plastikstühlen an der Wand. Darauf sitzen zwei andere Slater, mit der gleichen Tasche, wie ich sie habe, vor sich auf dem Boden. Ich kenne beide aus der Schule, obwohl ich viel länger hier war als sie. Genau wie ich tragen sie nicht mehr die hellblauen Baumwoll-Overalls, sondern richtige Jeans – also einfach eine andere Uniform. Die beiden lächeln, weil sie sich darauf freuen, endlich das Krankenhaus mit ihren Familien zu verlassen.

Es ist ihnen egal, dass sie ihre Eltern und Geschwister noch nie zuvor gesehen haben.

Eine Krankenschwester hinter einem Tisch auf der anderen Seite des Raums blickt auf. Ich stehe in der Tür und will sie nicht hinter mir zufallen lassen. Die Frau runzelt leicht die Stirn und winkt mich ungeduldig herein.

»Komm. Bist du Kyla? Du musst dich bei mir eintragen, bevor du dich abmelden kannst«, sagt sie und lächelt breit.

Ich zwinge mich, zu ihr zu gehen. Mein Levo vibriert, als die Tür hinter mir ins Schloss fällt. Die Krankenschwester nimmt meine Hand und sieht auf mein Levo, während es noch stärker zu vibrieren beginnt: 3,9. Sie schüttelt den Kopf, hält mit einer Hand meinen Arm fest und bohrt mit der anderen eine Spritze in meine Schulter.

»Was war das?«, frage ich und ziehe meinen Arm weg, obwohl ich die Antwort kenne.

»Nur etwas, um dich bei Laune zu halten, bis du das Problem von jemand anderem geworden bist. Setz dich. Du wirst aufgerufen.«

Mein Magen dreht sich um, doch ich tue, was sie sagt, und setze mich. Die anderen beiden Slater sehen mich mit großen Augen an. Ich spüre, wie der Happy Juice langsam durch meine Adern strömt und alle Gefühle verwischt, aber er kann meine Gedanken nicht stoppen – selbst dann nicht, als mein Levo auf 5 steigt.

Was, wenn mich meine Eltern nicht mögen? Selbst wenn ich mir wirklich Mühe gebe – was zugegebenermaßen nicht immer der Fall ist –, scheinen mich andere Menschen nicht unbedingt leicht ins Herz zu schließen. Sie werden wütend, wie Dr. Lysander, wenn ich nicht tue oder sage, was sie erwarten.

Und was, wenn ich sie nicht mag? Ich kenne nur ihre Namen. Alles, was ich habe, ist ein Foto, das gerahmt an der Wand meines Krankenzimmers hing und jetzt in meiner Tasche steckt. David, Sandra und Amy Davis. Dad, Mum und meine große Schwester. Sie lächeln in die Kamera und sehen ganz nett aus, aber wer weiß schon, wie sie wirklich sind?

Doch letztendlich ist das alles unwichtig, denn ganz egal, wer sie sind – ich muss dafür sorgen, dass sie mich mögen.

Scheitern ist keine Option.

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Die »Sachbearbeitung« ist kaum der Rede wert. Ich werde gescannt, fotografiert, gewogen und meine Fingerabdrücke werden genommen.

Wie sich herausstellt, ist die »Entlassung« der schwierigere Teil. Die Schwester erklärt mir auf dem Weg, dass ich meine Mutter und meinen Vater begrüßen muss, dass sie und ich ein paar Formulare unterschreiben werden, die belegen, dass wir jetzt alle eine große wundervolle Familie sind, und wir dann gemeinsam nach Hause fahren werden, um für immer glücklich miteinander zu leben. Natürlich springt mir das Problem sofort ins Auge: Was, wenn sie mich sehen und sich plötzlich weigern zu unterschreiben? Was dann?

»Steh gerade! Und lächle«, zischt die Schwester und schiebt mich durch die Tür.

Ich setze ein breites Lächeln auf, obwohl ich genau weiß, dass es aus einer ängstlichen und traurigen Kyla keine engelsgleiche und glückliche Erscheinung macht.

Kaum bin ich über die Schwelle getreten, bleibe ich wie angewurzelt stehen: Da sind sie. Ich hatte irgendwie damit gerechnet, dass sie dort stehen würden wie auf dem Foto, in den gleichen Klamotten, wie Puppen. Aber alle drei tragen unterschiedliche Kleidung, sie stehen anders und tausend Details kämpfen um meine Aufmerksamkeit. Es ist alles zu viel für mich. Der Anblick meiner neuen Familie droht mich zu überwältigen, sodass ich wieder in den roten Bereich abrutsche, obwohl immer noch der Happy Juice durch meine Adern fließt. Ich höre die gelangweilte Stimme meiner Lehrerin mit dem ewig gleichen Mantra, als stünde sie direkt neben mir: Eins nach dem anderen, Kyla.

Also konzentriere ich mich auf ihre Augen und hebe mir den Rest für später auf. Dads Augen sind grau, rätselhaft und zurückhaltend. Mums Augen haben kleine Flecken auf hellem Braun – es sind ungeduldige Augen, die mich an die von Dr. Lysander erinnern. Augen, denen nichts entgeht. Und meine Schwester ist auch da: große, dunkle, fast schwarze Augen sehen mich neugierig an, umrahmt von schimmernder Haut wie brauner Samt. Als das Foto vor ein paar Wochen geschickt wurde, wollte ich wissen, warum Amy so anders aussieht als meine Eltern und ich, aber sofort wurde ich zurechtgewiesen, dass die ethnische Herkunft ohne Bedeutung sei und unter der wunderbaren Zentralkoalition keiner Erwähnung mehr wert sei. Aber wie kann man so etwas übersehen?

Die drei sitzen an einem Tisch, zusammen mit einem fremden Mann. Alle Augen sind auf mich gerichtet, aber niemand sagt ein Wort. Mein Lächeln fühlt sich immer unnatürlicher an, wie ein Tier, das gestorben ist und jetzt mit einer Todesfratze auf meinem Gesicht klebt.

Dann springt Dad von seinem Stuhl auf. »Kyla, wir freuen uns so, dass du jetzt zu unserer Familie gehörst.« Lächelnd nimmt er meine Hand und küsst mich auf die Backe. Seine Wange mit den Bartstoppeln fühlt sich rau an, aber sein Lächeln ist warm. Und echt.

Dann kommen auch Mum und Amy zu mir und alle drei überragen mich mit meinen ein Meter fünfzig. Amy hakt sich bei mir ein und streicht über mein Haar. »So eine schöne Farbe, wie goldener Weizen. Und so weich!«

Mum lächelt nun auch, aber ihr Lächeln gleicht meinem.

Der Mann am Tisch räuspert sich und raschelt dann mit irgendwelchen Papieren. »Würden Sie bitte unterzeichnen?«

Und Mum und Dad unterschreiben dort, wo er hinzeigt. Dann reicht Dad mir den Stift.

»Deine Unterschrift, Kyla«, sagt der Mann und tippt auf eine leere Linie am Ende des langen Dokuments. »Kyla Davis« ist darunter getippt.

»Was ist das?«, will ich wissen, und die Worte kommen aus meinem Mund, ehe ich denken kann, bevor ich spreche, wie Dr. Lysander es mir immer wieder eingeschärft hat.

Der Mann am Tisch hebt eine Augenbraue, während sich auf seinem Gesicht erst Überraschung und dann Verärgerung spiegelt. »Das Standardformular für die Entlassung aus der stationären Behandlung in den externen Vollzug. Unterzeichne.«

»Kann ich es erst lesen?«, frage ich, denn eine merkwürdige Sturheit in mir treibt mich an, obwohl ein anderer Teil von mir schlechte Idee flüstert.

Die Augen des Mannes werden schmaler, dann seufzt er. »Ja, das kannst du. Dann warten jetzt bitte alle, bis Miss Davis ihrem Rechtsanspruch nachgekommen ist.«

Ich blättere das Dokument durch, aber es hat über zehn Seiten, die so eng bedruckt sind, dass alles vor meinen Augen verschwimmt und mein Herz wieder rast.

Dad legt mir eine Hand auf die Schulter und ich drehe mich um. »Das ist schon in Ordnung, Kyla. Nur zu«, sagt er ruhig.

Auf ihn und Mum muss ich ab jetzt hören. Ich erinnere mich, dass das eine der Regeln ist, die mir eine Schwester letzte Woche geduldig zu erklären versucht hat. Und es ist Teil dessen, was im Vertrag steht.

Ich werde rot und unterzeichne: Kyla Davis. Nicht mehr nur Kyla – der Name, den eine Beamtin für mich ausgesucht hat, als ich hier vor neun Monaten zum ersten Mal die Augen aufschlug. Und jetzt habe ich außerdem einen richtigen Nachnamen, der zu mir gehört und mich zum Teil einer Familie macht. Das steht auch irgendwo im Vertrag.

»Lass mich das tragen«, sagt Dad und nimmt meine Tasche. Amy hakt sich wieder bei mir ein und wir gehen durch die letzte Tür.

Und einfach so lassen wir alles hinter uns, was ich kenne.

Mum und Dad mustern mich im Autospiegel, als wir aus der Tiefgarage unter dem Krankenhaus fahren. Es ist okay, denn ich mustere sie genauso.

Sie fragen sich wahrscheinlich, wie sie zu zwei Töchtern gekommen sind, die so überhaupt nicht zusammenpassen. Und das hat noch nicht mal mit der Hautfarbe zu tun, die man ja sowieso nicht bemerken darf.

Amy sitzt auf der Rückbank neben mir: groß, attraktiv und drei Jahre älter als ich. Ich bin klein und dünn und habe feine blonde Haare – ihre sind dunkel, dick und schwer. Sie ist eine Granate, wie einer der Pfleger immer eine Schwester genannt hat, auf die er stand. Und ich bin …

Mein Gehirn sucht nach einem Wort für das Gegenteil von Amy, aber es kommt nichts. Vielleicht ist das aber auch schon die Antwort: Ich bin ein leeres, langweiliges Blatt Papier.

Amy trägt ein fließendes, rot gemustertes Kleid mit langen Ärmeln, aber sie hat einen davon hochgeschoben, sodass ich das Levo an ihrem Handgelenk sehen kann. Meine Augen weiten sich vor Überraschung: Sie wurde auch geslated. Ihr Levo ist ein älteres Modell, groß und dick im Vergleich zu meinem, das nur aus einer schmalen Goldkette mit einem kleinen Display besteht und aussehen soll wie eine Armbanduhr oder ein Armkettchen. Aber darauf fällt natürlich niemand rein.

»Ich freu mich so, dass ich jetzt eine Schwester habe«, sagt Amy, und es muss stimmen, denn auf ihrer Digitalanzeige steht 6,3.

Wir kommen zur Pforte – hier halten mehrere uniformierte Männer Wache. Einer tritt ans Auto, die anderen sehen hinter der Glasscheibe zu. Dad drückt auf ein paar Knöpfe und alle Autofenster und der Kofferraum gehen auf.

Mum, Dad und Amy ziehen ihre Ärmel hoch und halten ihre Hände aus den Fenstern, also tue ich das Gleiche. Der Wächter schaut auf Mums und Dads leere Handgelenke und nickt, geht dann zu Amy und hält ein Ding an ihr Levo, bis es piept. Dann macht er dasselbe mit meinem Levo. Er wirft einen Blick in den Kofferraum und schließt ihn wieder.

Eine Schranke geht auf und wir dürfen passieren.

»Kyla, was möchtest du heute machen?«, fragt Mum.

Mum ist rund und spitz, nein, das ist kein Scherz. Ihr Körper ist rund und weich, aber ihr Blick und ihre Worte sind spitz.

Der Wagen fährt auf die Straße und ich drehe mich um. Ich kenne das Krankenhaus gut, aber nur von innen. Das Gebäude ist riesig – ich sehe endlose Reihen von vergitterten Fenstern. Hohe Zäune und Türme mit Wachen, die auf und ab patrouillieren, markieren die Grenzen des Klinikgeländes. Und …

»Kyla, ich habe dich etwas gefragt!«

Ich schrecke hoch. »Ich weiß es nicht«, sage ich vorsichtig.

Dad lacht auf. »Natürlich nicht, Kyla, keine Sorge.« Dann wendet er sich an Mum: »Kyla weiß nicht, was sie unternehmen möchte, denn sie hat ja nicht einmal eine Vorstellung davon, was man unternehmen kann

»Also komm, Mum, das weißt du doch«, sagt Amy und schüttelt den Kopf. »Lasst uns direkt nach Hause fahren. Sie soll sich erst ein bisschen an alles gewöhnen, hat die Ärztin gesagt.«

»Ja, Ärzte wissen immer alles«, seufzt Mum, und ich kapiere, dass dieses Thema wohl schon häufiger zur Diskussion stand.

Dad schaut in den Spiegel. »Kyla, weißt du, dass 50 Prozent aller Ärzte die schlechtesten Schüler ihres Jahrgangs waren?«

Amy lacht.

»Also ehrlich, David«, protestiert Mum, aber sie lächelt auch.

»Kennt ihr den Witz von dem Arzt, der links nicht von rechts unterscheiden konnte?«, beginnt Dad und zählt eine lange Liste von Operationsfehlern auf, von denen ich hoffe, dass sie nie in meinem Krankenhaus passiert sind.

Aber bald vergesse ich alles um mich herum und starre nur noch aus dem Fenster.

London.

Ein neues Bild entsteht in meinem Kopf. Das New London Hospital verliert seinen zentralen Platz in meinen Gedanken und versinkt in einem weiten Meer. Straßen, die immer weiter und weiter führen, Autos, Gebäude – alles ist voller Leben. Zum Trocknen aufgehängte Wäsche auf Balkonen und Vorhänge, die aus Fenstern herauswehen. Überall: Menschen – in Autos und auf der Straße. Menschenmassen und Läden und Büros und immer noch mehr Menschenmassen, die in alle Richtungen strömen und die Wachleute ignorieren, die an den Straßenecken stehen, wenn auch immer seltener, je weiter wir uns vom Krankenhaus entfernen.

Dr. Lysander hat mich oft gefragt, warum ich den Drang habe, alles zu beobachten und alles wissen zu wollen, um es mir einzuprägen und jeden Bezugspunkt und jede Position zu merken.

Doch die Antwort ist, dass ich es nicht weiß. Vielleicht will ich mich nicht leer fühlen. Es fehlen so viele Details, die ergänzt werden müssen.

Schon nach wenigen Tagen in der Klinik – sobald ich wieder wusste, wie man einen Fuß vor den anderen setzt, ohne hinzufallen – bin ich jedes frei zugängliche Stockwerk abgegangen, habe Flure und Türen gezählt und als Bilder in meinem Gehirn gespeichert. Ich hätte danach jedes Schwesternzimmer, jedes Labor und jeden anderen Raum blind wiedergefunden. Und auch jetzt noch schließe ich meine Augen und sehe alles vor mir.

Aber London ist anders. Eine ganze Stadt. Ich müsste jede einzelne Straße entlanggehen, um das Bild zu vervollständigen. Doch wir scheinen den direkten Weg nach Hause zu nehmen, in ein Dorf, eine Stunde westlich von London.

Natürlich habe ich in der Krankenhausschule Landkarten und Fotos gesehen. Stundenlang haben sie uns jeden Tag mit so viel Allgemeinwissen gefüttert, wie unsere leeren Gehirne aufnehmen konnten, um uns auf unsere Entlassung vorzubereiten.

Wie anders das doch war. Ich habe mich auf jede Information gestürzt und sie mir eingeprägt und gezeichnet, mir alles in meinem Notizbuch aufgeschrieben, damit ich nichts vergessen würde. Doch die meisten anderen waren weniger aufnahmebereit. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, alles und jeden breit und dämlich anzugrinsen. Denn als wir geslated wurden, haben sie die Ausschüttung unserer Glückshormone manipuliert und erhöht.

Wenn sie also auch mein Hormonlevel verändert haben, muss ich vorher bei null gewesen sein.

Teri Terry

Gelöscht (Dystopie-Trilogie Band 1)

Jugendbuch

ISBN (Buch) 978-3-649-61183-7

ISBN (eBook) 978-3-649-61521-7

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1

Erst fragten alle, ob sie irgendwas wisse. Nora sagte Nein. Und sie wolle auch nichts wissen.

Dann fragten sie, ob Schluss sei. So richtig und endgültig Schluss. Mit Nick. Ja, sagte sie, es sei Schluss. Aus, vorbei.

Danach fragte keiner mehr. Alle kapierten, dass etwas total schief gelaufen war. Dass es viel mehr war als bloß eine in die Brüche gegangene Liebesgeschichte.

Nicks Platz in der Klasse blieb leer. Die Lehrer wirkten irritiert. Niemand hatte eine Ahnung, was los war. Er war weg. Mehr wussten sie nicht. Das hieß natürlich nicht, dass er ermordet und entsorgt worden war, wie in den ersten Tagen überall getuschelt wurde. Nein, er hatte bei seinen Pflegeeltern einen Zettel hinterlassen und er war im Bus nach Oslo gesehen worden.

Er war aus freien Stücken verschwunden.

Irgendwie machte das die ganze Sache noch schlimmer, fand Nora. Er war einfach abgehauen, als würde nichts und niemand ihm etwas bedeuten. Weder Nora noch seine Freunde. Gar niemand. Er scherte sich einen Dreck um sie. Und machte sich nicht einmal die Mühe, eine SMS zu schicken.

Wie konnte er so etwas tun? Wie konnte er so kalt und gemein und voller Bosheit sein? Das hatte sie nicht von ihm gedacht. Nicht Nick. Und so einen hatte sie geküsst und von ihm geträumt! Ihn geliebt und Lust auf ihn gehabt!

All das. Und trotzdem war sie ihm nicht gut genug. Er hatte einfach durch sie hindurchgesehen. Er haute einfach ab, als ob ihre Gefühle – warm und aufrichtig, so wie sie eben war – total widerwärtig wären. Als ob er so etwas am liebsten nie wieder erleben wollte.

Arschloch, dachte Nora. Du verdammtes Arschloch.

2

Sie verbarrikadierte sich nicht. Sie ging in die Schule, redete mit den anderen und versuchte, sooft es ging, zu lächeln. Aber es war nicht einfach. Erst wenn sie am Nachmittag wieder in ihrem Zimmer war, konnte sie sich entspannen und ganz sie selbst sein. Dann schloss sie die Tür ab und kuschelte sich mit einem Buch in den Sessel. Meldete sich von der Welt ab. Ciao. Das Leben musste draußen bleiben.

Nora wusste, dass sie nicht mehr darüber nachdenken, nicht mehr nachfühlen sollte. Nick musste raus aus ihrem Kopf. Aber sie hatte keine Kraft. In ihrer Brust war ein großes Loch.

Sie musste die ganze Sache einfach vergessen. Warum sollte sie sich selbst so quälen? Sich an die Einzelheiten erinnern und alles noch mal fühlen, wenn es doch nur schrecklich weh tat? Du verdammtes, blödes Arschloch! Also versuchte sie, es bei dem Gedanken bewenden zu lassen.

Am Donnerstagabend klopfte ihre Mutter an die Tür und kam herein, ohne eine Antwort abzuwarten.

„He!“, sagte Nora.

„Hallo“, sagte ihre Mutter.

Nora schlug ihr Buch zu und setzte sich auf. „Du könntest ruhig warten, bis ich ‚herein‘ gesagt habe!“

„Hm?“, machte ihre Mutter mit erhobenen Augenbrauen. Als ob sie ernsthaft versuchte, Nora zu verstehen. Aber eigentlich hörte sie überhaupt nicht zu. Das konnte Nora genau sehen.

„Was liest du da?“, fragte ihre Mutter.

„Nichts“, sagte Nora. Es war eine neue Taschenbuchserie, da war eigentlich nichts dabei. Aber sie hatte einfach keine Lust, ihrer Mutter eine Antwort zu geben.

„Na ja“, sagte ihre Mutter abwesend und lehnte sich an den Türrahmen. „Du, ich muss morgen nach Oslo.“

„Aha.“ Nora sah ihre Mutter stirnrunzelnd an. So what?

„Ich bleibe über Nacht“, sagte ihre Mutter. „Wir müssen mit ein paar Experten die technischen Beweise durchgehen, die zur Analyse in Oslo waren. Und ich muss den Fall mit den Juristen von der Kripo besprechen. Das dauert sicher bis Freitagabend. Und am Samstagmorgen habe ich noch einen Termin vor Ort. Also …“ Sie zuckte die Schultern. „Ist ja Quatsch, für die eine Nacht nach Hause zu fahren. Das schaffe ich praktisch gar nicht. Jedenfalls kriege ich dann kaum Schlaf. Ich …“

„Mama“, sagte Nora. „Du schwafelst.“

„Ich schwafele?“

„Das sagst du doch immer, wenn ich um den heißen Brei rede.“

„Ich will dir ja nur erklären …“

„Ist schon in Ordnung. Echt. Ich meine, das ist doch dein Job, oder? Ich verstehe das schon. Fahr ruhig nach Oslo. Kein Thema.“

„Aber Peer ist auch nicht da“, sagte ihre Mutter. „Er fährt ins Trainingslager. Dann bist du ganz allein.“

„Super“, sagte Nora. „Endlich habe ich meine Ruhe.“

Ihre Mutter lächelte schmal. „Ja, ja.“

„Nur, wenn man mal genauer darüber nachdenkt, ist es natürlich ganz schön daneben – erst nervst du mich die ganze Zeit damit, dass ich vorsichtig sein soll und so, und dann lässt du mich einfach so allein. Verdrückst dich nach Oslo und ich sitze einsam hier rum“, zog Nora ihre Mutter auf.

„Wenn du nicht allein zu Hause bleiben willst, dann …“

„Halloooo? Das war ein Witz! Ein Wihitz!“

„Ich bin normalerweise nicht der Meinung, dass es gefährlich ist, vor die Tür zu gehen“, sagte ihre Mutter.

„Warum reitest du dann dauernd darauf rum? Du willst doch am liebsten, dass ich die ganze Zeit zu Hause bleibe.“

„Ich kann dir jemanden vorbeischicken“, schlug ihre Mutter vor.

„Nein! Das wirst du nicht tun!“

„Und wenn du dir ein paar Freundinnen einlädst?“, sagte ihre Mutter. „Benedicte und Vilde und ein paar Mädchen aus eurer Klasse? Wäre das nicht netter, als hier ganz allein zu hocken?“

„Ja, schon“, sagte Nora. Forderte ihre Mutter sie gerade auf, eine Party steigen zu lassen? Sie fragte lieber nicht nach. Sie war ja nicht dumm. Es war einfacher, sich später zu entschuldigen, als vorher eine Erlaubnis zu bekommen.

„Die Sache mit Trine ist jetzt bald drei Wochen her“, sagte ihre Mutter. „Es kann euch nur guttun, wenn ihr neben der Schule ein bisschen sozialen Umgang habt. Ihr müsst versuchen, wieder mehr Normalität ins Leben zu kriegen.“

Nora sah ihre Mutter an. Sie wusste, was sie meinte, und sie war sogar derselben Ansicht. Trotzdem stieß es ihr bitter auf. Das waren doch nur schöne Worte: sozialer Umgang, mehr Normalität. Wenn man es so ausdrückte, war es in Ordnung. Aber wenn sie in ihren eigenen, viel einfacheren Worten darüber nachdachte – Wann darf ich wieder fröhlich sein? Und: Muss ich noch lange darüber nachgrübeln? –, dann fühlte es sich schrecklich an. Wie Verrat an Trine und an allem, was sie geteilt hatten. Wie Verrat an all den Jahren, die sie sich kannten.

„Das ist doch eine gute Idee“, sagte ihre Mutter plötzlich ganz begeistert. „Triff dich doch morgen Abend mit ein paar Freundinnen hier und macht es euch richtig nett. Ihr habt es verdient.“ Sie klatschte in die Hände. „Vielleicht lädst du sogar alle Mädchen aus der Klasse ein? Wäre das nicht noch schöner? Dann könnt ihr mal richtig miteinander quatschen.“ Ihre Mutter lächelte breit. Offensichtlich war das Problem gelöst. „Ja? Nora? Machst du das?“

„Wie bitte?“, fragte Nora.

„Du kannst doch nicht ewig hier rumsitzen“, sagte ihre Mutter noch einmal.

„Ach nee“, sagte Nora.

„Du löst jedenfalls nichts, wenn du dir hier den Hintern platt sitzt.“

„Was soll ich denn bitte schön lösen?“ Nora legte ihr Buch auf den Tisch. „Bin ich bei der Polizei oder du?“

„Du hast ein Leben, oder nicht?“, sagte ihre Mutter. „Du kannst nicht einfach aussteigen.“ Sie schwieg und drehte sich um, dann hielt sie inne und wandte sich wieder an Nora. „Warst du nicht mit diesem neuen Jungen aus deiner Klasse zusammen, diesem Nick?“

„Was soll denn das jetzt?“

„Ihr wart doch zusammen, oder?“

„Mama.“

„Ich dachte ja nur“, sagte ihre Mutter. „Wo er doch jetzt plötzlich weg ist. Das ist bestimmt auch nicht so toll für dich.“

„Woher weißt du, dass er weg ist?“, fragte Nora.

„So was kriegt man bei der Polizei eben mit.“

„Liegt gegen ihn eine Anzeige vor, oder was?“

„Nein, nein. Aber er ist noch nicht volljährig. Er ist ja Pflegekind, und die Pflegeeltern sind verpflichtet, es zu melden, wenn was passiert. Sie haben schon seit ein paar Tagen nichts mehr von ihm gehört. Er hat einfach seine Sachen gepackt und ist verschwunden.“

„Oh.“

„Ja“, sagte ihre Mutter. „Und du? Hast du auch nichts mehr von ihm gehört?“

Nora schüttelte den Kopf.

„Gib mir Bescheid, wenn er sich bei dir meldet, dann kann ich den Pflegeeltern mitteilen, dass es ihm gut geht.“

„Mmm.“ Nora nickte.

„Schön.“ Ihre Mutter lächelte. „Komm doch nachher noch ein bisschen runter.“

„Ja.“

„Gut.“ Ihre Mutter ging hinaus und schloss die Tür hinter sich.

Nora sah ihr nach. Dann griff sie nach ihrem Buch, schlug es aber nicht auf. Nach einer Weile bemerkte sie, dass der Einband ganz verknickt war, so fest hatte sie es umklammert.

Meine Mutter, dachte sie. Mama! Will von mir, dass ich eine Party feiere, damit mein Leben ein bisschen gepimpt wird. Am liebsten hätte sie laut über diese Hoffnungslosigkeit gelacht. Get a life, oder was? Bin ich wirklich so erbärmlich, dass die ganze Welt es sehen kann?

3

Am nächsten Morgen stand Lena Kristine Sigvardsen Moe, Noras Mutter, zwei Stunden früher auf als sonst. Sie ließ sich Zeit im Bad und zog sich ein relativ neues Outfit an. Sie hatte sich genau überlegt, was sie tragen wollte, und die Klamotten am Vorabend rausgesucht.

Noch ein letzter Blick in den Spiegel. Hübsch, aber nicht zu hübsch. Schick, aber nicht zu schick für die Arbeit. Manchmal war sie wirklich neidisch auf die Kollegen, die Uniform trugen. Sie hatten jeden Tag dasselbe an und mussten sich nur zwischen langärmeligem oder kurzärmeligem Hemd entscheiden. Es war nervig, immer in Zivil zu sein. Immer musste sie sich überlegen, wie sie aussah. Sie warf einen Blick auf die Uhr. Bis ins Zentrum von Oslo würde sie mindestens zwei Stunden brauchen. Sie war sehr selten dort. Vielleicht blieb sie auch noch im Stau stecken oder musste den Weg zur Polizeiwache suchen. Am besten brach sie so früh wie möglich auf.

Sie machte sich drei Scheiben Brot für unterwegs. Dann ging sie aus dem Haus, schloss den Wagen auf und startete den Motor. Sie setzte ihr Headset auf und rief Kripo-Kruse an. Sie musste lächeln. Bestimmt war sie nicht die Erste, die ihn so nannte.

Kruse war in Ordnung. Er war jung, noch nicht so hart und abgebrüht. In seinen Augen lag noch nicht der kripotypische „Ich hab schon alles Grausame dieser Welt gesehen“-Blick. Manchmal erschreckte sie das richtig. Vor allem beim Ermittlungsleiter. Sie hatte Schwierigkeiten mit seiner intensiven Art und seiner kalten Verbitterung. Es war total anstrengend, in seiner Nähe zu sein.

Das Freizeichen erklang. Es klingelte einmal, zweimal, dreimal. Er war ganz sicher wach. Das sollte er zumindest. Er hatte Nachtdienst und einen Haufen Arbeit vor sich gehabt, als sie am Vortag das Büro verlassen hatte.

Endlich ging er ans Telefon. Er räusperte sich in den Hörer.

„Hallo“, sagte sie. „Wie geht’s?“

Sie hörte, wie er sich streckte und ein Gähnen unterdrückte.

„Hast du was rausgefunden?“

„Oh ja. Dreimal darfst du raten!“

Und?“

„Ich weiß alles.“

„Alles?“

„Mmm.“

„Was denn alles?“

„Alles, bis ins kleinste Detail.“

„Was wird das hier? Ein Ratequiz?“ Lena Kristine Sigvardsen Moe lachte. „Was hast du rausgefunden?“

„Genug“, sagte Kruse.

„Genug wofür? Um ihn dranzukriegen?“

„Nein, erst mal noch nicht. Hauptsächlich Hintergrundmaterial. Aber das reicht dicke, um sicher zu sein, dass er es war. Ja. So sieht es aus. Er hat es getan. Alles. Da wette ich meine Boxershorts drauf.“

Lena Kristine Sigvardsen Moe lachte wieder. „Die will ich nicht!“

„Okay. Dann fress ich sie, wenn er es NICHT war.“

„Und wer muss sie fressen, wenn er es doch war?“

„Der Chef!“

Beide brachen in lautes Gelächter aus.

„Übrigens, Kruse“, sagte Lena Kristine Sigvardsen Moe. „Nora ist heute Abend und heute Nacht allein zu Hause. Sie hat ein paar Freunde aus ihrer Klasse eingeladen. Kannst du eine Zivilstreife vorbeischicken, die ab und zu nach dem Rechten sieht? Nur so zur Kontrolle?“

„Ja, logisch.“

„Aber nicht klingeln!“

„Nein, nein.“

„Nur gucken, ob alles okay ist.“

„Ja, ist klar.“

„Gut. Danke.“

„Und wenn nicht alles okay ist?“

„Was? Wenn nicht alles okay ist?“

„Ja.“

„Was meinst du mit ‚nicht okay’?“

„Na ja“, sagte Kruse. „Sollen wir reingehen, wenn es irgendwie Ärger gibt?“

„Was denn für Ärger?“

„Laute Musik, Leute, die in die Hecke kotzen. Was weiß ich. Ärger eben.“

„In die Hecke?“, fragte Lena Kristine Sigvardsen Moe ernsthaft schockiert. Sie überlegte. „In die Hecke …“, murmelte sie. „Also …“

Kruse half ihr auf die Sprünge. „Lena. Ich fahre selbst mal hin. Und ich gehe nur rein, wenn es wirklich Probleme gibt. Gönnen wir dem Mädchen doch einfach ein bisschen Privatsphäre, oder?“

„Ja, na gut“, sagte Lena Kristine Sigvardsen Moe.

„Das hat sie sich verdient“, sagte Kruse.

„Mm.“

„Okay, abgemacht.“ Kruse grinste im Stillen. Mütter! „Also, entspann dich. Es wird schon nichts passieren. Wir haben alles unter Kontrolle. Wir haben ihn. Wenn die technische Analyse ergibt, dass die Beweise wasserdicht sind, gibt es keinen Zweifel mehr. Dann kriegen wir ihn für die ganze Geschichte dran. Game over.“

4